Zeckenstich mit Folgen: Patienten mit Borreliose fühlen sich oft zu Recht vernachlässigt - doch viele bilden sich die Krankheit auch nur ein. Und im Borreliose-Streit geht es auch um Geld.
Manchmal weiß Ute Fischer nicht mehr, ob Zecken oder Ärzte ihre größeren Feinde sind. Die Zecken beißen die Menschen, und manchmal übertragen sie dabei eine schwere und tückische Krankheit namens Borreliose.
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Bereits kleine Zecken können Blut saugen und Krankheiten übertragen - wie die Borreliose. (© Foto: ddp)
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Die Ärzte aber übersehen allzu oft das Leid. "Jedes Jahr setzen einige Borreliose-Kranke ihrem Leben ein Ende, weil sie keine Zuversicht finden außer durch den Tod", sagt Fischer, die der Patientenorganisation Borreliose- und FSME-Bund Deutschland vorsteht.
Die Kranken fühlten sich missverstanden und verhöhnt. Oft konsultierten sie einen Arzt nach dem anderen, ohne dass jemand den Grund für ihre Beschwerden erkennt. Und am Ende werde ihnen oft attestiert, sie seien psychisch krank.
In den Augen der engagierten Patientenvertreterin gibt es sie, die guten Ärzte, die eine Borreliose erkennen, wenn eindeutige Symptome wie der rote Fleck um den Zeckenbiss längst abgeklungen sind. "Aber es sind viel zu wenige", sagt Fischer.
Zu den wenigen Ärzten, die auf Fischers Seite kämpfen, gehört Walter Berghoff, der sich in seiner Praxis in Rheinsberg und häufig auch vor Gericht für Borreliose-Patienten einsetzt. Die Ignozanz sei groß, klagt er, manche seiner Kollegen würden die Krankheit nicht einmal erkennen, wenn nach dem Zeckenbiss noch eindeutige Spuren zu sehen seien.
Wildwuchs bei der Behandlung
Und fast alle Ärzte wollten eine Borreliose nicht mehr wahrhaben, wenn sie chronisch geworden sei und die typischen Anzeichen fehlten. "Sie vernachlässigen schwerkranke Patienten", sagt Berghoff, der davon überzeugt ist, dass sich die Krankheit anders äußern kann, als es in den Lehrbüchern steht.
Doch die große Mehrheit der Ärzte kontert: Sie werfen Medizinern wie Berghoff vor, eine Borreliose-Hysterie anzufachen und Kranke, die gar nicht an den Folgen eines Zeckenbisses leiden, unbegründet mit Antibiotika vollzupumpen.
Bei der Behandlung der Krankheit sei ein "Wildwuchs" zu beobachten, resümierten die Teilnehmer des jüngsten Expertentreffens am Robert-Koch-Institut. Eine Borreliose sei im Allgemeinen gut zu behandeln, so die 19 Fachleute aus Klinik und Forschung. Chronische Fälle mit untypischen Symptomen seien möglich, aber sehr selten.
Doch genau diese Frage führt zu immer heftigerem Streit. In den USA wird bereits vom "Borreliose-Krieg" gesprochen. Dort hat die Auseinandersetzung krimihafte Züge angenommen. Experten trauen sich kaum noch, auch nur Verständnis für die Meinung der Gegenseite zu äußern.
"Wir müssen aufpassen, dass in Europa nicht das Gleiche passiert", sagt Markus Simon vom Max-Planck-Institut für Immunbiologie. Als Grundlagenforscher steht er zwischen den Fronten der niedergelassenen Ärzte, die Berghoffs Ansicht von der Borreliose teilen, und den skeptischen Spezialisten an Universitäten und Lehrkrankenhäusern.
Es fehlt vor allem an einem: an ergebnisoffenem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. "Die Borreliose-Forschung in Deutschland ist am Boden", sagt der Immunologe Reinhard Wallich von der Universität Heidelberg. Es gebe so gut wie keine Unterstützung dafür. "Weil die Krankheit keine Todesfälle verursacht, hat sie keine Brisanz, und die chronisch Kranken haben eben Pech gehabt."
