Eine WWF-Studie berechnet erstmals die Folgen der Erderwärmung bis zum Jahr 2100. Doch die dramatischen Ergebnisse werden wohl nur zum Teil eintreten.
Die Folgen des Klimawandels am Ende dieses Jahrhunderts dürften viele Menschen in Deutschland am eigenen Körper zu spüren bekommen.
Bild vom ausgetrockneten Rheinufer in Düsseldorf vom Juli 2003. (© Foto: dpa)
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Um 5000 bis 15.000 werde die Zahl der Hitzetoten in den Jahren 2071 bis 2100 steigen, besagt eine Studie, die die Umweltorganisation WWF zusammen mit dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag in Hamburg vorgelegt hat.
Die Krankenhauseinweisungen wegen der Hitzewellen könnten sich auf 150.000 pro Jahr versechsfachen. Allein das dürfte zusätzliche Kosten im Gesundheitswesen von 300 bis 700 Millionen Euro verursachen. Zusätzlich erwarten die Autoren einen Produktivitätsverlust der Wirtschaft. Wenn die Arbeitsleistung an Hitzetagen um zwölf Prozent abnimmt, könnte das Sozialprodukt in Deutschland jährlich um zehn Milliarden Euro in heutigen Preisen sinken. Der WWF fordert darum von der Bundesregierung, die Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase schnell einzudämmen.
Zahl der Hitzetoten könnte steigen
Die Autoren der Studien haben ihrer Hochrechnung eine regionale Klimasimulation für Deutschland zugrunde gelegt. Diese sagt zum Beispiel voraus, dass die Zahl der Tage, an denen die Hitze zur großen Belastung wird, in Hamburg um neun, in Leipzig um zwölf, in Mannheim um 23 und in Regensburg um 22 zunehmen könnte.
Das entspricht in den meisten Regionen ungefähr einer Verdopplung der Tage, wenn man Modellrechnungen für die letzten Jahrzehnte des 21. und des 20. Jahrhunderts vergleicht. In Mannheim wären es dann 46Tage.
Während der Hitzewelle des Jahres 2003 kommen Forscher auf nur etwa 20 bis 25 Tage mit ähnlich hoher Hitzebelastung. Damals sind Schätzungen zufolge 7000 Deutsche zusätzlich in Folge der Hitze gestorben. Diese Zahl werfe auch ihr Rechenmodell aus, sagen die Autoren.
Dass WWF und IfW für das Ende des Jahrhunderts dennoch bis zu 15000 zusätzliche Todesfälle prognostizieren, liegt an einer Reihe von Annahmen. In der heutigen Bevölkerung würde die gestiegene Hitze gut 5000 mehr Menschen das Leben kosten, hinzu komme ein demographischer Effekt. Da die Zahl der Alten stark zunehme, erlägen weitere 7000 Menschen der Hitze. Unter der extremen Annahme, dass ihr nur Menschen ab 75 Lebensjahren zum Opfer fallen, steigt diese Zahl sogar auf über 9000.
Einige Faktoren vernachlässigt
Doch zwei gegenläufige Effekte lässt der WWF in seiner Presseerklärung weg. Mit dem Klimawandel dürfte sich auch die Kälte im Winter abschwächen: Im Oberrheingraben gäbe es pro Jahr fünf Tage mit Kältestress weniger, in Vorpommern 60. Das könnte bedeuten, dass im Winter gut 5000 Menschen weniger sterben als heute.
Die Sterblichkeit würden sich regional verschieben: zusätzliche Hitzetote eher im Süden, Winter-Überlebende im Norden. Zudem berücksichtigt die Studie nicht, dass sich Menschen im Lauf der Jahrzehnte an die zunehmende Hitze anpassen. Das sei ,,natürlich nicht realistisch'', geben die Autoren zu und listen eine Reihe möglicher Anpassungsstrategien auf - von Klimaanlagen bis zur besonderen Betreuung alter Menschen.
(SZ vom 08.02.2007)
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Ich persönlich finde es ganz gut, wenn es in Deutschland mal ein bisschen wärmer wird, und das wird ja dank des Klimawandels auch passieren. Für Deutschland gesehen ist doch Vieles prima an der Perspektive: Man muss nicht mehr in den Süden fahren, weil es warm genug in Deutschland ist, im Winter spart man sich Heizkosten und vor allem nimmt - wenn es mehr Sonne gibt - die Zahl der depressionsgeplagten Menschen in Deutschland ab und die Lebensqualität steigt, weil die Menschen nicht mehr so sauertöpfisch sind wie gewohnt.
Natürlich gibt es auch ein paar Nachteilchen, aber man ist ja nicht gezwungen, in den Landesteilen Deutschlands zu leben, die negativ vom Klimawandel betroffen sind. Es gibt ja in Deutschland - nein! sogar innerhalb der EU - die Möglichkeit, dort niederzulassen, wo es einem gefällt.
