Dreckige Geschäfte mit dem Weißen Gold Spektakulärer Fund belegt zunehmenden Elfenbein-Handel

Malaysische Zollfahnder haben in Port Klang bei Kuala Lumpur etwa 1500 Elefanten-Stoßzähne entdeckt. Vermutlich sollten sie nach China transportiert werden.

(Foto: AP)

1500 Elefanten-Stoßzähne im Wert von mehr als 15 Millionen Euro haben Fahnder in Schiffscontainern in Malaysia entdeckt. Das klingt nach einem Erfolg. Doch der Fund ist auch ein Zeichen dafür, dass der illegale Handel mit Elfenbein immer erschreckendere Ausmaße annimmt.

Von Katrin Blawat

Der Schatz lag unter einem Haufen Holz: Etwa 1500 Elefanten-Stoßzähne, nach Schätzungen einer malaysischen Zollbehörde umgerechnet mehr als 15 Millionen Euro wert. Fahnder hatten die illegale Ware in zwei Schiffscontainern entdeckt, die offiziell Holzdielen für Fußböden enthielten. Es ist die größte Menge Elfenbein, die in Malaysia je beschlagnahmt wurde.

Ist der Fund also ein Erfolg? Oder eher ein Zeichen dafür, dass der illegale Handel mit Elfenbein nicht nur weiter floriert, sondern immer erschreckendere Ausmaße annimmt?

Davor warnt die internationale Artenschutzorganisation Traffic in einem aktuellen Bericht. So wurde im vergangenen Jahr Elfenbein von schätzungsweise 2500 getöteten Tieren konfisziert - und dabei bleiben vermutlich neun von zehn illegalen Lieferungen unentdeckt.

Der Schwarzhandel mit Elfenbein, aber auch Rhinozeroshorn, Tigerknochen und ähnlicher Ware sei weit mehr als nur ein Problem für die betroffenen Arten, heißt es im Traffic-Bericht. Der illegale Handel mit den tierischen Produkten helfe auch, Bürgerkriege zu finanzieren und verlocke zur Korruption. Mehrere Regierungsvertreter gaben in Interviews an, dass bestechliche Mitarbeiter von Staatsbehörden einer der wichtigsten Faktoren seien, die den Schwarzhandel im großen Stil ermöglichen.

Zunehmend steigen kriminelle Syndikate ins Geschäft ein, die Transportwege werden verschlungener. Das in Malaysia beschlagnahmte und für China bestimmte Elfenbein war aus Togo über Spanien gekommen, wie die Zollfahnder am Dienstag mitteilten. Togo gilt als beliebter Umschlagplatz für Stoßzähne.

Die Schmuggler nehmen komplizierte Transportwege in Kauf, weil sie sich immer noch eines riesigen Gewinns sicher sein können - auch nach Abzug von Bestechungsgeldern oder gelegentlicher Strafzahlungen. Ein Kilo Rhinozeroshorn bringt laut Traffic bis zu 60.000 Dollar. Der gesamte illegale Handel mit Tieren (ausgenommen Fischen) und Pflanzen erreiche einen Wert von zehn Milliarden Dollar pro Jahr.

Die hohen Preise machen Stoßzähne und Rhinozeroshorn als illegale Zahlungsmittel ebenso attraktiv wie als Spekulationsobjekte. Für Elfenbein sitzen die Endkunden vor allem in China und Thailand. "Elfenbein wird hauptsächlich zu Dekorationsobjekten geschnitzt", sagt Traffic-Mitarbeiter Richard Thomas: zu Essstäbchen, kleinen Figuren und ähnlichem Nippes, der den Wohlstand des Besitzers demonstriert.

In Thailand gehören viele Touristen zu den Käufern des Weißen Goldes. Möglicherweise denken sie, es handele sich um Elfenbein von domestizierten Tieren. Dieses darf in Thailand zwar verkauft werden, doch lohne sich das für Händler nicht, sagt Thomas. "Touristen sollten davon ausgehen, dass alles Elfenbein in Thailand illegales ist."

Das pulverisierte Horn von Rhinozerossen sieht schmuckloser aus, ist aber vor allem in Vietnam ebenfalls sehr begehrt. Und das nicht mehr nur als angebliches Heilmittel bei allen möglichen Leiden von Potenzstörungen bis Krebs, sondern zunehmend auch als Aufputschdroge der Neureichen. Sie nehmen es im Glauben, das Pulver helfe gegen die Folgen wilder Partys - dabei besteht Rhinozeroshorn aus dem gleichen Material wie menschliche Fingernägel.