Von Tanjev Schultz

Kinder erinnern sich am Ende eines Schultages vor allem an die Abläufe, weniger an das Gelernte. Diese "Jobmentalität" beunruhigt Forscher.

Eltern und Lehrer fragen sich oft, was die Schüler vom Unterricht eigentlich behalten. Tests prüfen ja nur Ausschnitte ab und geben die Schulwirklichkeit sehr unvollständig wieder. Viele Eltern wären schon froh, wenn ihre Kinder ihnen überhaupt irgendetwas aus der Schule erzählen würden. Maria Fölling-Albers, Professorin für Grundschulpädagogik in Regensburg, und ihre Mitarbeiterin Katja Meidenbauer haben sich die Mühe gemacht, 30 Schüler der dritten und vierten Klasse zu drei Zeitpunkten jeweils eine Woche lang zu ihrer Wahrnehmung des Unterrichts zu befragen (insgesamt 420 Interviews).

Schule, dpa

Im Rückblick erzählen Kinder wenig vom Inhalt der Unterrichtsstunden. (© Foto: dpa)

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Ihre Studie "Was erinnern Schüler/innen vom Unterricht?", die demnächst in der Zeitschrift für Pädagogik erscheint, kommt zum Ergebnis: Formale Aspekte - der Ablauf des Unterrichts, Hefteinträge, Arbeitsaufträge - dominieren. Vor allem die leistungsschwächeren Schüler rekonstruieren den Unterricht als Serie formaler Ereignisse und Oberflächenmerkmale; "bei diesen Kindern konnte man oftmals nicht erkennen, ob sie verstanden hatten, was der Zweck des Unterrichts war".

Die befragten Kinder erlebten die Schule zwar überwiegend positiv; meist sagten sie, es wäre schade gewesen, wenn sie einen Schultag verpasst hätten. Vor allem Mädchen berichteten, der Unterricht habe ihnen "Spaß gemacht". Aber es gab auch immer wieder Antworten, die eher die funktionalen Aspekte der Schule betonten: Die Schüler hatten die Sorge, bei Tests schlechter abzuschneiden oder die Aufgaben später nachholen zu müssen, wenn sie im Unterricht fehlen würden.

Die Forscherinnen interpretieren ihre Befunde so, dass der Schulbesuch bereits für Dritt- und Viertklässler eine Routine ist, die in hohem Maße unter formalen Gesichtspunkten betrachtet wird. Grundschüler würden ihre Aufgaben für den Unterricht als "Schülerjob" empfinden, sie kennen und akzeptieren die Erwartungen des Schulalltags. Das hilft zwar, einen möglichst reibungslosen Unterrichtsablauf sicherzustellen. Doch zugleich erkennen die Autorinnen in der "Jobmentalität" der Kinder eine Distanz zur Schule, die vor allem bei den leistungsschwächeren Schülern bedrohlich werden könnte.

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(SZ vom 14.04.2009/beu)