Biophysik Wie Schaben verschwinden

Wer versucht, eine Küchenschabe oder einen Gecko zu fangen, traut häufig seinen Augen nicht: Die Tiere scheinen an Kanten oder Blatträndern einfach zu verschwinden. US-Forscher haben den Trick nun aufgedeckt - und ihn einem Roboter beigebracht.

Küchenschaben und Geckos haben einen besonderen Trick, um Räubern oder anderen Gefahren zu entkommen: Sie rennen blitzschnell los und verschwinden an einer Kante. Wer etwa auf dem Küchentisch eine Schabe aufgeschreckt hat und mit den Augen verfolgt, sucht sie nach einem Sprung über die Tischkante jedoch vergeblich auf dem Boden.

Biophysik Der Trick der Küchenschabe

Flüchtende Schaben und Geckos scheinen an Kanten oder Blatträndern spurlos zu verschwinden. US-Wissenschaftler imitieren ihren Trick nun mit einem Roboter.

(Video: PolyPEDAL Lab, UC Berkeley, Foto: PolyPEDAL Lab, UC Berkeley)

Das Insekt ist nämlich gar nicht gesprungen, sondern hängt nun unter der Tischplatte, wie Wissenschaftler der University of California in Berkeley berichten.

Gerade weil sie so flink sind - sie schaffen in einer Sekunde eine Strecke, die zwölf bis 15 Körperlängen entspricht - geht unser Blick an der Tischkante ins Leere, während die Tiere längst im Verborgenen die Richtung gewechselt haben.

Den Forschern um Jean-Michel Mongeau ist es nun gelungen, Amerikanische Großschaben (Periplaneta americana) und Hausgeckos (Hemidactylus platyurus) bei ihrem Verschwinden mit Hochgeschwindigkeitskameras zu filmen. Die Aufnahmen ermöglichen es, das Verhalten in einer bis um das Fünfzigfache verlangsamten Geschwindigkeit zu verfolgen.

Die Bilder zeigen, dass sowohl die Insekten als auch die Echsen an Kanten nicht etwa abbremsen. Vielmehr laufen sie darüber hinaus, fixieren im letzten Augenblick ihre mit Häkchen versehenen Hinterbeine an der Kante und nutzen dann die Schwerkraft, um kopfüber und mit einer Geschwindigkeit von mehr als einem Meter pro Sekunde in Sicherheit zu schwingen. In Südostasien gelang es den Wissenschaftlern sogar, Geckos bei diesem Trick im Freiland aufzunehmen.

Wie Mongeau und sein Team im Fachmagazin PLoS one berichten, konnten Ingenieure der Universität mit Hilfe der Filme einen kleinen sechsfüßigen Roboter entwickeln, der den Pendeltrick imitiert. Anstatt der Häkchen sind die Füße der Maschine mit einer Art Klettverschluss ausgestattet.

Die Wissenschaftler betrachten ihr Gerät als einen ersten Schritt, um kleine, extrem mobile Roboter zu konzipieren, die in Zukunft zum Beispiel Such- und Rettungseinsätze nach Katastrophen unterstützen sollen.