Die Reparaturen am größten Teilchenbeschleuniger der Welt dauern an. Nun hoffen US-Forscher, den Europäern bei der Suche nach den Higgs-Bosonen zuvorzukommen.
Der Large Hadron Collider (LHC) des europäischen Forschungszentrums Cern bei Genf könnte den Wettlauf um den ersten Nachweis der Higgs-Bosonen verlieren. Wissenschaftler des Fermilab bei Chicago bereiten Experimente mit dem Tevatron-Beschleuniger vor. Sie hoffen auf Ergebnisse, bevor die entsprechenden Versuche am LHC in der Schweiz stattfinden konnten.
Bild vergrößern
Der Tevatron-Beschleuniger des Fermilab befindet sich in der Nähe von Chicago. (© Foto: oh)
Anzeige
Der europäische Beschleuniger war im September 2008 wenige Tage nach der Inbetriebnahme durch eine Panne im Kühlsystem beschädigt worden. Vermutlich erst im September 2009 wird er wieder eingeschaltet, und voll funktionsfähig soll das Gerät 2010 sein.
Wie Dmitri Denisov vom Fermilab erklärte, gebe es "eine sehr, sehr gute Chance, dass wir vor dem LHC Hinweise auf Higgs sehen", berichtete der britische Nachrichtensender BBC aus Chicago. Dort findet derzeit die Jahrestagung der AAAS, der größten Wissenschaftlervereinigung der Welt, statt.
Lyn Evans vom Cern bestätigte, dass der Unfall am LHC die europäischen Wissenschaftler möglicherweise einen der größten Erfolge in der Physik kosten wird. "Ich denke, wir finden es innerhalb der kommenden zwei Jahr", sagte Evans der BBC.
Um den Europäern zuvorzukommen, wollen die US-Forscher sogar die zweimonatige Unterbrechung um Weihnacht ausfallen lassen. "Sie sammeln wie verrückt Daten", kommentierte Evans die Arbeit der Amerikaner am derzeit noch energiereichsten Teilchenbeschleuniger der Welt. Vielleicht, So Evans, würden sie Hinweise auf das Higgs-Boson finden, aber "sie sind nicht in der Position, das Teilchen wirklich zu entdecken".
Alles hängt offenbar davon ab, welche Masse das Teilchen haben wird. Suchen die Amerikaner im falschen Bereich, hätten sie überhaupt keine Chance, so Evans. Der Direktor des Tevatrons, Pier Oddone, gehe von einer fünfzigprozentigen Chance, aus, "aber ich denke, das ist übertrieben".
Die Suche nach den auch als "Gottesteilchen" bezeichneten Higgs-Boson war eines der wichtigsten Ziele der LHC-Entwickler. Dementsprechend wäre die Enttäuschung am Cern groß, wenn die Amerikaner den Forschern in der Schweiz zuvorkämen. Doch der europäische Collider werde eine ganze Reihe weiter Untersuchungen ermöglichen, für die das Tevatron nicht geeignet ist, tröstet sich Evans.
Das Higgs-Boson oder Higgs-Teilchen wurde benannt nach dem britischen Physiker Peter Higgs. Es ist Teilchen, dessen Existenz bislang nur angenommen wird, um bestimmte Phänomene in der Elemtarteilchenphysik zu erklären.
- LHC Frühestens 2010 auf vollen Touren 28.01.2009
- Einweihung des LHC Oliven statt Protonen 21.10.2008
- Teilchenbeschleuniger LHC Maschine der Superlative 08.09.2008
- Die Bedeutung des LHC "Vergleichbar mit Los Alamos" 10.09.2008
- Teilchenbeschleuniger in Genf Riskieren Physiker den Weltuntergang? 01.04.2008
(sueddeutsche.de/mcs)
Schlosshotels in Polen
Das Higgs-Boson spielt in der Teilchenphysik deshalb eine so wichtige Rolle, weil es eine einfache Erklärung dafür bietet, wie die sogenannten "Eichbosonen" eine Masse haben können.
Das ursprüngliche Standardmodell der Elementarteilchenphysik arbeitete aus mathematischen Erwägungen heraus mit masselosen Teilchen. Dummerweise kann die Theorie nicht erklären, warum ein bestimmtes Teilchen eine Masse haben sollte. So witzelte der Physiknobelpreisträger von 1988, Leon Max Lederman: "Die Masse stammt von Gott."
Seitdem ist die eher ironisch gemeinte Bezeichnung "Gottesteilchen" vor allem im englischsprachigen Raum zum festen Begriff geworden.
Also ich frage mich auch sehr, woher denn dieser "spitzname" kommt. Ich hab bisher immer nur Higgs-Boson oder Higgs-Teilchen (wie auch im letzten Absatz des Artikels geschrieben) gehört. Mir erscheint das sehr wie eine Erfindung der SZ-Redaktion.
Ein bisschen weniger unspezifisch geht es auch: das Higgs-Boson soll nicht "bestimmte Phänomene der Elementarteilchenphysik" erklären, sondern es soll erklären, woher Teilchen ihre Masse bekommen.
@oildrum: ich verstehe nicht, warum in einem artikel im wissenschafts-teil eine detaillierte beschreibung des defekts wünschenswert sein soll, weil der LHC aus Steuergeldern finanziert ist. Wo ist die Verbindung zwischen der Art des Defekts und der Art der Finanzierung ?
Ganz abgesehen davon, ob gläubig oder nicht, würde es mir nicht einfallen den Wissenschaftlern die Ehrfurcht vor der "Schöpfung" abzusprechen.
Wenn man mag, kann man gerade die Wissenschaft als größte Würdigung der Schöpfung sehen. Man muss nicht verbohrt behaupten, dass Wissenschaftler alles Atheisten sind, die nichts anderes im Sinn haben, als sich selbst durch Wissen zu befriedigen... Und wenn sie Atheisten sind, so kann ihnen trotzdem Ehrfurcht vor der Natur gegeben sein!
Ach, ist es nicht schön, dass in diesen Threads die absolute intellektuelle Elite, das Beste vom Besten, die mentale Spätauslese, zerebrale Omnipotenz in Reinkultur sich selbst feiern kann?! *LOL*
The Noseman´s shaking, confronted with the smell of stupidity!
Ich kann Ihnen nur vollends beipflichten, bino23! Und nun zu Ihnen, Robert Kend: Schon der von Ihnen als gottesfürchtig gepriesene Albert Einstein hat geäußert, dass Religion ohne Naturwissenschaft blind sei! Und zu dem letzten Absatz Ihres Kommentars möchte ich mich lieber gar nicht äußern, seeehr verschwörungstheoretisch das Ganze...
Das Problem ist leider nur, dass man die breite Masse gar nicht künstlich dumm halten muss, sie scheint sich von sich aus in diesem Zustand recht wohl zu fühlen...
Paging