Dinosaurier: Rätselhaftes Massensterben Tod aus dem All

Wissenschaftler streiten seit langem darüber, warum die Dinosaurier verschwanden. Nun erhärtet eine Studie die Theorie: Ein Meteorit hat die Riesenechsen ausgelöscht. Zweifel bleiben.

Von Katrin Blawat

Vor 65 Millionen Jahren verschwanden die Dinosaurier von der Erde, und mit ihnen fast drei Viertel aller übrigen Lebewesen. Wodurch das Massensterben ausgelöst wurde, darüber streiten Wissenschaftler seit langem heftig.

Nun hat eine Gruppe von 41 Forschern Daten zusammengetragen, um zu belegen, dass ein Meteoriteneinschlag in Mexiko die Dinosaurier vernichtete (Science, Bd. 327, S. 1214, 2010). Unter dem Begriff "Impact-Theorie" kursiert diese Erklärung seit 30 Jahren.

Damals entdeckten Wissenschaftler in Gesteinsproben aus der Zeit des Dinosaurier-Sterbens ungewöhnlich viel Iridium. Das Metall ist auf der Erde sehr selten, in Meteoriten kommt es allerdings häufig vor.

Anfang der 1990er Jahre fanden Wissenschaftler auf der Halbinsel Yucatán in Mexiko einen Krater von 200 Kilometern Durchmesser, der zur Zeit des Massensterbens entstanden war. Als der Meteorit am Ende der Kreidezeit einschlug, setzte er etwa eine Milliarde Mal so viel Energie frei wie die Atombombe über Hiroshima, schreiben die Wissenschaftler.

Noch 4000 Kilometer vom Krater entfernt fanden sie im Atlantik Kalkstein-Reste, die neuen Analysen zufolge aus dem Chicxulub-Krater in Yucatán stammen. "In einem Umkreis von etwa 1500 Kilometern waren sicher die Hitze und der enorme Druck sofort tödlich", sagt der Erstautor der Science-Studie, Peter Schulte vom Geozentrum Nordbayern der Universität Erlangen.

Schlimmer seien aber die längerfristigen Konsequenzen gewesen. "Große Mengen Staub, Ruß und winzige Schwefelteilchen sind in die Atmosphäre gelangt", sagt Schulte. Dies habe zu einer weltweiten Verdunklung und Abkühlung geführt, weil die Sonnenstrahlen nicht mehr bis zur Erde gelangten.

Vulkanausbrüche statt Meteoriteneinschlag

In der Folge seien zum Beispiel die meisten Bäume verschwunden, ebenso das Plankton im Meer, zeigen Schulte und seine Kollegen in der aktuellen Studie. "Dadurch brachen ganze Nahrungsketten zusammen", sagt der Geologe.

Für ihn und seine Ko-Autoren steht damit fest, dass allein der Meteoriteneinschlag in Mexiko das Massensterben ausgelöst hat: "Es ist ein Multi-Indizien-Prozess, bei dem der zeitliche Zusammenhang eindeutig ist."

Dennoch wird vermutlich auch die aktuelle Studie die Kritiker der Impact-Theorie nicht zufriedenstellen. Seit Jahren bestreitet eine Gruppe um die Geologin Gerta Keller von der Princeton University die Meteoriten-Begründung. Sie argumentiert mit Daten, nach denen der Meteorit bereits 300.000 Jahre vor dem Ende der Kreidezeit auf die Erde gekracht war.

Mit dem Massensterben habe er also nichts zu tun. Stattdessen macht Keller Vulkanausbrüche in Indien für das Ende der Dinosaurier verantwortlich. Aus Messungen schließt Keller, dass ein Großteil der Ausbrüche, bei denen große Mengen giftiger Gase freigesetzt worden seien, genau zur Zeit des Massensterbens stattgefunden hätten.

Kellers Kollege Sankar Chatterjee vermutet, dass kurz vor dem Massensterben ein Meteorit von 40 Kilometern Durchmesser nahe dem heutigen Mumbai eingeschlagen sei. Die Wucht des Aufpralls habe dann zu den Vulkanausbrüchen geführt.

Dass die Erde in Indien am Ende der Kreidezeit Feuer und Lava spie, bezweifelt niemand. "Die Vulkane waren aber schon lange vor dem Aussterben der Dinosaurier aktiv, ohne dass es sich deutlich auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirkte", argumentiert Schulte.

Zudem hätten die Vulkane in einem Jahr höchstens ein Tausendstel jener Schwefelmenge in die Atmosphäre entlassen, die nur Minuten nach dem Meteoriteneinschlag in Mexiko entwichen sei. Doch trotz aller Argumente muss auch Schulte einräumen: "Den exakten Beweis haben wir nicht, und möglicherweise wird es ihn nie geben."