Delphine in Tourismusgebieten Ruhelos und erschöpft

Manch ein Tourist glaubt sich im Einklang mit der Natur, wenn er mit Delphinen schwimmt. Doch die menschliche Gesellschaft stresst die Tiere offenbar gewaltig.

Von Susanne Klaiber

Die Großen Tümmler vor Sansibars Küste sind genervt: von Touristen, die in Booten bis auf wenige Meter heranbrausen und ins Wasser springen, um sie zu beobachten und anzufassen. In Gegenwart der Menschen sind die Delphine offenbar so unruhig, dass sie nur halb so viel Zeit mit Futtersuche, Spielen und Schmusen verbringen wie sonst. Zum Ausruhen kommen sie nur noch in einem Viertel der üblichen Zeit, bewegen sich aber wesentlich mehr, wie schwedische und britische Forscher beobachtet haben (Endangered Species Research, online).

"Das könnte verheerende Folgen haben", sagt Studienleiter Per Berggren. Er befürchtet, dass die Tiere durch Energiemangel, bedingt durch kürzere Futtersuche und Rastlosigkeit, erschöpft und weniger wachsam werden. Außerdem fehle ihnen Zeit für die Aufzucht der Jungen.

Zwar gibt es Richtlinien, die etwa vorschreiben, dass Touristen im Wasser warten sollen, ob die Tiere von selbst herkommen - nur würden sie nicht eingehalten, sagt Berggren. Da helfe nur ein Gesetz.

Der Forscher weiß, dass seine Forderung heikel ist, denn in Sansibar hat die Delphin-Beobachtung die Jagd auf die Tiere ersetzt. Doch Berggren glaubt, dass die Touristen ein Gesetz akzeptieren würden. Besonders wenn man sie gleichzeitig darüber aufklären würde, dass sie mit ihrem Verhalten den Tieren schaden. Er ist außerdem der Meinung, dass die Delphin-Beobachtung dazu beitragen kann, dass Menschen die Tiere schützen.

Das sieht man auch bei der Schutzorganisation Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) so, "aber wir sind grundsätzlich gegen Schwimmgruppen", sagt Meeresbiologe Karsten Brensing. Zwar könnten die Delphine theoretisch wegschwimmen, aber sie hätten wie andere höher entwickelte Tiere eine angeborene Neugier. "Sie versuchen rauszukriegen, was das Ding oder der Mensch da will." Kämen ständig Menschen, würden die Tiere von ihren eigentlichen Tätigkeiten abgehalten. "Wir rauben ihnen Energie und Lebenszeit."