Für den Biologen Franz Wuketits von der Uni Wien ist der freie Wille eine Illusion, die während der Evolution entstanden ist. Dies zu akzeptieren hätte weitgehende Folgen - zum Beispiel für unser Rechtssystem.
Die Frage, ob Menschen über einen freien Willen verfügen, wird derzeit vor allem von Hirnforschern, Philosophen und Juristen geführt. Jetzt hat sich der Evolutionsbiologe und Wissenschaftstheoretiker Franz M. Wuketits von der Universität Wien mit einem Buch zu Wort gemeldet: Der freie Wille, Die Evolution einer Illusion.
Handabdruck eines steinzeitlichen Künstlers in der Cueva de las Manos, Argentinien. "Alle Entscheidungen treffen wir auf der Basis unserer stammesgeschichtlichen und individualgeschichtlichen Entwicklung." (© Foto: Reinhard Jahn)
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sueddeutsche.de: Hat der Mensch einen freien Willen?
Franz M. Wuketits: Nein. Wir haben nur die Illusion eines freien Willens. Eine Illusion, die sich im Verlauf der Evolution beim Menschen entwickelt hat.
sueddeutsche.de: Unser subjektiver Eindruck ist aber, dass wir uns frei entscheiden können, wenn keine äußeren oder inneren Zwänge auf uns wirken.
Wuketits: Im Alltag bemerken wir nicht, dass dies nur eine Illusion ist. Wir überlegen uns ja nicht ständig, was wir tun oder nicht tun und fragen nicht, ob ein freier Wille dahinter steckt.
sueddeutsche.de: Was bringt Sie aber überhaupt zu der Überzeugung, dass wir keinen freien Willen haben?
Wuketits: Erst einmal ist jeder von uns gewissermaßen zweifach gebürdet: Zum einen durch die Evolution unserer Gattung. Alle unsere Aktivitäten entspringen Fähigkeiten, die in unserer Stammesgeschichte entstanden sind. Dabei geht es letztlich immer darum, zu überleben und sich fortzupflanzen. Unsere Kulturen stellen lediglich Verfeinerungen der Evolutionsstrategien dar.
sueddeutsche.de: Und die zweite Bürde?
Wuketits: Das ist unsere jeweilige Biografie. Je älter wir werden, umso mehr schleppen wir mit uns herum: Erfahrungen, Prägungen, Wünsche, Hoffnungen, Ängste. Davon können wir uns nicht trennen. Alle Entscheidungen, die wir treffen, treffen wir auf der Basis dieser stammesgeschichtlichen und individualgeschichtlichen Faktoren.
sueddeutsche.de: Und da ist kein Platz und keine Notwendigkeit für einen freien Willen?
Wuketits: Weder noch.
Weiter zum nächsten Teil: "Das Rätsel des menschlichen Geistes ist im Wesentlichen entschlüsselt"
Linke-Parteitag in Göttingen
Ok, ob einer Reaktion oder Reflex, wie z.B. ein Fluchtreflex, ein Willle zugrunde liegt, ist Ansichtssache, aber auf alle Fälle unfrei. Hier stimmen wir beide überein.
Zu ihrem Restaurantbeispiel stimme ich ihnen auch zu, eine freie bedingungslose Wahl gibt es durch die Restriktionen, die unser Körper und unsere physikalische Umwelt bieten, auch nicht, was auch niemnd behauptet hatte. Es geht nur darum, ob die Wahl der beiden Gerichte durch Neuronenfeuer bestimmt wird oder ob unser Wille die Entscheidung trifft. In diesem Fall sage ich, es ist der Wille, und sie, es sind die Neuronen.
Und brechen sie mal aus diesen engen Beispielen aus. Es gibt noch viel mehr. Ich kann z.B. mir ein Restaurant aussuchen, dass eine bessere Auswahl hat (aktives Gestalten). Und viele, viele weitere Aspekte, die sie in den wertvollen Beiträgen hier lesen können.
