Der Klimawandel wird die Welt teuer zu stehen kommen, warnt ein britischer Ökonom. Bis zu einem Fünftel des globalen Bruttoinlandproduktes könnte es kosten, wenn nicht sofort dramatische Maßnahmen ergriffen werden.

Die Klimaveränderung könnte das weltweite Wachstum um fünf bis 20 Prozent verringern, warnt ein Bericht für die britische Regierung. Das könnte bis zu 3,68 Billionen Pfund (5,48 Billionen Euro) kosten - wenn nicht dramatische Maßnahmen ergriffen werden.

Industrieabgase über dem Nordatlantik. (© Foto: dpa)

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Deshalb sei es notwendig, sofort ein Prozent des globalen Bruttoinlandproduktes zu investieren, um die katastrophale Entwicklung zu bremsen.

Der britische Premierminister Tony Blair hat bei der Vorstellung der Studie in London rasche weltweite Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel gefordert und vor einer globalen Klimakatastrophe gewarnt.

Die wissenschaftlichen Belege für einen Zusammenhang zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und dem Klimawandel seien "erdrückend", sagte Blair.

Wenn nicht gehandelt werde, "sind die Folgen für unseren Planeten tatsächlich verheerend", sagte Blair. Ohne sofortige Gegenmaßnahmen würden die Auswirkungen der Erderwärmung unumkehrbar.

Es gebe derzeit keine ernstere und dringlichere Aufgabe für die Weltgemeinschaft.

Einer Meldung der britischen Zeitung The Sun zufolge bezeichnete Blair den 700-seitigen Bericht als "den wichtigsten Bericht", den er in seiner Amtszeit als Ministerpräsident gesehen habe.

Der Autor des Berichts, der frühere Weltbank-Ökonomen Sir Nicholas Stern, fordert die Industriestaaten auf, sich zu verpflichten, bis 2050 den Ausstoß von Treibhausgasen erheblich zu senken. Außerdem müsste weit mehr in die Erforschung neuer Technologien investiert werden.

Ohne drastische Maßnahmen könnten 200 Millionen Menschen zu Flüchtlingen werden, da ihrer Heimat von Überflutungen oder Trockenheit betroffen würden.

Wie der britische Sender BBC berichtet, will Sterns Auftraggeber, Schatzkanzler Gordon Brown, nach der Veröffentlichung des Berichtes heute ankündigen, dass Großbritannien im internationalen Kampf gegen den Klimawandel eine führende Rolle übernehmen wird.

Das Dokument betont nach Informationen der BBC, der Schlüssel zur Bewältigung der Krise bestehe darin, die Hauptverursacher der Umweltverschmutzung wie China und die USA dazu zu bewegen, die Emissionen zu verringern. Die Auslöser der Verschmutzung müssten dazu gebracht werden, "den Preis für die Probleme, die sie verursachen, zu bezahlen".

Was der Erde droht

Sonst drohten Überflutungen, die bis zu 100 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertreiben würden. Das Schmelzen von Gletschern könnte zu Wassermangel führen, von dem etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung betroffen wären - insbesondere in Indien, China und den Anden-Ländern.

Bis zu 40 Prozent aller Arten könnten aussterben und Trockenheiten würden zehn Millionen - vielleicht sogar Hunderte von Millionen Menschen zu Flüchtlingen machen. Allein in Afrika, das besonders betroffen wäre, müssten hunderte Millionen mit Ernteausfällen rechnen.

Werden die Treibhausemissionen nicht verringert, so warnt Stern, sei die Folge ein "katastrophaler Klimawandel", der zum größten Konjunkturrückgang aller Zeiten führen werde - mit einem Ausmaß vergleichbar der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre.

Sterns Bericht lässt sich auch als Kritik an der US-Politik unter George W. Bush interpretieren. Bush verweigert sich bis heute den Forderungen des Umweltschutz-Protokoll von Kyoto unter anderem deshalb, weil die vorgesehenen Maßnahmen in den USA angeblich zu viele Arbeitsplätze kosten würden.

In den USA investiert die Regierung mit drei Milliarden Dollar pro Jahr nicht mal mehr die Hälfte der Summe, die noch vor 25 Jahren bereitgestellt worden war, meldet die New York Times. Zwar will Bush die Forschungsgelder im nächsten Jahr auf 4,2 Milliarden anheben - doch das ist nach Einschätzung vieler Experten noch immer viel zu wenig.

Dabei ist Geld vorhanden: In die medizinische Forschung investiert die US-Regierung immer mehr - inzwischen sind es 28 Milliarden Dollar jährlich. Und die Gelder für militärische Forschung sind seit 1979 um 260 Prozent auf mehr als 75 Milliarden Dollar angestiegen, meldet die Zeitung.

Weltweit sieht es in den meisten Ländern ähnlich schlecht aus. Allein Japan habe die Investitionen erhöht und dabei vor allem auf Solartechnologie gesetzt, so die NYT.

Bemühungen einzelner reichen nicht aus

Großbritanniens Umweltminister David Miliband erwägt nun offenbar eine Reihe von "grünen" Steuern, die die Briten dazu bewegen sollen, Energie zu sparen.

Auch der Stern-Bericht betont, dass Steuern und Verhaltensänderungen helfen könnten, die Wirkungen des Klimawandels abzuschwächen. Doch das müsse global geschehen, so Stern.

Bemühungen einzelner Länder reichen nicht aus, warnt der Ökonom. Selbst wenn Großbritannien morgen alle Kraftwerke abschalten würde, wäre die Verringerung der Abgase weltweit bereits im Laufe des nächsten Jahres aufgehoben durch die Zunahme der Umweltverschmutzung in China.

Der Ökonom rät, umweltfreundlichere Energiequellen verstärkt zu nutzen, etwa Wind- und Sonnenenergie.

Und bereits im nächsten Jahr sollte sich die internationale Gemeinschaft auf einen neuen Vertrag zur Einschränkung der Treibhausgase einigen - nicht erst 2010/11, wenn viele Länder sich auf einen Nachfolger des Klimaschutzprotokoll von Kyoto verständigen wollen.

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