Ein Vulkan oder ein Meteorit? Noch immer ist nicht klar, was zum Aussterben der Dinosaurier geführt hat. Und die Vertreter verschiedener Theorien stehen sich gegenüber wie Boxkämpfer.
Warum sind die Dinosaurier ausgestorben? Warum verschwanden mit den Riesenechsen am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren auch drei Viertel aller übrigen Lebewesen? Klare Fragen, auf die es bei der Jahrestagung der Amerikanischen Geologischen Gesellschaft (GSA) keine nüchternen Antworten gab.
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Haben giftige Vulkangase die Dinosaurier wie den Tyrannosaurus umgebracht? (© Foto: ddp)
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Statt dessen ging es bei dem Kongress in Denver, USA, eher zu, wie bei der Pressekonferenz vor einem großen Box-Kampf: Der Herausforderer provozierte und der etablierte Kämpfer giftete gereizt zurück. Die Außenseiterin in der akademischen Auseinandersetzung um das Ableben der Dinos ist die Geologin Gerta Keller.
Sie macht giftige Vulkangase für das Massensterben der Dinosaurier verantwortlich - und brachte mit ihrem Vortrag auf der GSA-Tagung den Rest der Fachwelt beinahe geschlossen gegen sich auf. Die meisten Wissenschaftler argumentieren nämlich, dass ein Meteoriteneinschlag das Unglück auslöste.
Die so genannte Impact-Theorie wurde Ende der siebziger Jahre entwickelt, als Forscher um Luis und Walter Alvarez in den Ablagerungen aus der Ära des Sauriersterbens große Mengen Iridium entdeckten - ein auf der Erde seltenes Metall.
In Meteoriten kommt es dagegen weit häufiger vor, ein starkes Indiz für einen Meteoriteneinschlag. Anfang der neunziger Jahre fand man in Mexiko nahe der Maya-Siedlung Chicxulub den dazu passenden Krater. Sein Alter von rund 65 Millionen Jahren stimmt mit dem Massensterben am Ende der Kreidezeit überein. Asche und Staub sollen die Erde jahrelang verdunkelt haben, mit verheerenden Folgen für das Klima.
Dutzende Studien liefern Jahr für Jahr neue Belege für die Impact-Theorie. Doch das lässt die Forschergruppe um die Geologin Gerta Keller von der Princeton University unbeeindruckt. Seit Jahren versucht sie, einen Gegenbeweis zu führen. Ihrer Ansicht nach haben Klimaveränderungen im Gefolge von Vulkanausbrüchen das Massensterben ausgelöst.
Provokation mit neuen Daten
In Denver provozierte sie nun mit neuen Daten, die diese Meinung belegen sollen. Ihre Indizien stammen aus Zentral-Indien. Dort spuckten gewaltige Vulkane gegen Ende des Dinosaurier-Zeitalters Hunderttausende Jahre lang Lava und Gase. Noch heute bedecken zwei Kilometer dicke Lava-Ablagerungen 500.000 Quadratkilometer und bilden das so genannte Dekkan-Plateau. Dass giftige Vulkangase die Umwelt gegen Ende der Kreidezeit stark geschädigt haben, gilt als sicher.
Keller zufolge haben die Eruptionen aber einen weitaus größeren Einfluss gehabt als vermutet. Der Großteil der Eruptionen habe genau zur Zeit des Massensterbens stattgefunden, berichtete sie auf der GSA-Tagung in Denver. Ihre Folgerung: Die Vulkangase führten zum Tod der Dinos.
Hinweise fand Keller in versteinerten Ablagerungen in Ostindien. Direkt über den dicksten Lavadecken jener Epoche entdeckte sie Überreste von Meeres-Einzellern, die unmittelbar nach dem Massensterben lebten. Folglich hätten die Ausbrüche bis zur Zeit des Massensterbens vor 65 Millionen Jahren gedauert.
