Der Sternenhimmel im März Der astronomische Frühling naht

Hell wie ein Stern erscheint Saturn am nächtlichen Märzhimmel. Auch Venus setzt sich zunehmend in Szene.

Von Helmut Hornung

Wer in einer klaren Frühlingsnacht den Himmel betrachtet, sieht lediglich eine einzige Oktav in der gewaltigen Klaviatur des Kosmos. Zum einen nehmen unsere Augen nur das sichtbare Licht wahr, zum anderen blockiert die Erdatmosphäre einen Großteil der Strahlung aus dem Weltall, etwa Gamma-, Röntgen- oder Infrarotlicht. In diesen Spektralbereichen erscheinen explodierte Sonnen, junge Planetensysteme oder die Kerne ferner Galaxien aber besonders interessant. Daher arbeiten die Astronomen mit einer Armada von Satelliten-Teleskopen oberhalb der irdischen Dunstglocke. Und in diesem Jahr wollen sie über den Wolken noch einen ganz besonderen Beobachtungsposten eröffnen: Sofia.

Die fliegende Sternwarte befindet sich an Bord eines umgebauten Jumbo-Jets und verfügt über ein Teleskop mit 2,7 Meter Spiegeldurchmesser. Das Riesenauge mustert das Universum aus 12 bis 14 Kilometer Höhe. Dort, jenseits der Troposphäre, lässt Sofia praktisch den gesamten Wasserdampf unter sich, der das langwellige Licht aus dem All ansonsten verschluckt. Das Teleskop ist im Heck des Jumbos montiert und von der Kabine hermetisch abgeschottet. Zwischen den Flügeln des Jumbos befinden sich die Arbeitsplätze der Astronomen. Und statt der 1. Klasse gibt es Räume für Gastbeobachter sowie Lehrer, Schüler oder Journalisten.

Das Observatorium ist ein Gemeinschaftsprojekt der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Die Instrumente haben unter anderem Forscher der Universität Köln sowie aus den Max-Planck-Instituten für Radioastronomie in Bonn und für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau entwickelt. Stationiert ist der Jumbo in Palmdale bei Los Angeles. Sofia wird auch vom neuseeländischen Christchurch und vom Flughafen Stuttgart zu kosmischen Exkursionen starten. Die Generalprobe glückte Mitte Januar.

Am 22. März gelangt Saturn in Opposition zur Sonne. An diesem Tag ist der Ringplanet 1,272 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, das Licht benötigt für die Strecke etwa 71 Minuten. Saturn hält sich im Bild Jungfrau auf und erscheint als heller "Stern". Merkur bietet in den letzten Märztagen ein kurzes Gastspiel am westlichen Abendhimmel. Dort setzt sich allmählich auch Venus in Szene - am 31. März steht sie ganz nah bei Merkur. Mars im Krebs finden wir nach Einbruch der Dunkelheit schon hoch im Süden. Jupiter, Uranus und Neptun bleiben unsichtbar.

Die Sternschnuppen machen sich rar. Zu erwähnen sind allenfalls die Hydraiden, die Mitte März in spärlicher Zahl auftreten, wie auch Sigma-Leoniden zum Monatsende. Der Fahrplan des Erdbegleiters: Letztes Viertel am 7., Neumond am 15., Erstes Viertel am 23. und Ostervollmond am 30. März. Am 20. März kreuzt die Sonne auf ihrer Jahresbahn den Himmelsäquator, um 18.32 Uhr beginnt der astronomische Frühling. In der Nacht zum 28. März müssen die Uhren um eine Stunde vorgestellt werden, von da an gilt die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ).

Nichts ist einzigartig

Vor 400 Jahren wurde der Mensch aus dem Zentrum des Weltalls verbannt. Nicht nur das: Auch die Sonne, um die das Staubkorn Erde kreist, ist eine unter Milliarden anderen innerhalb der Milchstraße - und die wiederum eine unter Milliarden anderen Galaxien. Und seit 15 Jahren ist nicht einmal mehr der Status als Planetensystem einzigartig, mehr als 400 extrasolare Planeten kennen die Astronomen bis heute. Mindestens einer davon umläuft den Stern Epsilon Eridani, den wir mit bloßem Auge im Sternbild Eridanus sehen.

1998 entdeckte man um diese rund zehn Lichtjahre entfernte junge Sonne eine gewaltige Staubscheibe, in der sich offenbar eine unüberschaubare Menge an Asteroiden und Kometen aufhalten. Die Scheibe reicht nicht an Epsilon Eridani heran - und in dieser "Leere" fanden die Forscher einen Planeten; er besitzt die eineinhalbfache Jupitermasse und umkreist seine Muttersonne in knapp sieben Erdjahren. Vielleicht gibt es weiter draußen noch einen zweiten Planeten. Die Astronomen haben dieses Objekt Epsilon Eridanic getauft, aber seine Existenz ist bisher nicht zweifelsfrei bestätigt.