So absurd diese Fortpflanzungskette erscheinen mag, so zeigt sie doch, warum Parasiten so erfolgreich sind. Zum einen haben zumindest einige von ihnen tatsächlich die höchst bemerkenswerte Fähigkeit, das Verhalten ihrer Wirte gegen deren Willen gezielt zu verändern, um sich selbst möglichst effektiv auszubreiten. Außer dem Kleinen Leberegel manipuliert beispielsweise auch der Toxoplasma gondii das Verhalten seiner Wirte, in diesem Fall Ratten und Mäuse.
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Zum anderen bietet der Leberegel ein anschauliches Beispiel dafür, wie sehr sich Parasiten selbst an Gegebenheiten anpassen können, zum Beispiel an die am Ort vorhandenen Tiere. Die Wandlungsfähigkeit von Parasiten ist so eminent, dass sie sogar als eine der entscheidenden Triebfedern für die Evolution angesehen wird. (Rachel Nowak: Life's greatest inventions, New Scientist, 9.4.2005).
Großer Biomasse-Anteil
So gibt es einer evolutionsbiologischen Theorie zufolge nur deshalb zwei Geschlechter, weil Menschen und Tiere allein mit Hilfe ständiger Durchmischung und der Schaffung neuer Immunsysteme den anpassungsfähigen Parasiten - hier vor allem Viren und Bakterien - etwas entgegensetzen können.
Die große Durchsetzungskraft der parasitierenden Lebensformen zeigt sich aber auch an ihrer schieren Zahl: So kommen nach Schätzungen von Forschern auf jede Art von Wirtsorganismus vier Arten, die sich als Schmarotzer ihr Überleben sichern (Matthias Gräbner: Jede Menge Parasiten, Telepolis, 24.7.2008).
Wie ein internationales Forscherteam kürzlich herausfand, spielen Parasiten zudem im Ökosystem offenbar eine größere Rolle als bislang vermutet: Bei Untersuchungen an mehreren Flussmündungen bildeten die kleinen Lebensformen einen größeren Anteil an der Biomasse - also der Gesamheit der Masse an organischem Material - als zuvor angenommen.
Besonders hervor stachen demnach die Saugwürmer, zu denen auch der Kleine Leberegel gehört: Ihre Biomasse lag gleichauf mit der der Fische. (Nature 454, 515 - 518 (24.7.2008), doi: 10.1038/nature06970 / Matthias Gräbner: Jede Menge Parasiten, Telepolis, 24.7.2008).
Und noch etwas spricht für die große Gewieftheit des Kleinen Leberegels: Die Parasiten sollen überall vorkommen, wo ihre Wirtstiere Schnecke, Ameise und Schaf bzw. Rind zusammenleben. Bei Untersuchungen in der Schweiz und in Bayern zeigte sich zudem, dass mehr als die Hälfte der überprüften Rinderherden infiziert war (Beate Willms: Der schmarotzende Gehirnwäscher, taz, 3.9.2007).
Parasiten mögen also vielfach Grausen und Widerwillen hervorrufen, bei näherer Betrachtung gesellt sich vielleicht auch ein bisschen Respekt dazu - oder zumindest Staunen.
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(sueddeutsche.de/tob)
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Was man vielleicht noch hinzufügen sollte, ist, daß der Parasit ja zumindest bei seinem Endwirt wenig davon hat, wenn es dem schlecht geht. Damit besteht eine gute Chance, daß die Evolution zu Parasiten führt, die dem Wirt so gut angepaßt sind, daß sie ihm nutzen statt zu schaden. Die Geburt einer neuen Symbiose und alle haben sich lieb!
Ein großes Lob an den Autor. Dieser Artikel ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch bildend. Mir hat es gefallen!
Gehirnmanipulierte Ameisen. Das sind doch mal Informationen. :-)
Ich fand´s interessant.