Morgen-Morgen führt mit Recht jetzt auch die kulturelle Evolution in die Debatte ein. Auch hier gibt es Hemmnisse der Freiheit, wie die Psychoanalyse und die strukturalistische Interpretation von Stammesgesellschaften zeigen.
Gleichwohl dürfte gerade die gesellschaftliche Rolle der Frauen zeigen, dass die europäische und nordamerikanische Aufklärung hier reale Fortschritte erreicht haben, auch wenn dies langsam vorangegangen ist und es eine Dialektik in diesen Fortschritten gibt. Aber prinzipiell gibt es diesen Freiheitsfortschritt.
BTW welche Neuronen meinen Sie? Dachte sie können keine erkennen bei mir. Geht auch nicht, denn die sind zur Zeit als Leiharbeiter bei Frau Hilton beschäftigt.
Der Einwand überrascht mich jetzt. Der Reaktion beim Fluchtreflex gehen doch Entscheidungen voraus. Mach ich einen Schritt nach hinten? Ziehe ich den Kopf ein? usw. Diese Entscheidungen werden doch nicht zufällig durch auswürfeln getroffen. Weder welches Körperteil bewegt wird noch wann es bewegt wird. Und der Impuls für den Schritt zurück kam doch nicht vom Bein. "Ich wollte dem Schlag ausweichen". In der Handlung manifestiert sich doch der Wille. Stellen Sie sich jemanden vor, der kurz vor dem Ertrinken an Land gebracht wird und reanimiert wird. Das System Mensch will überleben, deshalb ringt er nach Luft nachdem er das Bewußtsein (oder schon kurz vorher) wiedererlangt und nicht weil er sich überlegt "atme jetzt!" Ist der Überlebenswille kein gültiger Wille? Daß der Betroffene von dieser Willensbildung nichts bemerkt stützt ja meine These. (Ich unterstelle mal, daß Sie nicht der "Fraktion" angehören, die sagt: "Was ich nicht wahrnehme existiert nicht." und mehrmals am Tag in den Spiegel schauen ob sich hinter Ihnen noch Materie befindet. Selbst der Volksmund hat (vermutlich in Form von Gruppenintelligenz) erkannt, daß der Wille nicht frei ist: "Er konnte nicht aus seiner Haut".
Aber lassen wir das alles mal beiseite und folgen Ihrer Definition, daß unterhalb des Bewußtseins noch keine Willensbildung erfolgt. Selbst dann ist der Wille nicht frei, weil die Willensbildung nicht auf alle verfügbaren Ressourcen zurückgreifen kann, sondern nur auf die vorgefilterten. Um das in Alltagssituation zu übersetzen: Sie gehen Mittags zum Chinesen und bekommen eine Tages-Karte vorgelegt, die nur 2 Gerichte umfasst. Natürlich besitzen Sie jetzt eine subjektive Freiheit einer Wahl zwischen den beiden Gerichten. Und wenn Sie 20 mal Mittags bei diesem Chinesen waren und aus dieser Karte ausgewählt haben werden Sie auf die Frage: " Und, konntest Du Dir aussuchen was Du essen wolltest?" antworten: "Ja, ich konnte frei auswählen". Wenn Sie jedoch eines dieser 20 mal Abends dort gegessen haben und die Karte mit den 50 Gerichten gesehen haben, würden Sie auf die Frage nach dem Mittagessen antworten:" Nein, es gab nur 2 Essen zur Auswahl". Subjektiv innerhalb der eingeschränkten Möglichkeiten freie Auswahl, aber absolut nur eingeschränkte Freiheit. Ich glaube Sie wisen was ich meine. Reissen Sie Ihre eigenen Mauern nieder und geniessen Sie den süßen Duft des Äthers.
Im Übrigen würde mich auch die Meinung des weit entfernten drmartin ob meiner unwissenschaftlichen Ansichten interessieren, da er ja in einem Beitrag Tieren und sogar Pflanzen einen "Willen" eingeräumt hat.
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