Biorhythmus Lebend auf der Gemüsetheke

Frisch soll Grünzeug sein, wenn wir es essen wollen. Aber lebendig? US-Forscher berichten, dass Salat und Zucchini selbst im Supermarktregal noch einen Tag-Nacht-Rhythmus zeigen.

Von Katrin Blawat

Bislang hatten Salatesser den Steakliebhabern voraus, dass sie sich keine Gedanken darüber machen mussten, wann und wie ein Lebewesen zu einem Mittagessen wurde.

Was aber wird aus diesem Vorteil, wenn auch Salat und ähnliches Grünzeug im Supermarktregal noch leben sollten? So nämlich lassen sich die Ergebnisse von Danielle Goodspeed und ihren Kollegen interpretieren (Current Biology, online).

Die Forscher um die Biochemikerin von der Rice University in Houston stellten fest, dass Kohl, Spinat, Salat, Zucchini und Karotten selbst dann noch einen Tag-Nacht-Rhythmus zeigen, wenn sie längst im Laden liegen.

Raupe einer Aschgrauen Höckereule (Trichoplusia ni) auf Spinat und Karotten

(Foto: Se Kim/Rice University)

Das Grünzeug reagiert auf Lichtsignale. Abhängig von diesen produziert es unterschiedliche Mengen von Substanzen, die wichtig sind für die Abwehrkraft gegen hungrige Raupen.

Die Forscher setzten geernteten Salat und verschiedene Gemüse einem Rhythmus aus, bei dem sich Helligkeit und Dunkelheit alle zwölf Stunden abwechselten.

Einen ähnlichen Rhythmus halten auch Raupen ein, die sich von dem Gemüse ernähren. Stimmten die Tag-Phasen von Salat und Tieren überein, erlitten die Pflanzen weniger Fraßschaden. Dies erklären die Forscher damit, dass Salat und Gemüse tagsüber raupenabwehrende Stoffe bilden. Befanden sich die Pflanzen hingegen in der Nacht-Phase, konnten sie sich deutlich schlechter gegen ihre Schädlinge wehren. Die Raupen legten dann mehr an Gewicht zu, weil sie ungehindert vom Salat fressen konnten.

Etwa eine Woche lang könnten die Pflanzen ihren Rhythmus wohl nach der Ernte noch aufrechterhalten, vermuten die Forscher.