Depressionen, Schlafstörungen, Erschöpfungszustände: Der Frust der Chirurgen in Deutschland gefährdet das Wohl ihrer Patienten.
Sie bekommen Depressionen, leiden unter Schlafstörungen, Verdauungsproblemen, Burn-out oder greifen zu Tabletten und Alkohol. Die Patienten, von denen hier die Rede ist, sind eigentlich dafür ausgebildet, anderen zu helfen.
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"Man leistet viel und wird dafür nicht belohnt.": viele Chirurgen fühlen sich oft unfair behandelt - das kann zu Depressionen führen. (© Archivfoto: ddp)
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Doch immer häufiger sind die Ärzte selbst überfordert und werden krank. Offenbar sind für viele Mediziner die Belastungen im Beruf so groß, dass ihre Gesundheit in Gefahr ist und die Patientenversorgung leidet. Diesen erschreckenden Befund erheben Medizinsoziologen der Universitätskliniken Hamburg und Düsseldorf im aktuellen Deutschen Ärzteblatt.
Das Team um Olaf von dem Knesebeck und Johannes Siegrist hat 1300 chirurgisch tätige Klinikärzte in Deutschland befragt. 25 Prozent der Mediziner leiden unter einer Gratifikationskrise, das heißt, für die hohe berufliche Verausgabung erfahren sie nicht genug Wertschätzung - sei es durch Geld, Anerkennung oder Aufstiegschancen.
"Immer mehr Ärzte haben das Gefühl, dass es unfair zugeht", sagt Siegrist. "Man leistet viel und wird dafür nicht belohnt. Wer in der Hierarchie unten ist, den trifft es am stärksten." Dabei gehe es nicht nur um Geld.
Emotionale Wertschätzung und Karrieremöglichkeiten seien ebenso wichtig. Das strategische Kalkül vieler Jungmediziner, nach Jahren der Entbehrung attraktive Posten und hohe Einkünfte zu bekommen, gehe immer seltener auf. "Diese Krisen gehen unter die Haut", sagt Siegrist. Der Traumjob wird zum Trauma.
"Typisch sind Erschöpfungssyndrome"
Etwa 22 Prozent der Befragten klagen über negativ erlebten beruflichen Stress, der oft entsteht, wenn die Anforderungen hoch sind, aber wenig Handlungs- und Entscheidungsspielraum besteht. Frauen empfinden die Belastung stärker als Männer, Assistenzärzte stärker als Chefärzte. "Typisch sind Erschöpfungssyndrome", sagt Carl Eduard Scheidt, Leiter der Thure-von-Uexküll-Klinik und Professor für Psychosomatik an der Uni Freiburg. "Stress wird nicht toleriert und macht krank, wenn man den Eindruck hat, die Situation nicht verändern zu können." In der Chirurgie sind die Abläufe besonders starr.
Ärzte sind zwar seit Jahrzehnten die Berufsgruppe mit dem höchsten Sozialprestige. Doch gerade die Tätigkeit im Krankenhaus findet unter immer schwierigeren Bedingungen statt. Jährlich werden mehr Patienten versorgt, aber ihre Verweildauer in der Klinik sinkt. Die Arbeit ist zunehmend verdichtet. "Die Bürokratie und sich ständig ändernde Regeln im Gesundheitswesen vermitteln vielen Ärzten ein Gefühl der Unsicherheit und Intransparenz", sagt Scheidt.
Auch das Privatleben der Ärzte leidet. 72 Prozent der Befragten sind zu müde, um mit Partnern oder Kindern etwas zu unternehmen. 80 Prozent vernachlässigen persönliche Interessen. Ein Fünftel denkt daran, den Beruf aufzugeben. Ein Drittel erwägt den Wechsel ins Ausland. "Es ist doch Wahnsinn, dass die Enttäuschung im Beruf das Risiko vervierfacht, den Job hinzuschmeißen", sagt Siegrist.
Unzufriedene Ärzte tun auch den Kranken nicht gut. Für 44 Prozent der Befragten ist die Qualität der Patientenversorgung durch die eigene Überarbeitung gefährdet. "Man muss das Thema für Ärzte wie Pflegekräfte viel ernster nehmen", fordert Siegrist. "Die Arbeitsgestaltung muss besser werden, das Führungsverhalten sich ändern. Es geht hier um strukturelle Dinge und nicht nur um Tarifverhandlungen."
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(SZ vom 08.04.2010/jab)
Linke-Parteitag in Göttingen
"Immer mehr Ärzte haben das Gefühl, dass es unfair zugeht",
Achwas?! Glauben und sagen das nicht ALLE, egal in welchem Beruf sie arbeiten? Und ist es nicht auch so? = Bei Eisenbahnern, Fliesenlegern, Postzustellern, Journalisten, Musikverlegern, Musikern, Schauspielern, Verkäufern, Kassiererinnen, Schweißern, Malern, Politikern, ... etc. pp.
Nur den Kastenbrillenleichen in der Reklame-Industrie scheint's immer noch gut zu gehen.
Die Zustände sind bekannt, das ist übrigens bei Pfarrern (ev.) nicht anders, die haben schließlich auch 24 h Dienst. Es hat aber nicht nur etwas mit Arbeitsüberlastung und fehlender Anerkennung zu tun (man denke mal an die Tag-Nacht-Tag-Schichten von Bereitschaftsärzten), sondern auch mit dem Selbstverständnis des Berufs: der (allwissende) Heiler. In den allermeisten Fällen gibt es niemanden, an den man sich mit eigenen Zweifeln wenden kann, die Kirche hat dafür immerhin (wenn auch zu wenig) Supervisions-Personal. Und solange Krankenhäuser immer noch mit quasi-militärischen Befehlsketten geführt werden, wird das Gefühl, immer am Ende der Nahrungskette zu stehen, auch nicht abnehmen.
...soll dann der Hausmeister dann Assistenzarzt spielen?