Studien über Nanotechnologie gefordert Rätsel um das Nano-Risiko

Die Experten trauen der Nanotechnologie alles Mögliche zu, die Verbraucher sind neugierig. Jetzt rät der Umweltrat, ihre möglichen Folgen für Mensch und Umwelt zu erforschen. Denn bislang lässt sich nicht ausschließen, dass manche der winzigen Teilchen gefährlich sind.

Von Michael Bauchmüller und Katrin Blawat

Gemessen an den Erwartungen müssten die Teilchen eigentlich gigantisch sein. Sie könnten neue Perspektiven eröffnen in der Medizin, in der Energieversorgung, bei der Produktion von Kunststoffen oder Textilien. Doch was die Nanoteilchen so groß macht, ist ihre Winzigkeit. Und genau da beginnt das Problem.

Denn was die neue Technologie mit Mensch und Umwelt anstellt, das ist bislang ein großes Rätsel. "Wir haben in den letzten fünf, zehn Jahren eine ganze Menge hinzugelernt", sagt etwa Klaus Steinhäuser, Experte für Chemikaliensicherheit beim Umweltbundesamt. "Aber wir haben immer noch eine größere Unsicherheit als bei anderen Chemikalien."

Den Konsequenzen dieser Unsicherheit geht ein 600-seitiges Sondergutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen nach, das an diesem Donnerstag in Berlin vorgestellt werden soll. Titel: "Vorsorgestrategien für Nanomaterialien". Das Unterfangen ist komplex. Wie lässt sich der Umgang mit Stoffen regeln, über deren Wege in Körper und Umwelt so gut wie nichts bekannt ist?

Und was bedeutet vorsorgender Umweltschutz für eine Technologie, der so viel Sinnvolles zugetraut wird - die aber gleichzeitig so viele, so ungeahnte Gefahren bergen könnte?

"Hier bündeln sich wie in einem Brennglas die Chancen und Risiken einer neuen Technologie", schreibt der Sachverständigenrat, der die Bundesregierung in Umweltfragen berät. Einerseits könne Nanotechnologie zur Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts werden. "Andererseits ist ihr Risikopotential sehr heterogen und schwer prognostizierbar." Das Rätsel Nano.

Dabei scheint sich die Frage, was die Technologie dem Verbraucher nützen kann, zunächst sehr einfach beantworten zu lassen. Nanopartikel - also Teilchen, die in mindestens einer der drei Raumrichtungen kleiner sind als 100 Nanometer (Millionstel Millimeter) - sollen zum Beispiel Textilien schmutzabweisend und zugleich antibakteriell machen, Krebsmedikamente verträglicher, Sonnencremes angenehmer auf der Haut, Golfschläger leichter und Autolacke kratzfester - das ist nur eine kleine Auswahl der möglichen Anwendungen.

Dass Nanomaterialien viele dieser Versprechen tatsächlich einlösen können, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Doch zugleich könnte zumindest ein Teil dieser Neuerungen einen hohen Preis haben: die Gesundheit der Verbraucher und die Stabilität mancher Ökosysteme.