Deutschland muss sich wegen des Klimawandels auf Trockenheit, Starkregen und Tropennächte einstellen. Die Regierung müsse sich daher stärker darum kümmern, die Folgen der Erderwärmung abzufedern, fordert Umweltminister Gabriel.
Das Klima werde sich unvermeidbar spürbar ändern, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel am Dienstag in Berlin.
Der Rauch muss weniger werden. (© Foto: AP)
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Die Bundesregierung müsse daher den Ausstoß klimaschädlicher Gase weiter stärken und sich auch stärker darum kümmern, die Folgen der Erderwärmung abzufedern.
"Es ist höchste Zeit, dass wir uns intensiver mit den Folgen des Klimawandels in Deutschland befassen", sagte Gabriel.
Gabriel betonte, Deutschland müsse zwei Ziele verfolgen: Zum einen müsse man sich auf die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels einstellen, zum anderen müsste die Erwärmung begrenzt werden.
Dafür müsse in erster Linie der Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid verringert werden. Bis 2050 könne Deutschland 80 Prozent des Ausstoßes von 1990 vermeiden.
So solle geholfen werden, die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Schätzungen von Experten gehen bis Ende des Jahrhunderts von bis zu fünf Grad aus. Langfristig würde dann der Wasserspiegel der Meere durch das Schmelzen der Polkappen um über 50 Meter steigen, was zu Überflutungen kompletter Staaten führen würde.
Die Erwärmung der Nordsee bedrohe die Kabeljau-Bestände, sagte Gabriel weiter. Landwirte müssten sich auf Dürren einstellen, Deiche stabiler und höher werden - wie auch Hochwasser größere Ausmaße annehmen. Häufiger Starkregen, Tropennächte, Dürren und weniger Frost seien die ersten Vorboten, heißt es in einer Studie des Umweltbundesamtes.
Ein frühzeitiges Umsteuern verlangt dies in der Forstwirtschaft, wo die Wachstumsperioden sich über Jahrzehnte erstrecken. Nicht nur aus Gründen des Naturschutzes, sondern vor allem der Wirtschaftlichkeit halber werden deutschlandweit bereits Fichten-Monokulturen zu klimaresistenteren Mischwäldern umgebaut.
Dabei komme Deutschland bei den Klimafolgen im internationalen Vergleich zunächst noch gut weg. Schlimmer seien Entwicklungsländer betroffen, warnte Gabriel. "Die derzeitigen Flüchtlingszüge sind ein leiser Windzug im Vergleich zu dem, was wir durch den Klimawandel zu befürchten haben."
Ein Kompetenzzentrum im Umweltbundesamt (Uba) soll den Anpassungsstrategien nun nachgehen. Fraglich sei etwa auch, welche Holzsorten der Waldwirtschaft künftig empfohlen werden müssten - damit der Wald trotz veränderter Niederschläge intakt bleibe.
"Der Klimawandel ist nichts Zukünftiges und Entferntes", sagte Uba-Präsident Andreas Troge. "Er findet schon heute zu Hause statt." Bisher setzt Deutschland vor allem auf die Senkung der Kohlendioxid-Emissionen, um den Klimawandel unter Kontrolle zu bekommen.
Angesichts spektakulärer Überflutungen gilt einer der ersten Gedanken in der Diskussion über Klimafolgen häufig dem Hochwasserschutz. Nach Untersuchungen der baden-württembergischen Landesanstalt für Umwelt dürften zum Beispiel im Einzugsbereich des Neckars so genannte Jahrhunderthochwasser künftig um 15 Prozent stärker ausfallen als früher.
Dies soll beim Bau neuer Deiche berücksichtigt werden. Zudem sollen neue Dämme so gebaut werden, dass eine spätere Aufstockung leichter möglich ist.
In den vergangenen Jahren hätte sich nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung die Schäden durch extremes Wetter auf 16,5 Milliarden Euro belaufen, teilte Troge, mit. Diese Kosten könnten sich auf jährlich 27 Milliarden Euro bis 2050 steigern.
(SZ vom 18.10.2006)
Werter User,
hoffentlich kein Freudscher...! Wir bessern das aus.
Danke für Ihren Hinweis.
Ihr Moderator
Netter Rechtschreibfehler im zweiten Absatz.