Immer, wenn eine Beschreibung schwierig wurde, nutzten sie verstärkt Hände und Arme. Erwachsene schafften sich so kognitive Freiräume - offenbar, um sich besser auf Inhalte konzentrieren zu können.

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Gesten haben unterschiedliche Funktionen

Das hatten 2004 auch Tests an Goldin-Meadows Institut belegt: 72 College-Studenten sollten dort eine mathematische Aufgabe erläutern und sich anschließend an einzelne Buchstaben- und Zahlenkombinationen erinnern. Wer gestikulieren durfte, schnitt deutlich besser ab.

"Je nach Entwicklungsstufe der verbalen Fähigkeiten haben Gesten unterschiedliche Funktionen", erklärt Goldin-Meadow. Ein Kind, das spricht, braucht keine Zeichen mehr, die verbale Äußerungen ersetzen. Es beginnt, so ähnlich zu gestikulieren wie ein Erwachsener. Elena Nicoladis' zweisprachige Probanden etwa "malten mit den Händen die Umrisse der Kuckucksuhr in die Luft, die den Panther weckt, oder sie zeigten in eine unbestimmte Richtung, während sie sagten: Dann ging der Panther nach Hause."

Solche symbolischen Gesten setzt man nicht ein, weil die Worte fehlen. Nicoladis' Probanden gestikulierten in der besser beherrschten Mutter- und der schwächer entwickelten Zweitsprache nahezu gleich stark. "Sie nutzten Arme und Hände immer in den Sekundenbruchteilen, in denen sie sich an ein passendes Wort erinnern wollten", sagt Nicoladis.

Dass die Bewegung in kommunikativer Not dem Zuhörer eine Verständnishilfe sein sollten, war nach Ansicht der Kanadierin nicht der Fall: Wer würde schon die Umrisse einer Kuckucksuhr erkennen, die jemand mit der Hand in die Luft malt? "Jetzt weisen auch erstmals Hirnscans bei Testpersonen im Kernspintomografen unserer Universität darauf hin, dass Gesten vielmehr die jeweils passenden Sprachregionen im Gehirn aktivieren", sagt Goldin-Meadow.

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(SZ WISSEN Nr.5)