Debatte um die Gefährlichkeit von Windrädern Fledermaus gegen Rotor

Den Bau der Brücke durch das Dresdner Elbtal haben Fledermäuse bereits aufgehalten. Jetzt werden die Tiere erneut zum Thema, dieses Mal geht es allerdings um Windräder. Hunderttausend Fledermäuse sollen einer Studie zufolge jedes Jahr von Rotoren erschlagen werden. Doch die Studie ist umstritten.

Von Patrick Illinger

Fledermäuse können in Deutschland einiges bewegen. Man erinnere sich an die kleine Hufeisennase, ein fünf Gramm leichtes Flattertier, das vor einigen Jahren den Bau einer Brücke über die Elbe aufhielt. Weil die Hufeisennase vom Aussterben bedroht ist, wurde sie zum Streitfall rund um ein Bauvorhaben, bei dem das Elbtal letztlich seinen Status als Weltnaturerbe verlor.

Nun sind Fledermäuse erneut zum Thema geworden, wobei es diesmal nicht um Brücken oder andere verkehrstechnische Bauten geht, sondern um Windräder. Eine Stichproben-Untersuchung der Leibniz-Universität Hannover hat an einigen Windanlagen die Anzahl der mutmaßlich von den Rotoren erschlagenen Fledermäuse ermittelt und dann mit der Anzahl der Rotoren in Deutschland multipliziert.

Herauskam die erschreckende Botschaft: 250.000 Fledermäuse könnten es sein, die jährlich von den Rotoren getötet werden. Nachdem die Meldung zu einiger Aufregung geführt hat, beeilen sich die zuständigen Forscher nun, die statistische Unsicherheit der Erhebung zu betonen. Demnach könnte die tatsächliche Anzahl getöteter Fledermäuse zwischen einigen Tausend und mehreren Hunderttausend Tieren pro Jahr liegen. Mehr Forschung sei nötig, betonen die Experten vom Institut für Umweltplanung.

Fledermäuse sterben nicht erst, seit es Windräder gibt

Mehr Forschung, das ist natürlich stets eine unterstützenswerte Forderung. Zugleich wäre es aber auch angebracht, auf größere Zusammenhänge zwischen Zivilisation und dem fliegenden Tierreich zu verweisen. Vögel wie auch Fledermäuse kollidieren nämlich keineswegs erst mit menschengemachtem Gestänge, seit es Windräder gibt.

6,8 Millionen Zugvögel sterben jedes Jahr in Nordamerika, weil sie gegen Funkmasten und Fernsehtürme prallen. Diese Zahl haben Wissenschaftler der University of California ermittelt. Die US-Wildtierbehörde dokumentiert jährlich mehr als ein halbes Dutzend Fälle, bei denen schlagartig mehr als 1000 Vögel sterben. Ursachen hierfür sind oft Hunger, Krankheitserreger und Parasiten. Generell gefährlich sind aber eben auch menschengemachte Fallen wie Masten, Stromleitungen, übrigens auch Feuerwerke, und ja, auch Windkraftanlagen.

Doch von durchschnittlich zwölf toten Fledermäusen ausgehend, welche die Leipziger Forscher an den untersuchten Anlagen fanden, auf eine außerordentliche Gefährlichkeit von Windrädern zu schließen, wäre voreilig. Dass bereits von "Tötungsmaschinen" die Rede ist, stärkt zudem nicht den Eindruck einer objektiven Debatte.

Natürlich steckt in dem Thema allerlei Zündstoff. Gegnern von Windanlagen sind neben den nachvollziehbaren ästhetischen Bedenken auch umwelt- und naturschützerische Argumente höchst willkommen. An diesem Punkt sollte jedoch auch erwogen werden, wie gut Fledermäuse und andere Lebewesen wohl mit Abgasen von Kohlekraftwerken zurechtkommen. Und wie es Fledermäusen in der Umgebung von Fukushima ergehen mag. Eine saubere, völlig unschädliche Energieform gibt es eben nicht. Eine Binsenweisheit, die schnell aus dem Blick gerät, wenn tote Fledermäuse auftauchen.