Studien zweier anderer Forschergruppen stützten ihre These, betont Keller. Vulkanausbrüche hätten kurz vor dem Ende der Kreidezeit große Mengen giftiger Schwefelgase in die Luft geblasen, berichten Forscher um den Vulkanologen Stephen Self von der Open University in Milton Keynes in Großbritannien.
Die Eruptionen schleuderten zehnmal mehr giftiges Schwefeldioxid in die Atmosphäre als der Meteoriten-Einschlag in Chicxulub, ergänzt eine Gruppe um Anne-Lise Chenet von der Universität Cambridge in Großbritannien in einer Studie, die in Kürze im Fachblatt Earth Planetary Science Letters erscheinen soll.
Trotz der Unterstützung geriet Keller während ihres Vortrags auf der GSA-Tagung schwer in die Kritik. Es habe heftigen Protest und sogar Gelächter gegeben, berichten Teilnehmer. Kellers Erkenntnisse seien nicht neu, sagt etwa Peter Schulte von der Universität Erlangen-Nürnberg. Er schrieb seine Doktorarbeit bei Keller, mag der Argumentation seiner einstigen Chefin aber nicht mehr folgen.
Der entscheidende Schlag
Man wisse längst, dass die Dekkan-Eruptionen auch zur Zeit des Massensterbens stattfanden, kritisiert auch Jan Smit von der Freien Universität Amsterdam - ein Begründer der Impact-Theorie und schärfster Widersacher Kellers - den Vortrag seiner Kontrahentin. Die Wirkung des Meteoriten sei jedoch weitaus verheerender gewesen, sagt Smit.
Der Einschlag in Chicxulub habe deutlich mehr Gas in die Luft befördert als die Vulkanausbrüche in Indien. So enthielten auch Schlickschichten im Nordatlantik die Spuren des Ereignisses, berichtete beispielsweise kürzlich eine Gruppe um Kenneth MacLeod von der Universität Missouri in den USA im Fachblatt Geological Society of America Bulletin (Bd. 119, S. 101, 2007).
Die Vulkangase hätten unmöglich ein Massensterben verursachen können, meint auch Philippe Claeys von der Freien Universität in Brüssel. "Wie lange wird Keller die gesamte Wissenschaftspresse noch in die Irre führen können?", fragt Smit angesichts des großen Medienechos auf Kellers Vortrag.
Die Medien folgten ihr abermals "wie ein Hündchen", giftet Smit. Die vielen Studien, die die Impact-Theorie stützen, fänden dagegen weitaus weniger Beachtung.
Doch die Fronten der Forscher scheinen zu bröckeln. Immer mehr Experten glauben, dass nicht nur der Einschlag aus dem All für das Aussterben verantwortlich ist. Der Dekkan-Vulkanismus in Indien habe "fraglos" mit dem Ereignis zu tun, meint auch Mike Widdowson von der Open University. Die Vulkangase hätten das Klima deutlich verschlechtert. Der Meteorit aber - da sind sich die meisten Experten einig - habe der Umwelt den entscheidenden Schlag versetzt.
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(SZ vom 13.11.2007)
So groß, dass er die Erde komplett aus den Angeln gehoben hat, war der Meteorit auch wieder nicht.
Die Schwerkraft der Erde wird er kaum verändert haben.
Viele der Riesensaurier lebte ja auch relativ Wassernah.
Die Änderung des Erdmagnetfeldes ist zyklisch und passiert regelmäßig glaube alle 20000 ? Jahre.
Vulkanausbrüche ändern kaum bis nicht an der Kernzusammensetzung. Der Ursprungsort der Flutbasalte ist zwar noch ien bissel umstritten, aber selbst, wenn sie direkt aus dem Erdkern kämen, müsste der Eisen/Nickelanteil viel höher sein, um nicht zu sagen, sie müssten komplett aus Eisen/Nickel bestehen und nicht aus Basalt, also einem Silikatreichem Gestein.
