Der amerikanische Genpionier Craig Venter hat sein Erbgut entschlüsselt und die Informationen in einem Fachjournal vorgestellt. Damit kann sich jetzt buchstäblich alle Welt ein Bild von seinen Anlagen für bestimmte Krankheiten und Persönlichkeitsmerkmale machen.

Ist es nicht beängstigend, von der eigenen Veranlagung zu Krebs, Herz- und Kreislaufversagen oder der Huntington Chorea zu wissen? Wie können Sie damit leben?

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Venter:Das Wissen ändert ja nichts an der Realität: Die Anlagen sind nun mal vorhanden. Über sie Bescheid zu wissen, bietet uns in vielen Fällen die Chance, einer Erkrankung vorzubeugen. Ich nehme jetzt zum Beispiel cholesterinsenkende Mittel ein. Sie schützen das Herz und nach jüngsten Berichten auch noch vor Alzheimer. Die Kenntnis von unseren genetischen Risiken bedeutet Macht - die Macht, ihnen entgegenzusteuern. Darum glaube ich, dass der Präventivmedizin die Zukunft gehört. Es wäre doch schrecklich, eines Tages zu hören, dass ich gut 90 hätte werden können, wenn ich vor 20 Jahren begonnen hätte, etwas gegen ein Krankheitsrisiko zu unternehmen.

Wann wird denn das Entschlüsseln unseres Erbguts zur Routine werden?

Venter: Mit einigen neuen Technologien, die wir derzeit testen, können wir ein Genom wahrscheinlich schon für einen Kostenfaktor von 100.000 Dollar (73.400 Euro) an aufwärts decodieren. Die Verfahren sind wesentlich schneller und preiswerter. Bis zum Jahresende dürften wir wissen, ob sie auch akkurat genug sind, um brauchbare Informationen zu liefern. Es könnte durchaus sein, dass wir bis Ende 2008 bereits 20 bis 30 weitere Genome von Menschen veröffentlicht haben. Das Feld entwickelt sich ganz drastisch. Ich finde es äußerst spannend.

Warum haben Sie sich selbst entziffert? Aus Neugier? Eitelkeit?

Venter: Es kam viel zusammen. Natürlich die Neugier des Forschers. Aber ich wollte auch zeigen: Seht her, ich habe keine Angst vor meinem genetischen Code und bin bereit, ihn ins Internet zu stellen. Bis vor kurzem stand das Sequenzieren des menschlichen Erbguts doch noch unter strengster Geheimhaltung. So wissen wir bis heute nicht, von welchen Personen die staatlich finanzierten Laboratorien (des Human-Genom-Projekts) das Erbmaterial für ihre Veröffentlichung genommen haben.

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(dpa)