Von Christopher Schrader

Eine WWF-Studie berechnet erstmals die Folgen der Erderwärmung bis zum Jahr 2100. Doch die dramatischen Ergebnisse werden wohl nur zum Teil eintreten.

Die Folgen des Klimawandels am Ende dieses Jahrhunderts dürften viele Menschen in Deutschland am eigenen Körper zu spüren bekommen.

Bild vom ausgetrockneten Rheinufer in Düsseldorf vom Juli 2003. (© Foto: dpa)

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Um 5000 bis 15.000 werde die Zahl der Hitzetoten in den Jahren 2071 bis 2100 steigen, besagt eine Studie, die die Umweltorganisation WWF zusammen mit dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag in Hamburg vorgelegt hat.

Die Krankenhauseinweisungen wegen der Hitzewellen könnten sich auf 150.000 pro Jahr versechsfachen. Allein das dürfte zusätzliche Kosten im Gesundheitswesen von 300 bis 700 Millionen Euro verursachen. Zusätzlich erwarten die Autoren einen Produktivitätsverlust der Wirtschaft. Wenn die Arbeitsleistung an Hitzetagen um zwölf Prozent abnimmt, könnte das Sozialprodukt in Deutschland jährlich um zehn Milliarden Euro in heutigen Preisen sinken. Der WWF fordert darum von der Bundesregierung, die Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase schnell einzudämmen.

Zahl der Hitzetoten könnte steigen

Die Autoren der Studien haben ihrer Hochrechnung eine regionale Klimasimulation für Deutschland zugrunde gelegt. Diese sagt zum Beispiel voraus, dass die Zahl der Tage, an denen die Hitze zur großen Belastung wird, in Hamburg um neun, in Leipzig um zwölf, in Mannheim um 23 und in Regensburg um 22 zunehmen könnte.

Das entspricht in den meisten Regionen ungefähr einer Verdopplung der Tage, wenn man Modellrechnungen für die letzten Jahrzehnte des 21. und des 20. Jahrhunderts vergleicht. In Mannheim wären es dann 46Tage.

Während der Hitzewelle des Jahres 2003 kommen Forscher auf nur etwa 20 bis 25 Tage mit ähnlich hoher Hitzebelastung. Damals sind Schätzungen zufolge 7000 Deutsche zusätzlich in Folge der Hitze gestorben. Diese Zahl werfe auch ihr Rechenmodell aus, sagen die Autoren.

Dass WWF und IfW für das Ende des Jahrhunderts dennoch bis zu 15000 zusätzliche Todesfälle prognostizieren, liegt an einer Reihe von Annahmen. In der heutigen Bevölkerung würde die gestiegene Hitze gut 5000 mehr Menschen das Leben kosten, hinzu komme ein demographischer Effekt. Da die Zahl der Alten stark zunehme, erlägen weitere 7000 Menschen der Hitze. Unter der extremen Annahme, dass ihr nur Menschen ab 75 Lebensjahren zum Opfer fallen, steigt diese Zahl sogar auf über 9000.

Einige Faktoren vernachlässigt

Doch zwei gegenläufige Effekte lässt der WWF in seiner Presseerklärung weg. Mit dem Klimawandel dürfte sich auch die Kälte im Winter abschwächen: Im Oberrheingraben gäbe es pro Jahr fünf Tage mit Kältestress weniger, in Vorpommern 60. Das könnte bedeuten, dass im Winter gut 5000 Menschen weniger sterben als heute.

Die Sterblichkeit würden sich regional verschieben: zusätzliche Hitzetote eher im Süden, Winter-Überlebende im Norden. Zudem berücksichtigt die Studie nicht, dass sich Menschen im Lauf der Jahrzehnte an die zunehmende Hitze anpassen. Das sei ,,natürlich nicht realistisch'', geben die Autoren zu und listen eine Reihe möglicher Anpassungsstrategien auf - von Klimaanlagen bis zur besonderen Betreuung alter Menschen.

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(SZ vom 08.02.2007)