9765 haben sich letztes Jahr das Leben genommen - damit sinkt die Zahl der Suizide weiter. Eine Ursache ist, das Ärzte die Anzeichen bevorstehender Selbsttötungen besser deuten können.
Die Zahl der Suizide in Deutschland ist im Jahr 2006 wie bereits in den beiden Jahren zuvor erneut zurückgegangen.
Trauernde nach dem Selbstmord eines Freundes. (© Foto: AP)
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Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nahmen sich zum ersten Mal weniger als 10.000 Menschen das Leben. Bundesweit gab es 7225 Suizide bei Männern und 2540 bei Frauen.
Für die Schicksale der einzelnen Menschen und ihrer Angehörigen mache es keinen Unterschied, ob die Gesamtzahl der Selbsttötungen in einem Jahr über oder unter 10.000 Fällen liege, betont Georg Fiedler, Sekretär des Nationalen Suizidpräventionsprogramms, der die neuen Zahlen am Mittwoch in Hamburg präsentierte.
Doch man könne es als Zeichen dafür werten, dass sich durch Vorsorgemaßnahmen, Aufklärung und eine sensiblere Berichterstattung Suizide verhindern lassen.
Noch aussagekräftiger als die absolute Zahl der Selbsttötungen sei jedoch die Suizidrate, sagt Fiedler. 1982 erreichte sie mit 32,9 Suiziden pro 100.000 Einwohner ihren Höhepunkt.
Seit Mitte der 1980er-Jahre sinkt sie deutlich. Zwischen 1997 und 2003 lag die Zahl der Selbsttötungen relativ konstant zwischen 11.000 und 12.000, seit drei Jahren sinkt die Zahl nun wieder kontinuierlich. 2006 ging die Rate auf 11,9 Suizide pro 100.000 Einwohner zurück.
Die Tendenz ist sowohl in den neuen, als auch in den alten Bundesländern zu beobachten. Einen leichten Anstieg gab es 2006 lediglich in Thüringen, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland.
Ältere Menschen stärker gefährdet als jüngere
Ältere Menschen, das zeigt die Statistik Jahr für Jahr, sind stärker gefährdet als jüngere. So ist beispielsweise jeder zweite Suizid einer Frau in Deutschland der einer über 60-Jährigen. Bei Männern steigt das Risiko ab dem sechzigsten Lebensjahr erheblich an.
Bei den 90-jährigen liegt die Suizidrate bei fast 80 Fällen pro 100 000, erst in noch höherem Alter sinkt die Rate wieder. Die Zahl versuchter Selbstmorde ist unter jungen Menschen jedoch weit höher als bei älteren.
Der Rückgang im Jahr 2003 ging mit dem Start des Nationalen Suizidpräventionsprogramms im Dezember 2002 einher; initiiert wurde es von der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Die Zahl unterliege jedoch "unterschiedlichsten Einflussfaktoren", erklärt Fiedler. Deshalb könne man sie derzeit nicht "mit wissenschaftlicher Exaktheit auf die Wirkung bestimmter Vorsorgeaktivitäten zurückführen".
Mit Sicherheit gebe es nicht eine Ursache für den Rückgang, sondern zahlreiche Faktoren seien dafür verantwortlich, sagt Fiedler. So werden heute schwere Medikamente in kleineren Verpackungseinheiten verkauft, sodass es nicht mehr möglich ist, sich mit dem Inhalt eines Päckchens umzubringen.
Als besonders effektiv hebt Fiedler die Aufklärung in Fachkreisen hervor. Ärzte für Altenheilkunde etwa seien häufig nicht in der Lage, die Anzeichen für einen bevorstehenden Suizid zu deuten.
Dasselbe gilt häufig für Menschen, die Risikogruppen wie Drogenabhängige oder depressive Patienten betreuen. "Gefährdete Menschen haben Angst, darüber zu sprechen und wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen", sagt Fiedler. Er wünschte sich eine Aus- und Fortbildung von Ärzten, Lehrern und Sozialarbeitern.
Wichtig sei auch der Wandel in der Berichterstattung, der in den vergangenen Jahren stattgefunden habe, sagt der Psychologe. Es werde nun vermehrt über Auswege und Lösungen berichtet und weniger über einzelne Fälle, die häufig zu Nachahmungstaten führten.
Nach wie vor sterben in Deutschland mehr Menschen durch Selbsttötung als durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen, Gewalttaten und Aids zusammen. Suizidforscher rechnen zudem mit einer hohen Dunkelziffer. Unter den Toten durch Verkehrsunfälle, Drogen und denen mit unklare Todesursachen dürfte sich noch ein erheblicher Anteil nicht erkannter Suizide verbergen, vermutet Fiedler.
Mindestens 25 Prozent höher als die Angaben der offiziellen Statistik schätzt er die tatsächlichen Zahlen. Die Menge der Suizidversuche liegt nochmals deutlich darüber. Armin Schmidtke von der Universität Würzburg kalkuliert, dass auf jede Selbsttötung zehn bis fünfzehn Versuche kommen. Erfasst werden diese Zahlen jedoch aus Datenschutzgründen heute nicht mehr.
(SZ vom 25.10.2007)
Es gibt eben auch noch gute Nachrichten und das ist auch gut so. Und Ihr Untergangsprediger und Freunde am Nörgeln werden dies nicht verhindern können! Nicht traurig sein! Auch für Euch kommt (leider) bestimmt wieder etwas!
Da haben wir aber noch einmal Glück gehabt! Wäre es umgekehrt, d.h. wäre die Anzahl der Selbstmörder gestiegen, so wäre hier ein Meer der Häme. Und wer wäre dann schuld? Große Preisfrage!
Natürlich: G.W. Bush. Wer auch sonst! Schließlich hätte er dann ja die Menschen durch seine vielen Kriege in die Depression und damit in ihren Selbstmord getrieben. Ergo wären es in Wahrheit gar keine Selbstmorde, sondern richtige Morde. - Tja, war wohl nichts!
dass in einem Artikel, der sich mit dem Selbstmord beschäftigt, nur wieder die selben leeren Phrasen - Stichwort soziale Gerechtigkeit, Privatsphäre - gedroschen werden müssen.
Wenn 1982 die Selbstmordrate 3 mal so hoch war wie heute, dann ist das doch allenfalls ein Zeichen, das es besser geworden ist, oder nicht?
Außerdem ist die Vermutung Arm = mehr Selbstmorde vollkommen naiv.
Leute, denkt doch mal nach, bevor ihr was schreibt und zeigt ein bisschen Pietät. Nicht alles kann man mit der Hartz IV-Keule behandeln.
Un das, obwohl die Zahl der Selbstmorde, die eigentlich unentdeckte Morde sind, hätte zunehmen müssen, da in den letzten Jahren in diesem unserem Lande nicht wenige Stellen für Rechtsmediziner eingespart wurden, um mehr Wirtschaftswachstum für unsere Einkommensmillionäre zu schaffen.
Irgendwann haben selbst die Armen kein Geld mehr sich nen Stick zu kaufen, geschweige Tabletten. Vielleicht aber gibts langsam keine Suizidgefährteten Bürger mehr, oder wir haben im Trinkwasser nun vermehrt Antideppresiva. Mensch, Frau Schmidt, das wärs doch. Da macht dann sogar Ihre Gesundheitspolitik Spaß!
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