Beim Verdacht auf Schweinegrippe sollten sich Patienten nach Ansicht von Experten lieber nicht auf Schnelltests verlassen - denn sie liefern sehr häufig falsche Ergebnisse.

Experten schätzten Schnelltests für eine Schweinegrippe-Infektion als äußerst unzuverlässig ein. Die angezeigten Ergebnisse - ob positiv oder negativ - seien in vielen Fällen falsch. Kranke werden also häufig negativ getestet, Gesunden hingegen wird fälschlicherweise eine Infektion bescheinigt.

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Schweinegrippe oder nicht? Nur Gentests liefern hier offenbar zuverlässige Ergebnisse. (© Foto: dpa)

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"Die gegenwärtig zur Verfügung stehenden Schnelltests zeigen zu mehr als 50 Prozent ein falsch negatives Ergebnis an", sagte der Leiter der Virologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Thomas F. Schulz, der Nachrichtenagentur dpa.

Zudem seien knapp 50 Prozent der positiv angezeigten Ergebnisse falsch. Aus diesem Grund benutze die MHH zur Zeit die Schnelltests in der Routinediagnostik bei der Schweinegrippe nicht, betonte der Virologe. Sicherheit gebe lediglich ein zusätzlicher Gentest.

Auch in den USA warnen Behörden vor einer hohen Fehlerquote bei einem Schnelltest für die Schweinegrippe. Die so genannten RIDT-Tests, die innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis versprechen, könnten bei einer geringen Konzentration des Virus A (H1N1) ein negatives Ergebnis liefern, obwohl eine Infektion vorliege, teilte das Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) am Donnerstag in seinem wöchentlichen Bericht in Washington mit. Zahlreiche Infektionen könnten so übersehen werden und die Patienten dann keine Therapie erhalten.

Genau dieses Problem hatte sich auch im Fall einer Braunschweiger Arzthelferin gezeigt. Sie hatte wegen eines fehlerhaften Schnelltests eineinhalb Wochen lang Patienten in einer Braunschweiger Klinik betreut, obwohl sie sich bei einem Spanien-Aufenthalt mit dem Virus infiziert hatte.

Ein Schnelltest war negativ ausgefallen, deshalb hatte ihre Ärztin die Frau nicht krankgeschrieben. Erst der Labortest brachte die eindeutige Schweinegrippe-Diagnose.

"Es war fahrlässig, sich bei dieser Patientin mit deutlichen Grippe-Symptomen nur auf den Schnelltest zu verlassen und sie wieder zur Arbeit zu schicken, ohne das Laborergebnis abzuwarten", sagte der Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums, Thomas Spieker, in Hannover.

Den Menschen, mit denen die Arzthelferin im Krankenhaus in Kontakt gekommen war, konnte inzwischen Entwarnung gegeben werden: Von den 60 Patienten und 13 Mitarbeitern sei niemand mit dem Virus infiziert, teilte das Klinikum am späten Donnerstagabend mit. "Wir sind heilfroh, dass wir jetzt wieder in den Arbeitsalltag übergehen können", sagte Kliniksprecherin Marion Lenz.

Unterdessen warnen Städte und Gemeinden vor einem drohenden Chaos bei der geplanten Massenimpfung gegen Schweinegrippe. Schnellstmöglich müsse nun geklärt werden, wer im Herbst eine freiwillige Schutzimpfung erhalten kann, wie der öffentliche Gesundheitsdienst eingebunden wird und wer die Kosten trägt, forderte der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Derweil verlangte die Barmer-Krankenkasse, dass sich Bund und Länder bald mit den Kassen zu einem Spitzengespräch treffen sollen.

Städtebund-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte, der vom Gesundheitsministerium vorgelegte Verordnungsentwurf schaffe keine ausreichende Klarheit, insbesondere über die Rolle des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) und der Kommunen. Der Verordnungsentwurf schreibe dem ÖGD zwar eine koordinierende Funktion zu, beschreibe aber nicht näher, was damit gemeint sei und wie die Kostenfrage geklärt werden solle.

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(dpa/AFP/AFP/gal/bön)