Für die Volksseele der USA ist das Ende der Spaceshuttle-Ära dennoch schmerzhaft. Nicht nur weil das geliebte Yes-we-can-Allmachtsgefühl in technologischer Hinsicht einen kräftigen Dämpfer bekommen hat. Es ist vor allem eine Enttäuschung für eine Nation, die von Beginn an ihr Selbstverständnis auf die Besiedelung neuer Lebensräume gegründet hat.

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Space Shuttle Columbia nach erfolgreicher Landung auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien am 14. April 1981. Seit Jahren schon waren die Starts und Landungen der Raumgleiter nur noch Routine. Und doch bewahrten sie den Traum von einer machbaren Zukunft im All. Der ging nun zu Ende. (© Nasa)

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Erst kamen die Pilger der Mayflower, vor 200 Jahren begann die Erschließung der riesigen Weiten westlich des Mississippi und Missouri und schließlich pflanzten Neil Armstrong und Buzz Aldrin eine Flagge auf dem Mond. All das verschaffte Amerika ein anhaltendes Gefühl von Grenzenlosigkeit. Das Spaceshuttle sollte den erdnahen Weltraum auf ähnliche Weise mit dem Homeland verknüpfen, wie es Linienflüge nach Hawaii und Alaska tun.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich gezeigt, dass dieser weniger als 400 Kilometer entfernte Weltraum nur mit unfassbarem Aufwand erreichbar ist, und Ernüchterung ist eingekehrt. Sogar die Leitung der legendären Raumfahrtbehörde Nasa erklärt, künftige Raumfahrt-Programme nach marktwirtschaftlichen Kriterien auszurichten.

Statt ausufernden Träumen hinterherzufliegen, soll die Raumfahrt in Zukunft ein hartes Geschäft werden, in dem private Betreiber die tragende Rolle übernehmen. Satelliten werden von Telefonkonzernen und Geheimdiensten bezahlt, Privatkonzerne bieten kurze bemannte Flüge an - als touristische Attraktion für Menschen, denen Helikopter-Skiing und bezahlte Rundflüge in russischen Kampfjets bereits langweilig geworden sind.

Dieser ökonomisch sinnvolle Schwenk ist nicht nur ein symbolischer Rückschlag für die USA. Die immer noch führende Supermacht steht nun ohne eigenes Raumfahrzeug da, während sich China und Indien bereits anschicken, die von den USA geöffnete Lücke mit eigenen Raketen und Raumfahrern zu füllen.

Es liegt jedoch eine gewisse Tragik darin, wenn ausgerechnet China, das ansonsten beweist, wie viel es von anderen Nationen lernen kann, nun einer Ideologie vom Wettlauf ins All als Machtbeweis verfällt, wie sie zwischen den USA und der Sowjetunion während des Kalten Krieges bis zur Perversion betrieben wurde. Doch offenbar belebt es auch in einer zur Industrienation und Weltmacht aufstrebenden Bevölkerung noch die Laune, wenn man - zu welchem Preis auch immer - ein paar Landsleute ins All befördert.

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  1. Heimkehr auf den Planeten Erde
  2. Sie lesen jetzt Dämpfer für das Allmachtsgefühl
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(SZ vom 22.07.2011/mcs)