Von Helmut Hornung

Im November fallen Tausende Sternschnuppen vom Himmel - den Höhepunkt des magischen Meteorhagels bieten die Leoniden.

Die syrische Fruchtbarkeitsgöttin Derceto hatte eine heiße Affäre mit dem jungen Kaistros, dem sie eine Tochter gebar. Als die Vaterschaft ruchbar wurde, fürchtete sich Derceto vor der Schande, ein Kind von einem Menschen bekommen zu haben. So tötete sie ihren Liebhaber, verließ ihre Tochter und stürzte sich in den heiligen See Askalon in Palästina. Darin verwandelte sie sich in eine Meerjungfrau - den Südlichen Fisch.

Leoniden, AP

In der Nacht zum 19. November sollten besonder viele Leoniden fallen. (© Foto: AP)

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In dieser Version der Sage, die der griechische Schriftsteller Diodoros Sikulos erzählt, wird Dercetos Tochter von Tauben gerettet. Sie bringen den Säugling an einen sicheren Ort und ziehen ihn mit Milch und Käse auf, den sie von Hirten stibitzen. Als diese den Tauben folgen, entdecken sie das Baby. Der königliche Oberhirte Simmas gibt ihm den Namen Semiramis und zieht es groß. Später wurde Semiramis eine berühmte Königin und ließ die Stadt Babylon erbauen. Die Geschichte um Derceto und Semiramis erklärt laut dem römischen Autor Hygin, weshalb die Syrer keinen Fisch essen und die Tauben als göttlich verehren.

Einer anderen Geschichte zufolge stürzt sich Derceto zwar in den See, wird aber von einem großen Fisch gerettet. Der wiederum landet zum Dank am Himmel, ebenso wie seine beiden Sprösslinge, die Tierkreis-Fische. Dieser Südliche Fisch soll direkt vom babylonischen Gott Oannes abstammen.

In alten Karten wird das Fabelwesen mit weit geöffnetem Maul dargestellt, in das der Wassermann - ein anderes Sternbild - aus einem Krug Wasser gießt. Das Fischmaul markiert am Firmament der helle Fomalhaut, der jetzt knapp über dem Horizont im Süden funkelt. Der Hauptstern der Konstellation ist 25 Lichtjahre von der Erde entfernt und besitzt die 15-fache Leuchtkraft unserer Sonne. Vor wenigen Jahren haben Astronomen mit dem Weltraumteleskop Hubble um Fomalhaut eine Staubscheibe mit 40 Milliarden Kilometer Durchmesser aufgespürt - Anzeichen eines jungen Planetensystems. Die Forscher vermuten, dass sich innerhalb der Scheibe mindestens ein "fertiger" Planet verbirgt.

Der Götterbote Merkur steht hinter der Sonne und bleibt im November unbeobachtbar. Nach einer monatelangen glänzenden Vorstellung tritt Venus von der morgendlichen Himmelsbühne ab; zum Monatsende erscheint sie erst gegen 7 Uhr, nur eine Stunde vor der Sonne. Mars geht am späten Abend auf und wandert in den nächsten Wochen vom Krebs in den Löwen. In den ersten drei Novembertagen zieht er durch den offenen Sternhaufen "Krippe" - ein Vergnügen für Fernglasbeobachter. Jupiter im Steinbock zeigt sich schon am frühen Abend hoch im Süden und geht Mitte des Monats gegen 22.50 Uhr unter. Saturn im Bild Jungfrau klettert ein paar Stunden nach Mitternacht über den Osthorizont.

Uranus im Wassermann wird zum Objekt der ersten Nachthälfte, Neptun - wie Jupiter im Steinbock - spüren erfahrene Planetengucker schon nach Einbruch der Dunkelheit auf. Um den 12. November haben die Tauriden ihr unspektakuläres Maximum, stündlich fallen nur fünf bis zehn "Sterne" vom Himmel. Mindestens die fünffache Menge an Meteoren könnten die Leoniden den Beobachtern bescheren. Den Höhepunkt erwarten die Experten in der Nacht zum 19. November. In den vergangenen Jahren machten die Leoniden mit Tausenden Sternschnuppen pro Stunde von sich Reden.

Der Fahrplan des Erdtrabanten: Vollmond am 2., Letztes Viertel am 9., Neumond am 16. und Erstes Viertel am 24. November.

Babyboom im All

Im Herbst haben Galaxienjäger Konjunktur. Da ist der berühmte Andromedanebel, ein zweieinhalb Millionen Lichtjahre entferntes Milchstraßensystem. Das Objekt heißt auch M 31 und zeigt sich im Bild Andromeda als verwaschenes Fleckchen. Nicht weit davon entfernt steht eine Gruppe aus fünf Galaxien am Himmel: Stephans Quintett, entdeckt im Jahr 1877 von dem französischen Astronomen Édouard Stephan. Diese 300 Millionen Lichtjahre entfernten Systeme stehen in enger Verbindung zueinander - mindestens zwei von ihnen haben sich in der Vergangenheit bereits mehrfach durchdrungen. Die unvorstellbaren Kräfte haben die Spiralarme verformt und lösen - weil sie die Materie zusammenpressen - unter den Sternen einen Babyboom aus. Eines Tages werden die kosmischen Kollisionen zur Geburt einer riesigen elliptischen Galaxie führen.

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(SZ vom 02.11.2009/beu)