Eine Frage die mich zunächst viel mehr interessiert ist, warum gab es überhaupt Dinosaurier ? Und warum leben nicht heute auch so große Lebewesen ? Dies wird in der Theorie mit dem Nahrungsangebot und schnellem Wachstum begründet. Heute ist aber allen Tieren eins gemein, es gibt eine gewisse Größe bei der ist Schluß und das scheint für mich einen eindeutigen Grund in der Schwerkraft zu haben. Denn im Wasser gibt es Tiere, die auch heute die Größe der Dinosaurier erreichen und das sind sogar auch noch atmende Lebewesen. Sie leben aber in einem anderen Schwerkraftbereich. Damit kann die Größe nicht mit der Atmosphäre zusammenhängen und eigentlich auch nicht mit dem Nahrungsangebot. Siehe Roben, Seelöwen etc.
Für mich läßt dies eigentlich nur einen Schluß zu, damals herschte eine andere Schwerkraft, die Tiere dieser Größe ermöglichte. Mir ist klar, dass der Aufschrei jetzt groß ist. Jeder der genau erklären kann, wie die Schwerkraft entsteht und wirkt kann mich ja gerne zur Schnecke machen ;-). Damit wäre aber auch klar, warum eine änderung dieser viele Tierarten (ich las gerade über 15 kg, hoch interessant da Zusammenhang mit dem Gewicht) aussterben ließ, andere dafür nicht. Ein Meteoreinschlag könnte eine solche änderung durchaus auslösen, da damit änderungen in Gewicht, Dichte, Rotationsgeschwindigkeit, ja vielleicht sogar Flugbahn, Mondentfernung etc. bewirkt worden sein könnten. Auch massive Vulkanausbrüche könnten dies bewirkt haben durch änderungen der Zusammensetzung des Erdkernes oder sogar dessen Rotation. Diese ist ja bekanntlich auch für unser Magnetfeld verantwortlich und das polte sich ja soweit ich weiß damals auch um.
Digital_Data
Es gibt von Seiten mancher Paläontologen und Biologen inzwischen die Forderung, den Saurienr als "Dinosauria" eine eigene Klasse zuzuweisen, da immer deutlicher wird, dass sie sich von der Klasse Reptilia, in die sie bisher eingereiht waren, in mehr als einer Hinsicht unterscheiden (mögliche Warmblütigkeit, diverse Vogelmerkmale).
Allerdings ist das Thema "Federn" bei den Dinos ein hochinteressantes, aber auch etwas undurchsichtiges Thema: Einesteils deutet eine Befiederung auf eine relativ enge Beziehung zum Vogelstammbaum hin, andererseits könnte es sich auch um eine kongruente Entwicklung handeln, zumindest in einigen Fällen. Offenbar hat die Evolution im Laufe der Kreidezeit die vielfältigen Möglichkeiten eines Federschmucks auch bei Sauriern "entdeckt" und dies vermehrt umgesetzt - sogar bei einem sechs bis acht Meter langen Raubsaurier, dessen Greifarme echten Vogelschwingen frappant ähnelten (ansonsten war der Bursche kahl). Da nahezu alle 14 Tage eine neue Dino-Art entdeckt wird, ist auf diesem Sektor derzeit einiges in Bewegung.
@diege666:
Velociraptor hatte Federn, Deinonychus meines Wissens nicht.
"Warum die nicht überleben konnten wäre interessant zu wissen. "
Verdrängung? Durch das Aussterben diverser Arten kam es ja zu völlig neuen Konstellationen. Die Säugetiere dürften sich immer mehr verbreitet haben und Vorteile gegenüber den Dinosauriern gehabt haben.
Ich hab erst vor kurzem gelesen, dass man ein Skelett von Velociraptor oder Deinonichus (weiss ncht mehr so genau) fand, an dem man eindeutige Spuren von Federn fand.
Die Verwandschaft beider ist eigentlich erwiesen, nicht zuletzt durch Körperbau, Federn und Bindegliedern.
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