"Designer-Baby" Geboren, den Bruder zu retten

Javier kam zur Welt, weil Ärzte seinen kranken Bruder mit Stammzellen aus Nabelschnurblut heilen wollten. Offenbar ist das nun gelungen.

Von Christina Berndt

"Designer-Baby" ist ein großes Wort. Und es ist die Frage, ob der fünf Monate alte Javier eines Tages mit diesem Titel einverstanden sein wird, den ihm Medien und Ärzte gaben. Wie auch immer er sich selbst nennen würde: Große Taten hat er in seinem jungen Leben schon vollbracht. Offenbar hat er seinen Bruder Andrés gesund gemacht.

Ärzte haben dem siebenjährigen Andrés Stammzellen aus der Nabelschnur von Javier gespritzt und so dessen Thalassämie bekämpft. Bei dieser Krankheit versorgen die roten Blutkörperchen den Körper wegen eines Gendefekts nicht ausreichend mit Sauerstoff.

Schwere Organschäden wären bei Andrés auf Dauer nicht zu vermeiden gewesen, womöglich hätten sie seinen frühen Tod bedeutet. Nun aber rechnen die Ärzte mit seiner vollständigen Genesung, wie sie in Sevilla bekanntgaben. Der Junge habe die Krankheit bereits so gut wie überwunden. "Sein Körper hat die Zellen perfekt angenommen", sagte José María Pérez Hurtado, einer der Ärzte.

Dass Javiers Stammzellen seinem großen Bruder helfen konnten, war kein Zufall. Der Junge ist mit Eizellen und Sperma von Andrés Eltern zunächst im Reagenzglas erzeugt worden. Aus mehreren Embryonen wählten ihn die Ärzte dann aus und setzten ihn der Mutter ein, weil er nicht den Gendefekt für die Thalassämie in sich trug.

Außerdem passte er genetisch am besten zu seinem Bruder; die Gefahr, dass dieser die gespendeten Stammzellen abstoßen würde, war also gering. Nun gilt Javier als Spaniens erstes Designer-Baby, obwohl eigentlich nichts an ihm designt wurde. Die Mischung seiner Gene wurde genauso dem Zufall überlassen wie bei jedem anderen Kind.

Auch in Großbritannien und Schweden wurden bereits Babys nach gezielter Präimplantationsdiagnostik (PID) geboren, in Deutschland ist die Methode verboten. Spaniens katholische Kirche hat das Vorgehen bereits scharf kritisiert. Die Selektion von Embryonen entwürdige den Menschen, weil er nur noch nach seinem Nutzwert beurteilt werde, erklärte die Bischofskonferenz. Außerdem würden die ungeeigneten Embryonen zerstört.

Wenn sich die Eltern ohnehin ein zweites Kind gewünscht hätten, sei das Vorgehen "ethisch vertretbar", meint dagegen Klaus Diedrich, Leiter der Unifrauenklinik in Lübeck. "Ich halte es für ihr gutes Recht, die Krankheit bei dem jüngeren Kind zu verhindern. Wenn es dann noch als Spender für seinen Bruder zur Verfügung stehen kann, ist das ein medizinischer Fortschritt." Es gehe, betont Diedrich, schließlich nicht um "blonde Haare oder blaue Augen".