Von Angelika Jung-Hüttl, Markus Schulte von Drach und Jeanne Rubner

Das amerikanische Seuchen- Forschungszentrum in Atlanta, die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hat die lange Liste der Mikroorganismen, die als Waffen dienen können, in drei Kategorien A,B und C eingeteilt.

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"Kategorie A": Gefährlichste Mikroorganismen

Viren oder Bakterien, die leicht übertragbar sind, ein hohes Todesrisiko beinhalten und besondere Katastrophenschutzmaßnahmen erfordern.

Milzbrand (oder Anthrax ) wird durch das hoch ansteckende Bakterium Bacillus anthracis hervorgerufen.

Die Inkubationszeit (Zeitraum zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit) liegt zwischen einigen Stunden und sieben Tagen. Es treten - je nach Art der Ansteckung - Hautgeschwüre, Fieber, Übelkeit, Koliken, Schüttelfrost und Atemnot auf.

Es werden - je nach Übertragungsweg - drei Typen von Milzbrand unterschieden:

Hautmilzbrand: Die meisten Patienten (95 Prozent) infizieren sich über die Haut an Händen, Armen, Hals oder Gesicht. Die Ansteckung erfolgt bei Kontakt mit verseuchten tierischen Materialien. Die Sporen der Erreger dringen dabei über kleine Hautverletzungen ein.

Lungenmilzbrand: Die Betroffenen nehmen die Bakterien über sporenhaltigem Staub oder Aerosolen auf, die beispielsweise beim Schlachten auftreten können.

Darmmilzbrand: Die Bakterien-Sporen werden über den Mund aufgenommen, etwa über nicht ausreichend gekochtes Fleisch oder Organe infizierter Tiere.

Bei einer Infektion über die Haut sterben ohne Therapie bis zu 20 Prozent der Patienten. Wird jedoch mit Antibiotika behandelt, so besteht bei Hautmilzbrand eine gute Aussicht auf Heilung.

Das Einatmen von Anthrax-Bakterien endet dagegen innerhalb von drei bis fünf Tagen für jeden zweiten Infizierten tödlich.

Auch bei den seltenen Darmmilzbranderkrankungen versterben die Patienten trotz antibiotischer Therapie meist sehr schnell.

Es gibt einen Impfstoff, der zu etwa 90 Prozent wirksam ist. Er wurde den Soldaten im Golfkrieg gespritzt, weil die USA einen Anthrax-Angriff des Irak befürchteten. Milzbrand lässt sich häufig mit Antibiotika (Penicillin, Tetracyclin, Erythromycin, Chloramphenicol) heilen - wenn die Therapie früh genug beginnt.

Botulismus ist eine Nervenlähmung, die durch die Toxine des Bakteriums Clostridium botulinum hervorgerufen wird. Der Erreger wird meist durch kontaminiertes Essen übertragen. Symptome sind Sehstörungen und Muskelschwäche, die in etwa zehn Prozent der Fälle zum Tode führen. Wenn Botulismus früh genug erkannt wird, lässt er sich mit einem Antitoxin behandeln.

Pest entsteht durch das Bakterium Yersinia pestis, die über Flöhe von Nagern auf den Menschen übertragen werden. Die Krankheit, die in vier Varianten auftritt, lässt sich durch Antobiotika bekämpfen, aber nur, wenn sie im frühen Stadium erkannt wird. Vor allem die Lungenpest endet, wenn unbehandelt, tödlich.

Pocken, übertragen durch Pockenviren, gelten seit 1977 als ausgerottet, weswegen nicht mehr geimpft wird. Experten fürchten eine Epidemie, weil die Todesrate bei Menschen ohne Impfschutz 30 Prozent beträgt. Derzeit gibt es keine antiviralen Gegenmittel, eine Impfung innerhalb weniger Tage nach der Infektion kann allerdings die Symptome mildern.

Tularämie (Hasenpest) wird durch das Bakterium Francisella tularensis hervorgerufen, einen der ansteckendsten Erreger überhaupt. Schon die geringe Dosis von zehn Bakterien, über den Luftweg oder das Auge aufgenommen, gilt als ansteckend, weshalb die CDC-Experten das seltene Bakterium als bedrohliche Biowaffe einschätzen. Symptome sind Fieber und Lungenentzündung. Ein Impfstoff ist in der Entwicklung, die Krankheit kann mit verschiedenen Antibiotika behandelt werden.

Ebola und andere durch Viren hervorgerufene Hämorrhagische Infektionen wie Lassa- oder Marburg-Fieber werden gewöhnlich von Tieren auf Menschen übertragen. Ausbrüche sind in der Regel örtlich begrenzt. Symptome sind Fieber und Müdigkeit. Es gibt, abgesehen von der Substanz Ribavirin, die allerdings nur in Einzelfällen wirkt, keine Therapie.

"Kategorie B": Viren und Bakterien, die vergleichsweise leicht zu verbreiten, doch meistens nicht tödlich sind.

Coxiella burnetti ist der Erreger des Q-Fiebers, auch Balkanfieber oder Balkangrippe genannt. Die Ansteckung erfolgt durch Einatmen infektiöser Staubpartikel, aber auch durch Fleisch- oder Milchgenuss. Drei bis 30 Tage nach der Infizierung beginnt die Krankheit mit hohem Fieber, starken Kopf- und Muskelschmerzen. Die Krankheit kann mit Antibiotika behandelt werden. Es gibt auch eine Schutzimpfung.

Brucella - darunter fällt die Gruppe von Bakterien, welche Brucellose auslösen. Diese Infektionskrankheit - auch Maltafieber oder Bang-Krankheit genannt - löst Fieberschübe aus. Dagegen gibt es ein Schutzimpfung im Vorfeld. Ist die Krankheit ausgebrochen, läßt sich auch mit Antbiotika behandeln.

Burkholderia mallei löst Rotz aus, eine ansteckende Infektionskrankheit, die sich durch Knoten und Geschwürbildung auf den Schleimhäuten, der Haut und den inneren Organen äussert. Sie kommt unter Huftieren wie Pferden, Esel und Maultieren in Asien, Afrika und im Nahen Osten vor, ist aber auch über Verletzungen auf den Menschen übertragbar. Der Verlauf ist meist chronisch, selten auch akut und dann lebensgefährlich. Die Infektionsstelle entzüpndet sich und schmerzt, es bilden sich Geschwüre und Knoten. Einen Impfstoff gibt es nicht.

(Vollständige Liste bei den CDC abrufbar, vgl. Link unten).

"Kategorie C": Erreger, die massenhart hergestellt werden können und daher verfüglich sind.

Hantaviren und ihre Subtypen werden normalerweise über von nagetieren auf den Menschen übertragen - entweder durch einen Biss oder durch Staubpartikel aus deren Exkrementen, die in der Luft schweben. Die Symptome sind schweres Fieber mit Muskelschmerzen, Schleimhautblutungen und Lungenödem. Auch Krämpfe und Schockzustände treten auf. Solches sogenanntes hämorrhagisches Fieber kann unbehandelt tödlich verlaufen. Es gibt keine Impfung.

Gelbfieber-Viren verursachen ähnliche Symptome wie die Hantaviren.Auch hier gibt es keine spezielle Therapie. Die Maßnahmen erfolgen je nach Symptomen. Sie reichen von einer verstärkten Zufuhr von Flüssigkeit bis hin zum Ersatz von Gerinnungsfaktoren im Blut.

(Vollständige Liste bei CDC abrufbar, vgl. Link unten).

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