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Demonstrationen in Hamburg
Ich selber, seinerzeit Hundehalter und dementsprechend oft in Feld und Flur unterwegs, hatte vor zwanzig Jahren eine nachgewiesene Borreliose, ... und vor der Diagnosestellung keine Krankheitseinsicht, obwohl die überwiegend neurologischen Symptome und ein Nacht für Nacht wiederkehrender, allerheftigster Amputationsschmerz am rechten Kniegelenk unübersehbar waren. Da ich in einer Klinik arbeitete, führten mich besorgte Kollegen einer "Zwangsblutentnahme" zu, die Diagnose war am selben Tag gestellt und endlose Titer-Verdünnungsreihen im Labor fanden erst Tage später ihr Ende. Nach überstandener Krankheit habe ich "Gestochenen" stets empfohlen, nicht in Panik zu geraten, sich den Tag jedoch deutlich im Kalender zu notieren, und wenn dann später Befindlichkeitsstörungen auftreten, sich unbedingt an diesen Tag zu erinnern.
Ach wirklich? Zecken gehören zu den Spinnen. Mit ihren Kieferklauen (Cheliceren) BEISSEN sie den Wirt zunächst und führen erst anschließend ihren "Stachel" (Hypostom) ein.
Steckmücken gehören zu den Insekten und haben ihren kompletten "Kauapparat" zu einem Stechrüssel umgebaut, so daß zum Beissen nichts mehr übrig bleibt...
Das grösste Problem ist jedoch, dass es keinen eindeutigen Test für die Borreliose gibt, die den Krankheitsverlauf wirklich genau beschreibt. Bei den biologisch verwandten Syphilliserregern ist es einfacher.
Des weiteren gibt es Menschen, die durch Borrelia nicht krank werden. Andere werden es. Nicht alle hatten Zeckenbisse.
Dann gibt es eine andere Art von Krankheitserregern: Selbsternannte Spezialisten für Borreliose, die dann alles und jeden mit Antibiotika behandeln. Mehrfache Behandlungen auch bei mehrfach positiven Tests mit negativem Behandlungsresultat werden igoriert und zum 7 oder 10 mal eine intravenöse Antibiotikumbehandlung völlig sinnlos durchgezogen.
Dann gibt es natürlich Patienten, die sich an die Borreliose als ihre Krankheitsverursacher klammern bis zu letzt. Es sind ja oft auch Patienten, die schon mehrfache Anticandidabehandlungen, Amalgambehandlungen usw mitgemacht haben. Sie sind leichte Opfer für die sogenannten Spezialisten, die dann die Patienten bis zum Exzess behandeln. Ob die Patientenvereinigungen da auch immer gute Dienste leisten mag ich bezweifeln.
Wichtig wäre Tests zu entwickeln die mit grosser Sicherheit eine Infektion nachweisen können, die verlässlich etwas zum Kranheitsverlauf sagen können. Und die den Abschluss der Erkrankung feststellen können. Das ist bislang nicht gelungen.
Zitat aus dem Artikel:"Der Gelsenkirchener Chefarzt Doberauer hat sich strittige Fälle genauer angesehen. Eingehend hat er mehr als 400 Patienten untersucht, die fest daran glaubten, unter den Spätfolgen eines Zeckenbisses zu leiden. Dabei zeigte sich: Nur jeder Dritte hatte tatsächlich eine unentdeckte Borreliose. "
Von 400 Patienten mit ungeklärten Symptomen "NUR" jeder Dritte???Das sind 133 Patienten, die wegen dieser heimtückischen Krankheit nicht behandelt werden! Wie würde man reagieren, daß es hinzunehmen sei, wenn bei 400 Patienten "nur" bei 133 eine Krebserkrankung nicht festgestellt wurde?
Aus meiner persönlichen Erfahrung mit deutschen Ärzten bei einer akuten Borrelioseerkrankung mit ALLEN einschlägigen, auch sichtbaren Hautsymptomen (z.B. "bull's eye"), ist, daß in DE bestenfalls mit der Stange im Nebel herumgestochert wird -von Nichterkennen bis hin zur Verharmlosung. Ich erinnere mich auch noch gut an den Erfahrungsbericht eines Redaktionsmitglieds der SZ, als sie nach einem Zeckenstich in München krank wurde und von Pontius zu Pilatius pilgerte...ohne viel Erfolg und betriebener Dringlichkeit der Behandlung seitens der Ärzteschaft.Liebe SZ, bevor sie einen solchen die Borreliose eher verharmlosenden Artikel veröffentlichen, fragen Sie doch Ihre Kollegin!
"Die Borreliose-Forschung in Deutschland ist am Boden"
Ja und? Sind wir etwa das einzige Land der ganzen Welt, das sich (nicht) mit diesem Thema auseinandersetzt? Zufällig kenne ich einige französische Wissenschaftler, die eben auf diesem Gebiet forschen. Schon mal was von Austausch gehört?
Paging