Von Werner Bartens

Um Todesfälle durch Lungenkrebs zu verhindern, setzen viele Fachleute auf das Screening mit Computertomographie. Doch "die frühe Entdeckung der Tumoren rettet keine Leben", berichten US-Forscher.

Die Hoffnung ist naheliegend, aber sie wird längst nicht immer erfüllt. Wird ein Krebs frühzeitig festgestellt, führt das nicht automatisch zu einer besseren Prognose.

Computertomographie Lungenkrebs

Aufnahmen eines Computertomographen. (© Foto: AP)

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Ärzte vom Sloan-Kettering Krebs-Zentrum in New York und der Mayo Clinic in Rochester haben diesen Nachteil der Früherkennung nun auch bei Menschen mit erhöhtem Risiko für Lungenkrebs beobachtet.

Im Journal of the American Medical Association vom heutigen Mittwoch berichten sie, dass zwar mehr Krebsfälle diagnostiziert werden, wenn sich langjährige Raucher oder Ex-Raucher regelmäßig einer Computertomographie unterziehen (Bd. 297, S. 953, 2007).

Die Zahl der fortgeschrittenen Tumore und Todesfälle sinkt auf diese Weise aber offenbar nicht.

"Ziel einer Reihenuntersuchung ist es, Leben zu retten", sagt Colin Begg, Leiter der Arbeitsgruppe in New York. "Während der Beobachtungszeit fanden wir aber keine Belege dafür, dass CT-Screening Todesfälle durch Lungenkrebs verhindern kann."

Die Krebsexperten aus den USA hatten mehr als 3200 beschwerdefreie Teilnehmer in ihre Untersuchung eingeschlossen. Fast fünf Jahre lang unterzogen sich die Probanden jährlich einer CT-Untersuchung der Lunge. Wurde dabei ein verdächtiger Knoten entdeckt, wurden die Teilnehmer behandelt.

Mit Hilfe der Untersuchung wurden 144 Fälle von Lungenkrebs diagnostiziert. Das waren mehr als dreimal so viele wie die 44 Fälle, die ohne Screening entdeckt worden wären.

Die Patienten profitierten jedoch nicht davon - im Gegenteil. In der Folge wurden zehnmal so viele Patienten operiert wie ohne CT-Untersuchung unters Messer gekommen wären (109 gegenüber 11 Fällen). Dennoch gab es 38 Todesfälle in der CT-Gruppe.

39 Teilnehmer der Studie wären jedoch auch ohne Screening gestorben.

"Die frühe Entdeckung und die zusätzliche Behandlung retten kein Leben, sondern die betroffenen Patienten müssen sich invasiven und wahrscheinlich unnötigen Therapien unterziehen", sagt Peter Bach, der Erstautor der Studie.

"Unsere Ergebnisse sollten alle zweifeln lassen, die den Versprechungen des CT-Screenings glauben", sagen die Autoren. "Die möglichen Schäden einer flächendeckenden Anwendung sind bedenklich."

Zu ähnlichen Ergebnissen waren Studien gekommen, in denen die Auswirkungen einer Röntgen-Reihenuntersuchung des Brustkorbs untersucht wurde: Auch die Früherkennung mittels Röntgen-Thorax, wie Ärzte die Methode nennen, brachte Patienten keinen Vorteil.

Da CT-Geräte immer kleinere Krebsknoten erkennen können, ist der Enthusiasmus mancher Ärzte groß, Patienten mit Lungenkrebs bessere Überlebenschancen zu ermöglichen.

Erst im vergangenen Jahr hatten Forscher behauptet, mit CT-Screening könnten viele Todesfälle durch Lungenkrebs verhindert werden.

Doch diese wie auch die aktuelle Studie sind rückwirkende Analysen. Die Ergebnisse zweier großer Studien, in denen drei Gruppen gebildet wurden, die mit CT, Röntgen-Thorax oder gar nicht untersucht werden, sind 2009 zu erwarten.

"Diese prospektiven Untersuchungen sind aufwendig, aber das ist die zuverlässigste Methode, um Klarheit über das Screening zu erlangen", sagen William Black und John Baron von der Universität Dartmouth.

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(SZ vom 7.3.2007)