Nach einer Expertise des Instituts für Raumfahrttechnik der TU München, ist es bereits jetzt technisch möglich, Mini-Sender zu konstruieren, die auch Satelliten in 450 Kilometer Höhe über längere Zeit anfunken können - bisher allerdings nur in kostspieliger Handarbeit. Aber auch die Massenfertigung sollte möglich sein. Eine entscheidende Frage sei aber noch, ob die Sender den Wellensalat durchdringen können, der von Funkern aller Art angerichtet wird? Eine Cessna wird nun dieser Frage in zwei Kilometer Höhe nachgehen; sie soll den Großraum München überfliegen und ergründen, was von den Positionsmeldungen der neuen Mini-Sender noch oben ankommt. Die Hochschule der Bundeswehr hat bereits ihre Bereitschaft erklärt, sich an einer Machbarkeitsstudie zu beteiligen.

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Damit unterdessen niemand auf die Idee kommt, dass es bei der tiergestützten Fernerkundung um weltfremde Grundlagenforschung geht, erzählt Wikelski gerne Geschichten wie diese: Eigentlich wollte er im Juni 2008 im Dschungel von Venezuela nur einen neuen "Black Box"-Flugschreiber mit Minisender ausprobieren. Sein Forschungsteam hatte sich zu einer Karsthöhle vorgekämpft, wo sogenannte Fettschwalme zu Zigtausenden den Tag verschlafen und in riesigen Wolken zu Beginn der kurzen tropischen Dämmerung in die umliegenden Wälder ausschwärmen, um Früchte zu suchen.

Die Forscher klebten drei Vögeln die kleinen Hightech-Sender ins Gefieder. Doch zu ihrem Erstaunen kehrte keiner von ihnen am nächsten Morgen mit der heimkehrenden Vogelwolke zurück. Sollten ausgerechnet die drei besenderten Vögel verunglückt sein? Erst nach 74 Stunden tauchten die drei Schwalme wieder in der Schlafhöhle auf. Mit einem speziellen Gerät konnten die Wissenschaftler die gespeicherten GPS-Daten der Heimkehrer auslesen.

Das Ergebnis: Die Schwalme hatten jeweils zwei Tage und Nächte im Freien verbracht - nahrungssuchend im Dunkeln, den Tag in Baumkronen schlafend -, ehe sie wieder in ihre Heimathöhle zurückkehrten, warum, weiß man noch nicht genau. Eine Schlussfolgerung war jedenfalls klar: In der Höhle herrscht Schichtbetrieb. Jeweils nur ein Drittel der Gesamtpopulation ist anwesend, während die Mehrzahl draußen schläft oder in den Wäldern unterwegs ist.

Das war eine entscheidende Einsicht. "Bisher hatte man," so Wikelski, "die Fettschwalme kaum als Verbreiter von Pflanzensamen auf der Rechnung." Man nahm an, dass sie die verdauten Kerne hauptsächlich am bekannten Ruheplatz, also in der Großhöhle, ausscheiden und ausspucken. Neuer Wissensstand dank der fernablesbaren Mini-Flugschreiber: Die Vögel sind bedeutende Freilandgärtner im Dienste botanischer Artenvielfalt. "Regenwaldschutz muss auch Schwalm-Schutz sein", sagen daher die Forscher.

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  1. Funksignale vom Falter
  2. Bald soll die ganze Tierwelt zirpen
  3. Sie lesen jetzt Überraschung in der Vogelhöhle
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(SZ vom 01.07.2009)