Das sagen viele Menschen, vor allem Jugendliche. An der Rutgers-Universität in New Jersey hat der Kommunikationswissenschaftler James Katz 102 Studierende gebeten, zu Testzwecken zwei Tage lang auf ihr Handy zu verzichten. 82 ließen sich auf das Experiment ein, aber nur zwölf hielten bis zum Ende durch. Aber ist das seltsam? Es würde auch niemand freiwillig auf fließend Wasser verzichten. Genauso würde keiner Wasserhähne für Waschzwänge verantwortlich machen.

Handy am Strand, ddp

Mit dem Handy an den Strand: "Wir telefonieren in anderen Situationen als früher." (© Foto: ddp)

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Dennoch: Völlig gesund wirken Menschen mit Freisprech-Kabel am Hals nicht, die in die leere Luft reden. Sieht das nur aus wie eine grassierende Störung, oder zeigt es tatsächlich ein gesellschaftliches Problem?

Natürlich kapselt die Möglichkeit, in jeder Umgebung bestehende Kontakte zu pflegen, Menschen aus Situationen ab und erschwert neue Kontaktaufnahmen. Soziologen sagen: Durch das Handy vernetzen Leute sich enger, die sich bereits kennen - und dadurch ist es schwieriger, an sie heranzukommen.

Und fern von den altbekannten Telefonfreunden vereinsamen sie dann?

Nein, von Vereinsamung durch das Handy kann auf keinen Fall die Rede sein. Ich bin mit dem Handy immer eingebunden in meine Kreise, Familie und Freunde sind immer erreichbar. Andererseits: Wenn ich wirklich einsam bin, dann macht das Handy dies deutlicher. Es fällt stärker auf, dass niemand anruft, wenn man ständig erreichbar ist.

Und es sagt auch etwas über mich selbst, im Sinne der Behauptung: Wer viel telefoniert, ist wichtig oder beliebt. Stiftet das Handy auch in dieser Hinsicht Identität?

Als Statussymbol spielt das Handy in vielerlei Hinsicht eine Rolle: Welches Logo zeigt es, welcher Klingelton ist drauf oder hat es besondere technische Möglichkeiten? Natürlich signalisiert auch die Menge eingegangener Anrufe und Nachrichten, die beim Handy in Anruflisten und im SMS-Speicher sichtbar wird, welchen sozialen Status man besitzt. Das ist vor allem bei jungen Nutzern so.

Gehen ältere Leute zurückhaltender mit dem Handy um und ziehen sich zum mobilen Telefonieren eher zurück?

Nein. Wir haben 120 Paare und ihren Handygebrauch im Alltag untersucht, sie in Restaurants sowie in der Fußgängerzone beobachtet und ihr Verhalten dokumentiert. Dabei kam heraus, dass auch ältere Leute zu den so genannten "Outies" zählen, die das Handy offen nutzen, im Café etwa: Wenn sie dort zusammensitzen, wird der Anruf einfach ins Gespräch integriert. "Outies" gehören übrigens zum Begriffspaar "Innies und Outies", das die Soziologin Sadie Plant geprägt hat. "Innies" sind weniger offene Nutzer, die das Handy in Gegenwart anderer ausschalten oder zum Telefonieren hinausgehen.

Ist das nicht höflicher?

Ach, das ist eine Frage der Alltagskultur. Empfindet man mobile Anrufe als Störung oder Bereicherung? Es gibt verschiedene Handynutzungskulturen und natürlich kann es zu Konflikten kommen. Aber wer Recht hat, lässt sich kaum sagen.

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(SZ Wissen 10/2006)