Biologie Was nun, Schildkröte?

In Serbien haben Biologen Hunderte von Schildkröten auf den Rücken gedreht und ihr Strampeln protokolliert. Welche Tiere schaffen es, sich wieder aufzurichten, wer bleibt liegen? Darüber entscheidet ein anatomischer Faktor.

Von Christopher Schrader

Fällt eine Schildkröte auf den Rücken, ist ihr Leben in Gefahr. Mit den Füßen in der Luft ist sie Feinden schutzlos ausgeliefert. Die größten Exemplare tun sich mit dem Aufrichten am schwersten, zeigen Studien serbischer Forscher. In eine solche Zwangslage geraten die Reptilien nicht nur, wenn sich Kinder einen Streich erlauben. Griechische Landschildkröten, die auf dem Balkan und in Italien leben und 20 Zentimeter groß werden, landen auch beim ungeschickten Klettern im steinigen Gelände auf dem Rücken, nach Kämpfen mit Rivalen - oder wenn Ana Golubović kommt.

Die Biologin von der Universität Belgrad hat mit ihrem Team Hunderte Schildkröten auf den Rücken gedreht, um deren Strategien beim Aufrichten zu studieren. "Normalerweise versuchen die Tiere, sich an einem Stück Pflanze oder einem Stein festzuhalten und zu drehen", erzählt sie. "Bei unseren Versuchen lagen sie aber auf einem flachen Stück Erde. Da mussten sie heftig mit allen Extremitäten rudern und hin- und herschaukeln, bis die Krallen Halt in der Erde fanden." Von knapp 500 Tieren schafften das 58 Prozent der Weibchen und 75 Prozent der Männchen innerhalb von zehn Minuten; dann erbarmten sich die Forscher. Erfolgreiche Reptilien benötigten im Mittel gut drei Minuten.

"Heftig mit allen Extremitäten rudern" - für Griechische Landschildkröten ist es eine artistische Herausforderung, aus der Rückenlage herauszukommen.

(Foto: Ana Golubović, Uni Belgrad)

Für eine weitere Studie hat Golubović nun 118 besonders aktive Schildkröten untersucht (Zoologischer Anzeiger, online). Das Team interessierte sich dafür, welche Rolle Größe und Form der Schildkröte spielten. Dabei zeigte sich, dass ein stärker gewölbter Panzer den Tieren beim Aufrichten half, aber große Schildkröten eher Probleme hatten, wieder auf die Füße zu kommen. Das trifft besonders die Weibchen, die bei griechischen Landschildkröten größer sind als Männchen. Trotzdem lohnt sich Wachstum, weil große Weibchen mehr Bruterfolg haben. Für Männchen ist die Sache komplizierter. Kleinere Tiere sind mobiler und können eher eine Partnerin zur Paarung aufspüren. Aber größere setzen sich im Kampf mit Rivalen eher durch - eine Strategie ist dabei, den anderen auf den Rücken zu werfen. Zudem haben größere Männchen bei der Kopulation einen festeren Stand, besonders wenn sie etwas nach außen gestellte Hornplatten an den Hinterbeinen haben. Diese behindern die Tiere aber beim Aufrichten, zeigen Golubovićs Ergebnisse.