Ein US-Psychologe hat mit einem Experiment offenbart, zu welch brutalen Taten sich Durchschnittsbürger aus Gehorsamkeit auch heute noch antreiben lassen. Das Ergebnis ist ein echter Schock.
Damals war es ein Schock: 1961 bewies Stanley Milgram in einem fragwürdigen Stromstoß-Experiment, wie leicht sich Menschen zu Gnadenlosigkeit und Grausamkeit erziehen lassen. Nun wollte Jerry Burger wissen, ob ein solches Ergebnis auch heute noch möglich wäre. Der Psychologe von der Santa Clara University in Kalifornien wiederholte Teile des Experiments in einer abgemilderten Form und bewies, dass die Menschen nicht viel dazu gelernt haben seit den frühen Sechzigern.
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Über vierzig Jahre nach Milgrams legendärem Experiment zeigt ein Psychologe, wie schnell der Durchschnittsbürger zum Folterknecht wird. (Bild: Kinofilm "Das Experiment") (© Foto: ddp)
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Die Teilnehmer zwischen 20 und 81 Jahren wurden über Zeitungsanzeigen, Faltblätter oder im Internet gesucht. Als Anreiz versprach Burger den 70 Probanden für zwei Experimente von jeweils 45 Minuten insgesamt 50 Dollar (35 Euro). Der Leiter der Studie erläuterte nur, dass die Auswirkung von Strafen auf das Lernen untersucht werden sollen. Den angeworbenen Probanden wurde dabei stets die Rolle des Lehrers zugewiesen.
Vorgegeben wurde, dass die "Schüler" sich 25 Wortpaare merken sollten, beispielsweise "kräftig - Arm". Eine richtige Zuordnung hatte keine Folge, bei einer falschen Antwort sollte der Proband einen Stromstoß am Körper des Schülers auslösen. Allerdings - die "Schüler" waren eingeweiht und bekamen die Elektro-Schocks nicht wirklich zu spüren.
Ihre Aufgabe war es stattdessen, den Schmerz zu simulieren. Bei 75 Volt sollten sie laut stöhnen und bei 150 Volt bitten: "Lass mich hier raus bitte. Mein Herz beginnt, mich zu plagen." Obwohl den Probanden mindestens dreimal während des Experiments gesagt wurde, dass sie auch aufhören können, und dennoch die Aufwandsentschädigung erhalten, blieben 70 Prozent der "Lehrer" hart und bestanden darauf, den Versuch weiterzuführen.
Im Gegensatz zu Milgram stoppte Burger das Experiment jedoch nach der 150-Volt-Grenze. Immerhin drehten weit mehr als zwei Drittel der Probanden die Spannung über 150 Volt hinaus, obwohl die Lernenden vehement protestierten und mit dem Experiment aufhören wollten. Burger beschreibt sein Ergebnis im Journal "American Psychologist" (Bd. 64, Nr. 1).
(sueddeutsche.de/dpa/agfa)
Machtkampf in der Linken
.... des ganzen empfehle ich, sich mal den Film "Die Welle" anzusehen.
"Ein US-Psychologe hat mit einem Experiment offenbart, zu welch brutalen Taten sich Durchschnittsbürger aus Gehorsamkeit auch heute noch antreiben lassen. Das Ergebnis ist ein echter Schock."
Mich schockt das nicht.
Solch Wesenseigenschaften werden doch durch unsere Sozialisation erst geschaffen. Natürlich auch heute noch. Fast jeder Mensch der sog. "zivilisierten Welt" ist von Säugling an mit Kommandos von Autoritäten über Kinderstube, Schule, Ausbildung dann noch vereinzelt männlicherseits Militärdienstpflicht ausgesetzt und lernt nach und nach, daß es ein anzustrebender Zustand ist einen möglichst hohen sozialen Stand zu erwerben. Im Beruf ist er darauf geeicht sich wie ein geschmiertes Rädchen ohne Widerspruch aber dafür mit vorauseilendem Gehorsam einzureihen, denn es winkt ansonsten die Kündigung, sprich Verlust der Existenz und vieler sozialer Bindungen. Ein zentraler Begriff, welcher ja auch vom Arbeitgeber beschworen wird, ist die sogenannte "CORPORATE IDENDITY". Also die Einfügung in das und Identifikation mit dem System.
Ein ganz entscheidender Aspekt des Milgram-Experiments, damit es überhaupt möglich war, war die Bereitschaft der Probanden in die positiv besetzte Rolle der Autorität des "Lehrers" innerhalb einer hierarchischen sozialen Struktur zu schlüpfen. Dazu wurde ihm ja auch noch insinuiert, er würde einen Dienst der Wissenschaft leisten. Gib einem Mensch ein bischen Macht innerhalb einer solch sozial höher stehenden Funktion und einen Befehl, und er wird sie eifrig nutzen.
Zum anderen ist die räumliche Trennung von "Lehrer" und "Schüler" zu nennen, die die Empathie untergräbt, aber der vorgesetzte Versuchsleiter in einem Raum mit dem Probanden war. Wäre es so, daß Schüler und Lehrer in einem Raum gewesen wären und der Versuchsleiter nicht sichtbar räumlich abgetrennt, wären die Lehrer mit Sicherheit wenig bereit gewesen immer höhere Stromschläge, wenn überhaupt zu geben.
Interessant waren auch die Abwandlungen und Erweiterungen des Milgram-Experiments. Bat der Versuchsleiter z.B. um Abbruch des Experiments, so folgte der Proband dem unverzüglich. Stellte man den Probanden einen Lehrer bei, welcher Zweifel und Widerwillen gegen den Versuchsleiter zeigte, fiel auch die Bereitschaft des Probanden stark ab mitzumachen. Dabei geht es um Akzeptanz von Autoritäten und Selbstbewusstsein. Ist ein Mensch isoliert, ist also sein Mut Autoritäten zu hinterfragen sehr gering.
es mag auch einige Leute geben, die davon noch nicht gehört haben... Es wäre aber interessant zu wissen, wie mit den Probanden umgegangen wurde, die das Experiment schon kannten, und die muss es mit Sicherheit auch gegeben haben, schliesslich ist es ungefähr so bekannt wie Newtons Experimente zur Gravität. Wurden die vorher aussortiert? Haben die trotzdem mitgemacht und Theater gespielt? Oder haben die sich gar nicht gemeldet, weil das Experiment schon als solches angekündigt war und sie an einen schlechten Scherz glaubten? Das Verhältnis dieser Probanden mit Vorkenntnissen zur Gesamtmenge wäre zudem sehr interessant, ebenso wie die Gesamtmenge an sich - ich lese hier nur Prosentzahlen... Ohne diese Rahmenbedingungen zu kennen, kann man dazu gar nichts sagen...
"Wer kommt denn beim Thema "Stromstösse" und "Lernen" nicht sofort dahinter"
Hallo? Die Mehrheit der Amis findet auch nach mehreren Jahren Krieg den Irak nicht auf einer Weltkugel. Die breite Masse hat davon noch nie was gehört...
Ja meine Damen und Herren Liebhaber der Schmuckrhetorik, so ist es!
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