Climate Engineering Klimamanipulation im Bundestag

Schwefel für die Stratosphäre, Eisen in den Ozean: Forscher warnen im Bundestag vor technischen Methoden zur bewussten Klimamanipulation. Die "Climate Engineering" Technologien könnten in Zukunft einen großen Reiz entfalten.

Von Christopher Schrader

Politiker aller Parteien im Bundestag lehnen es ab, das globale Klima mit gezielten technischen Eingriffen zu beeinflussen. International werden solche Maßnahmen unter dem Stichwort Climate Engineering (CE) diskutiert; die Vorschläge reichen vom Ausbringen von Schwefelpartikeln in der Stratosphäre, um die Sonneneinstrahlung zu verringern, bis zur Eisendüngung der Ozeane, um Algen zu vermehren, die Kohlendioxid binden. Solche Maßnahmen könnten die Erderwärmung bremsen, falls es nicht gelingt, den Ausstoß von Treibhausgasen zu bremsen. "Das ist keine Option", erklärte in Berlin der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Lengsfeld. SPD-Parlamentarier René Röspel sagte, seine Partei halte "diesen Weg für nicht verantwortbar".

Tatsächlich standen CE-Maßnahmen im Bundestag auch gar nicht zur Abstimmung an. Aber das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) hat einen Bericht zu den diskutierten Techniken im Forschungsausschuss des Parlaments öffentlich vorgestellt. Es gehe um "teilweise faszinierende, teilweise Empörung auslösende technische Verfahren", wie es TAB-Leiter Armin Grunwald ausdrückt. Er kenne wie viele Wissenschaftler jenes "Unbehagen", das sich am Ende von ergebnislosen Konferenzen wie dem Klimagipfel in New York vom vergangenen Dienstag einstellt: Dann fragen sich manche Forscher, ob man nicht etwas anderes tun könnte als zu reden.

Algenblüte vor der Küste Argentiniens. Mit Eisendünger sollen Algen stärker vermehrt werden, die Kohlendioxid binden.

(Foto: Nasa)

Doch davor warnt nun der TAB-Bericht auf fast 230 Seiten. Keine der Methoden sei erprobt, ihre möglichen Wirkungen würden vermutlich überschätzt. Die Risiken seien unbekannt, in vielen Fällen komme schon die Erprobung einem globalen Einsatz gleich.

Nicht anwenden, aber erforschen, lautet die deutsche Haltung. Die Politik will "sprechfähig" bleiben

Die Verfahren fallen in zwei Kategorien: Die einen sehen vor, Treibhausgase aus der Atmosphäre zu entfernen, wie etwa die Eisendüngung. Solche Methoden würden laut TAB erst nach Jahrzehnten wirken. Anderen Ideen zufolge könnte Sonnenlicht abgeschirmt werden, wie mit den Schwefelteilchen. Das könnte theoretisch die Temperaturen schnell senken, die Partikel müssten aber über Jahrzehnte hinweg immer wieder erneuert werden. Laut Sebastian Harnisch von der Universität Heidelberg, der als Sachverständiger vor den Ausschuss geladen war, wird der Effekt solcher Maßnahmen vermutlich überschätzt.

Doch gerade bei den Licht-Filter-Verfahren sehen Forscher wie Abgeordnete eine politische Gefahr. Einzelne Staaten könnten im Vertrauen auf später mögliche technische Eingriffe die Notwendigkeit, Treibhausgase zu reduzieren, aus dem Blick verlieren. Ob das geschehe, "hängt nicht davon ab, ob Climate Engineering wirklich funktioniert, sondern nur davon, ob die Leute das glauben", warnte Grunwald.

Die deutsche Politik setze klar auf Vorsorge, nicht auf Reparatur am Klimasystem, erklärte Karl Eugen Huthmacher vom Forschungsministerium als Vertreter der Regierung. Dabei fördert sein Haus die CE-Forschung - um die Bewertungskompetenz zu stärken, wie es heißt. Deutschland müsse "sprechfähig" bleiben, so der CDU-Abgeordnete Thomas Feist, um bei künftigen Diskussionen über Klimamanipulation eine klare Position einnehmen zu können.