Also, wie gesagt, ich bin ein ganz großer Fan des Klimawandels, und - ehrlich gesagt - würde es mich überhaupt nicht stören, wenn das Bruttosozialprodukt absinkt (ich bin ja nicht der Staat, den das kümmern sollte ;-) ).
Und überhaupt: Es wird immer so getan, als müssten "wir" etwas tun gegen den Klimawandel, und dass "wir alle" betroffen seien. Wenn man sich umschaut und seine "wir"-Freunde suchen geht, dann steht man alleine und verlassen da. Wo der deutsche Michel beim Zähneputzen das Wasser abdreht, um "Wasser zu sparen", da lässt der Amerikaner es munter laufen. Wo der "brave" Deutsche Energiesparlampen kauft, um die CO2-Emissionen zu verringern, da brennen an öffentlichen Einrichtungen in den USA Nichtenergiesparlampen auch die ganze Nacht und niemand kommt auf die Idee, den Schalter zu betätigen. Und in wieder anderen Ländern haben die Heizkörper nicht einmal Thermostate, da werden die Autos im Winter laufengelassen (weil es ja sonst zu kalt wird im Auto) und auch im Sommer (weil man ja sonst die Klimaanlage abstellen müsste, und das geht ja nicht) oder einfach so (weil man zu faul ist, am Schlüssel zu drehen).
Wie man sieht, hängt in der Klimadebatte argumentativ einiges schief.
Also bescheide ich mich in der Hoffnung, dass wir in Deutschland bald ganz tolle Sommer haben werden und warme Winter, und das ist doch super, oder nicht? :-)
ambestenwisser Wintertoten abziehen
Es sind nicht die Wintertoten, sondern die Winter-Lebenden, die gegengerechnet werden. Dies ist dann doch ein gehöriger Unterschied.
Und deswegen müsste die Überschrift des suedeutschen Artikels auch nicht heißen :
Klimawandel mit Todesfolgen
Sondern
WENIGER TOTE DURCH DEN KLIMAWANDEL
da habe ich den Artikel wohl nicht zu Ende gelesen. Die rechnen ja wirklich die Wintertoten dagegen. Also, da muss ich gar nichts mehr hinzufügen diese Kalt-Warm-Verrechnerei disqualitfiziert sich selbst.
Also ich finde den Artikel bzw. die Reduzierung der Klimawandels auf Temperatureffekte total eindimensional. Wenn man von einem größeren Klimawandel spricht, dann geht es um den Zusammenbruch von Ökosystemen, um Missernten unvorstellbaren Ausmaßes, um Überschemmungen gänzer Länder, um Versiegende Flüsse um die Versumpfung von riesigen ehemaligen Permafrost-Regionen und dadurch auch um 100 Milliionen, wenn nicht Millarden Flüchtlinge, um Kriege die dadurch entstehen, mal abgesehen von den kurzfristigen Auswirkungen wie durch Klima-Extremsituationen.
Das ganze auf die Temperatur zu reduzieren ist wirklich sehr kurz gedacht. Da müsste man ja auch die Zahl, der Leute die weniger erfrieren abziehen, wenn man dieser Logik folgt.
Der WWF ist für mich seit einiger Zeit sowieso nur noch eine Marketingmaschine, die Eigenwerbung macht anderen Umweltorganisationen, die sehr gute Arbeit machen, damit potentielle Spendengelder streitig macht.
Also ich habe meine Q7 Breitstreifen bei folgendem Onlineshop bestellt ... ;-)
09.02.2007 12:28:16
@Schmitt-Urbar
Na, nun nicht gleich wieder persönlich werden. Ich bin weder Politiker noch Lobbyist.
Vielleicht sind Sie aber Mitglied des WWF?
Was meinen Sie wie glaubwürdig eine Organisation ist, wenn sie solche äußerungen von sich gibt :
"In Folge des Klimawandels droht in Deutschland bis zum Ende des Jahrhunderts eine deutliche Zunahme der Hitzetoten und Verlust der Arbeitsproduktivität", heißt es auf der Internetseite der Umwelt- und Tierschutzorganisation
Und dann einen Forschungsbericht veröffentlicht, indem diese Aussagen gemacht werden.
"Vielmehr besteht die Chance, die negativen Folgen im Sommer soweit möglich zu vermeiden und gleichzeitig von der positiven winterlichen Wirkung zu profitieren, so dass sich insgesamt eine positive Bilanz ergibt", steht in dem Papier.
Und
Das IfW zitiert eine Studie über Großbritannien: Dort werde bis zum Jahr 2080 die Zahl der Todesfälle im Sommer um rund 2700 zunehmen, im Winter aber um 29.000 abnehmen.
Vielleicht will sich der WWF bei der Klimadebatte auch einmal wieder ins Gespräch bringen. Aber dann doch bitte nicht mit solch widersprüchlichen Auslassungen.
Man kann der öffentlichkeit nicht alles zumuten. Soweit sind wir in der Klimadebatte dann doch noch nicht.
Paging