Javier kam zur Welt, weil Ärzte seinen kranken Bruder mit Stammzellen aus Nabelschnurblut heilen wollten. Offenbar ist das nun gelungen.
"Designer-Baby" ist ein großes Wort. Und es ist die Frage, ob der fünf Monate alte Javier eines Tages mit diesem Titel einverstanden sein wird, den ihm Medien und Ärzte gaben. Wie auch immer er sich selbst nennen würde: Große Taten hat er in seinem jungen Leben schon vollbracht. Offenbar hat er seinen Bruder Andrés gesund gemacht.
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Andrés und Javier mit ihren Eltern. (© Foto: dpa)
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Ärzte haben dem siebenjährigen Andrés Stammzellen aus der Nabelschnur von Javier gespritzt und so dessen Thalassämie bekämpft. Bei dieser Krankheit versorgen die roten Blutkörperchen den Körper wegen eines Gendefekts nicht ausreichend mit Sauerstoff.
Schwere Organschäden wären bei Andrés auf Dauer nicht zu vermeiden gewesen, womöglich hätten sie seinen frühen Tod bedeutet. Nun aber rechnen die Ärzte mit seiner vollständigen Genesung, wie sie in Sevilla bekanntgaben. Der Junge habe die Krankheit bereits so gut wie überwunden. "Sein Körper hat die Zellen perfekt angenommen", sagte José María Pérez Hurtado, einer der Ärzte.
Dass Javiers Stammzellen seinem großen Bruder helfen konnten, war kein Zufall. Der Junge ist mit Eizellen und Sperma von Andrés Eltern zunächst im Reagenzglas erzeugt worden. Aus mehreren Embryonen wählten ihn die Ärzte dann aus und setzten ihn der Mutter ein, weil er nicht den Gendefekt für die Thalassämie in sich trug.
Außerdem passte er genetisch am besten zu seinem Bruder; die Gefahr, dass dieser die gespendeten Stammzellen abstoßen würde, war also gering. Nun gilt Javier als Spaniens erstes Designer-Baby, obwohl eigentlich nichts an ihm designt wurde. Die Mischung seiner Gene wurde genauso dem Zufall überlassen wie bei jedem anderen Kind.
Auch in Großbritannien und Schweden wurden bereits Babys nach gezielter Präimplantationsdiagnostik (PID) geboren, in Deutschland ist die Methode verboten. Spaniens katholische Kirche hat das Vorgehen bereits scharf kritisiert. Die Selektion von Embryonen entwürdige den Menschen, weil er nur noch nach seinem Nutzwert beurteilt werde, erklärte die Bischofskonferenz. Außerdem würden die ungeeigneten Embryonen zerstört.
Wenn sich die Eltern ohnehin ein zweites Kind gewünscht hätten, sei das Vorgehen "ethisch vertretbar", meint dagegen Klaus Diedrich, Leiter der Unifrauenklinik in Lübeck. "Ich halte es für ihr gutes Recht, die Krankheit bei dem jüngeren Kind zu verhindern. Wenn es dann noch als Spender für seinen Bruder zur Verfügung stehen kann, ist das ein medizinischer Fortschritt." Es gehe, betont Diedrich, schließlich nicht um "blonde Haare oder blaue Augen".
(SZ vom 17.03.2009/mcs)
Linke-Parteitag in Göttingen
In meinem früheren Beitrag habe ich Sie irrtümlich als "Herr" Berndt bezeichnet. Dafür entschuldige ich mich.
MfG
NetFiddler
@Net.fiddler:
Bla bla bla - erstmal schlau rumlabern, die SZ kritisieren weil sie ein in den Medien benutzten Begriff verwenden und dann nicht mal kapieren dass die Christina Brendt ganz sicher kein Herr ist... wer lesen kann und dies tut ist ganz klar im vorteil... ;-)
Ich finde einen solchen Eingriff nicht fragwürdig, allein die Vorstellung das jemand nach und nach erstickt und an Organversagen sterben muss finde ich grausam - wenn jemand durch die gezielte selektion eines Embryos davor bewahrt werden kann sehe ich keine moralischen Probleme.
Der zweite Sohn wird ja nicht auf seinen Nutzwert runtergebrochen, vielmehr ist er einfach nur der Mensch der am besten als Stammzellspender geeignet ist - da es diesen icht gab musste er halt gezeugt werden...
Sehr zu empfehelen zu diesem Thema übrigens: David Richard Precht - Bin ich und wenn ja wie viele? (Unter anderem wird auch dieser Fall in dem Buch diskutiert!)
Sehr geehrter Herr Berndt,
wo ist bitte schön das Design?
Zitat:"Die Mischung seiner Gene wurde genauso dem Zufall überlassen wie bei jedem anderen Kind."
Das ist erst einmal ein ganz normales Baby. Die "Mischung" des Erbmaterials hat auf natürliche Weise stattgefunden. Das entspricht nicht der Definition von "Design".
Design bedeuted "gezieltes Erschaffen". Wären Javiers Gene sozusagen aus dem Modellbaukasten gezielt zusammengesetzt worden, dann würde aus meiner Sicht der Begriff "Design" zutreffen.
In Javiers Fall handelt es sich einwandfrei um Zuchtselektion. Und die betreibt die Menschheit bei Haustieren und Königshäusern schon seit ein paar tausend Jahren. Thalassämie basiert wie sie richtig dargestellt haben auf einem tödlichen Gendefekt. Hätten die Eltern PID vor Andrés Geburt angewendet, dann wäre das Kind das jetzt als Andrés aufwächst gesund und Javier wäre einfach ein ganz normales zweites Baby (PID wäre in Javiers Fall ohnehin zwingend nötig gewesen).
Aber nein, sie müssen ja den Ausdruck "Design" par tout unterbringen.
Schämen Sie sich für diesen Blödzeitungsstil. Von der SZ erwarte ich einen höheren Standard.
Wenn es eine Möglichkeit gibt, das Leben meines Kindes zu retten, würde ich die auch nutzen. Wichtiger ist doch, dass in Zukunft das zweite Kind nicht unter dieser Tatsache leidet und die Öffentlichkeit es in Ruhe aufwachsen lässt. Es ist nicht per se das Designerbaby, sondern ein ganz normaler Junge, Sohn, Bruder.
Jetzt fehlt eigentlich nur, dass der Bischof von Sevilla erklärt, die Eltern seien wegen der bösen PID exkommuniziert. Die RKK findet doch immer Gründe, unmenschlich zu handeln.
Paging