Von Guido Meyer

In etwa acht Milliarden Jahren wird die Sonne die Erde verschlingen. Astronomen überlegen heute schon, wie der Planet seinem Schicksal entrinnen könnte.

Der jüngste Tag ist zwar noch sieben bis acht Milliarden Jahre entfernt - aber er wird kommen. Dann wird sich die Sonne zu einem Roten Riesen aufblähen, bis zu zweihundertmal so groß werden wie heute und die inneren Planeten bis zum Mars verschlingen - auch die Erde.

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In einigen Milliarden Jahren wird unsere Sonne zum Roten Riese. (© Grafik: Nasa)

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Astronomen überlegen, wie der Planet seinem Schicksal entrinnen könnte. Sie entwerfen einen Umzug der Erde auf eine ungefährlichere Bahn. Sollen diese - nicht mit vollem Ernst vorangetriebenen - Pläne verwirklicht werden, ist Eile geboten: In einer Milliarde Jahre wird die Sonne so hell, dass es für das Leben auf der Erde zu heiß wird, später verdampfen Ozeane und schmelzen Gebirge.

Womöglich entkommt die Erde der Vernichtung auch ohne Umzug. Sobald sich die Sonne aufbläht, beginnt sie Masse durch den Sonnenwind zu verlieren. Bis zu 28 Prozent leichter könnte sie werden. "Wenn nur der Masseverlust entscheidend wäre, würden Erde und Mars der Ausdehnung der Sonne entkommen, weil sich ihre Umlaufbahnen nach außen verschieben", sagt der Astronom Robert Smith von der Universität Sussex.

Einen einfachen Ausweg aus der drohenden Hitzehölle biete das aber nicht, weil eine Art Gezeitenwirkung ins Spiel kommt. Die Erde verursacht durch ihre Schwerkraft auf der Sonne eine kleine Beule, so wie der Mond Flutberge auf der Erde auslöst. Das wirkt auf die Erde zurück und verlangsamt sie.

"Wenn die Sonne sich ausdehnt, wird diese Beule dazu führen, dass die Erde spiralförmig in die Sonne fällt", sagt Smith. Er glaubt nicht an ein Entkommen der Erde. Sie werde zudem früher oder später die ausgedehnte Atmosphäre der Sonne durchfliegen und so ebenfalls abgebremst werden.

Wer also die Erde aus dem Einflussbereich der Sonne hinausbugsieren will, muss selbst Hand anlegen. Diesen Plan verfolgt Gregory Laughlin von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz. "Wir wollen die Umlaufbahn der Erde so langsam nach außen verschieben, dass sich die Helligkeit der Sonne für die Menschen nicht verändert." Wenn sich der Planet in Milliarden Jahren 50 Prozent weiter von der Sonne entfernt befindet, bekäme er immer noch die gleiche Menge Sonnenlicht ab wie heute.

Der amerikanische Astronom hat ein Szenario zum Umzug im Universum entworfen. Speditionsunternehmer könnte ein Komet sein, der per Impulsübertragung die Umlaufbahn der Erde Stück für Stück verändern würde. Wenn der Komet an der Erde vorbeifliegt, gäbe er einen Teil seiner Geschwindigkeit an die Erde ab. Dadurch ändert sich ihre Umlaufbahn.

Der Komet würde zurückfliegen gen Jupiter und neuen Schwung holen. "So würden wir Energie von Jupiter indirekt auf die Erde übertragen", sagt Astrophysiker Laughlin.

Ideal wäre ein Himmelskörper von etwa 100 Kilometern Durchmesser. Eine unbemannte Sonde könnte Antriebsraketen auf ihm anbringen und seine Umlaufbahn in Erdnähe lenken. Damit die Schwungübertragung funktioniert, müsste ein entsprechend großer Brocken in 5000 Kilometern Abstand vor der Erde zwischen Erde und Mond hindurchfliegen. Nebenbei würde dieser mitgeschleppt werden ins äußere Sonnensystem, an eine Stelle jenseits der heutigen Mars-Umlaufbahn. Dort wären Erde und Mond vor einer sich aufblähenden Sonne sicher.

"Die Regeln der Physik erlauben ein solches Szenario", bestätigt Robert Smith, theoretisch sei es möglich. Technologisch gibt es aber noch viele Fragen. "Vielleicht haben wir in wenigen Jahrhunderten die Technik."

Der Brite hält den Plan für "Science-Fiction mit der Möglichkeit einer künftigen Realisierung". Er weist jedoch auf ein Manko hin, nämlich auf die Zeit, wenn die Sonne ihre heiße Hülle abgestoßen hat und auf einen Bruchteil ihrer heutigen Größe zusammenfällt. Dann bestünde das Problem darin, dass die Erde dort draußen zu wenig Licht und Wärme abgekommen würde, nachdem die Sonne zum Weißen Zwerg geschrumpft ist. "Dann müssten wir wohl die Rückreise antreten und wieder inwärts wandern."

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(SZ vom 03.09.2008/mcs)