Diskussion um Nacktscanner Blick durch die Kleider

Was zeigen Nacktscanner? Wie funktionieren die Geräte? Ist die Strahlung gefährlich? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Von Jeanne Rubner

Einhundert Gramm Sprengstoff haben heftigen Streit ausgelöst. Seitdem ein Nigerianer Nitropenta an Bord eines Flugzeugs schmuggeln konnte, wird diskutiert, ob der versuchte Anschlag mit Hilfe von sogenannten Nackt- oder Körperscannern hätte verhindert werden können. Die Geräte sind bereits an einigen Flughäfen im Ausland im Einsatz. Auch die EU-Kommission hatte vor einem Jahr einen Vorstoß unternommen, solche Scanner für Sicherheitskontrollen zu erlauben. Damals protestierten Politiker heftig, unter ihnen auch Ex-Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Jetzt aber will die Union die Technik möglichst schnell einsetzen. Die EU-Kommission erklärte am Montag, die Geräte könnten ein "nützliches zusätzliches Werkzeug" sein, und erwägt einen Vorstoß für eine europaweite Harmonisierung der technischen Standards.

Wie funktionieren Nacktscanner?

Die Geräte machen im Prinzip durch die Kleidung hindurch ein Foto des nackten Körpers. Dadurch sollen Gegenstände sichtbar werden, die nicht zum Körper gehören, etwa Waffen oder Sprengstoff. Das funktioniert mit Röntgen- oder Terahertz-Strahlen. Bei der Röntgentechnik wird der Körper wie bei einer medizinischen Aufnahme durchleuchtet. Die Terahertz-Technik dagegen arbeitet mit elektromagnetischen Strahlen im Grenzbereich zwischen Infrarotlicht und Mikrowellen. Sie sind Teil der natürlichen Wärmestrahlung und werden vom Körper ausgesendet.

Warum gelten Terahertz-Geräte als besonders vielversprechend?

Die Terahertz-Technik funktioniert - im Gegensatz zu Röntgenstrahlen - auch "passiv". Das heißt, die Scanner nehmen eine Art Wärmebild des Körpers auf, eine aktive Bestrahlung ist dafür nicht notwendig. Manche Geräte benutzen sie dennoch, um ein genaueres Bild zu erzeugen. Auch um Sprengstoff sicher aufzuspüren, muss der Verdächtige mit Terahertz-Wellen bestrahlt werden. Probleme könnten allerdings durchgeschwitzte oder ungewöhnlich geformte Kleidungsstücke bereiten.

Hätte ein Nacktscanner den Sprengstoff des Nigerianers aufspüren können?

Ja, sagen Fachleute des Fraunhofer-Instituts für Physikalische Messtechnik in Kaiserslautern, die an einem entsprechenden Gerät forschen; denn diese Apparatur würde zunächst ein passives Wärmebild des Körpers aufnehmen. Im Fall verdächtiger Objekte würden die entsprechenden Stellen mit Terahertz-Wellen ausgeleuchtet. Aus dem Muster der reflektierten Strahlen ließe sich eindeutig erkennen, ob eine Person Sprengstoff am Körper trägt.

Können die Strahlen der Nacktscanner der Gesundheit schaden?

Röntgenstrahlen können Krebs auslösen. Die Dosis, die ein Mensch beim Durchschreiten eines Körperscanners abbekommt, beträgt etwa ein bis zwei Zehntel Mikrosievert (die Einheit für Strahlenbelastung). Zum Vergleich: Ein achtstündiger Transatlantikflug belastet den Körper mit 40 Mikrosievert, also hundertfach stärker. Allerdings können auch geringe Strahlungsdosen Tumore auslösen. In Deutschland ist das Durchleuchten mit Röntgenstrahlen ohnehin nur für medizinische Zwecke erlaubt. Die Terahertz-Strahlen dagegen gelten - zumindest bei der Leistung, die für das Erkennen von Sprengstoff notwendig ist - als gesundheitlich unbedenklich.