Von Angelika Jung-Hüttl

Meteoriteneinschlag oder Vulkanausbrüche - warum die Dinosaurier ausstarben, ist bis heute ein Rätsel.

Irgendetwas muss passiert sein vor etwa 65 Millionen Jahren - etwas, das die Lebensbedingungen auf unserem Planeten so sehr veränderte, dass etwa 70 Prozent der damaligen Tier- und Pflanzenarten nicht mehr weiterleben konnten und ausstarben, darunter auch die Saurier. Wissenschaftler sprechen von der Kreide-Tertiär-Grenze, oder kurz K/T-Grenze. Es ist die Wende von der Kreide- zur Tertiärzeit, eine markante Phase in der Erdgeschichte.

chicxulub

Zehn Kilomter Durchmesser soll der Meteorit gehabt haben, der an der Wende des Kreidezeitalters zum Tertiär auf die Erde einschlug. (© Nasa)

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Über die Ursache für das Massensterben sind sich die Wissenschaftler bis heute nicht einig. Zur Diskussion stehen folgende Theorien, wobei die zuerst genannte derzeit als die wahrscheinlichere gilt.

Meteoriteneinschlag

10 Kilometer Durchmesser soll der Meteorit gehabt haben, der damals auf der Erde einschlug.

Wie ein glühender Feuerball rast er durch die Atmosphäre und prallt mit einer Sprengkraft von 100 Millionen Wasserstoffbomben dort auf, wo heute die mexikanische Küste vor der Halbinsel Yukatan ins Karibische Meer übergeht.

Das Himmelgeschoss verdampft beim Aufprall vollständig. Tonnen von Ruß, Asche, Staub und Gasen werden schlagartig in einer riesigen Pilzwolke in die Stratosphäre geschleudert. Brände brechen aus, der Himmel verdunkelt sich. Erdbeben erschüttern den Boden und Flutwellen schlagen an die Küsten. So das Szenario der amerikanischen Wissenschaftler Luis Alavarez und seines Sohnes Walter, die in den 70er Jahren die Impakt-Theorie als erste zur Diskussion stellten.

Klimaveränderungen

Sofort ausgelöscht war alles Leben in unmittelbarer Nähe des Einschlags. Im Rest der Welt kam der Tod schleichend. Die Gas-, Asche- und Staubwolken, die beim Einschlag aufgewirbelt wurden, verteilten sich innerhalb weniger Monate um den ganzen Globus und führten zu Klimaveränderungen. Dies wiederum veränderte die Umweltbedingungen, in manchen Gegenden wurde es trockener und wärmer, anderswo regnete es mehr oder es wurde kälter. Viele Pflanzen- und Tierarten schafften es nicht, sich darauf einzustellen und starben allmählich aus.

Vulkanausbrüche

Es muss jedoch kein Meteoriteneinschlag gewesen sein, der das Massensterben an der K/T-Grenze auslöste. Ebenso könnten heftige Vulkanausbrüche mit ihren Aschenwolken für globale Klimaveränderungen gesorgt haben. Auf der indischen Kontinentalscholle zum Beispiel flossen am Ende der Kreidezeit Unmengen von Lava aus Vulkankratern und -spalten aus. Über zweieinhalb Kilometer sind die Lavaschichten dick. Bei diesen verheerenden Ausbrüchen könnten auch heftige Aschenwolken in die Luft geschleudert worden sein, sich um den Globus verteilt und einen Klimawandel verursacht haben.

Indizien für die Katastrophe

Das wichtigste Indiz für ein katastrophales Ereignis auf der Erde ist ein seltenes Element, das Iridium. Es findet sich weltweit in den Ton- und Mergelschichten, die an der Wende vom Kreidezeitalter zum Tertiär abgelagert wurden. Iridium ist ein häufiger Bestandteil von Meteoriten, was Wissenschaftler gerne als Argument für die Impakt-Theorie nennen. Doch Iridium kommt auch tief unter der Erdoberfläche, im zähflüssigen Material des Erdmantels vor. Vulkane, die ihr Magma aus diesen Erdtiefen beziehen, spucken Lava aus, die auch Iridium enthält. Die Dekkan-Basalte gehören zu diesen Gesteinen.

Die Impakt-Theorie wird seit Beginn der 90er Jahre favorisiert, nachdem Wissenschaftler 1991 in der Nähe des mexikanischen Dorfes Chicxulub erste Spuren des Kraters entdeckten. Es waren Brekzien, zerbrochene und wieder miteinander verbackene Gesteinstrümmer. Außerdem ergaben geophysikalische Messungen auch typische Schwerkraft-Anomalien im Untergrund.

Kein Iridium um Chicxulub

Obwohl in der Nähe des Einschlagskraters Chixculub kein Iridium gefunden wurde, halten viele Wissenschaftler an der Impakt-Theorie fest. Ihre wichtigsten Belege sind neben den Brekzien und den geophysikalischen Anomalien glasähnliche Kügelchen - sogenannte Tektite, die sich rund um die Karibik in den Sedimenten abgelagert haben. Sie sind die Relikte von Quarzgestein, das durch die Wucht des Einschlags verflüssigt wurde.

Sicher ist lediglich, dass die Katastrophe nicht schlagartig passierte. Auch in Mergeln, die nicht exakt an der K/T-Wende abgelagert wurden, sondern 100 000 Jahre später, sind noch Iridium-Spuren vorhanden. Deshalb wird darüber diskutiert, ob damals nicht mehrere Meteoriten nacheinander auf der Erde eingeschlugen - oder aber dass damals viel mehr Vulkane aktiv waren als beispielsweise heute.

Die bislang geborgenen Fossilfunde zeigen, dass die Zahl der Saurierarten bereits 12 Millionen Jahre vor der K/T-Grenze stark zurückging. Die Katastrophe scheint ihren Tod nur beschleunigt zu haben.

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