Von Markus C. Schulte von Drach

Das Erbgut hat offenbar Einfluss darauf, wie fähig Männer sind, feste Beziehungen einzugehen. Das berichten schwedische Forscher.

"Es liegt an meinen Genen." Wäre das nicht eine schöne Ausrede für alle Männer, die ständig ihre Partnerinnen wechseln? Eine Studie des Karolinska-Instituts in Stockholm deutet nun darauf hin, dass das Erbgut für die Beziehungsfähigkeit tatsächlich eine gewisse Rolle spielen könnte.

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Träger des 334-Allels heiraten offenbar nicht so gern. (© Foto: dpa)

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Die schwedischen Forscher hatten Aussagen von 552 Zwillingspaaren und ihren Partnern zu ihrer Beziehung ausgewertet. Insgesamt wurden die Daten von 2186 Personen analysiert, die seit mindestens fünf Jahren in festen Händen waren.

Darüber hinaus hatten die Wissenschaftler bei 1899 Versuchspersonen untersucht, welche Varianten des sogenannten AVPRA1-Gens sie besaßen. Dieses Gen ist für einen Rezeptor für den Hirnbotenstoff Arginin-Vasopressin (AVP) verantwortlich.

AVP spielt bei bestimmten Wühlmausarten eine wichtige Rolle für die Ausbildung monogamer Beziehungen. Seit einiger Zeit wird spekuliert, dass Vasopressin auch für soziale Bindungen zwischen Menschen wichtig sein könnte.

Hasse Walum, Paul Lichtenstein und ihr Team wollten nun wissen, ob verschiedene Variationen des Gens sich tatsächlich auf das menschliche Verhalten auswirken.

Tatsächlich, so berichten sie jetzt im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences, zeigten Männer, die das sogenannte 334-Allel des Gens trugen, in einem Standardtest zur Beziehungs- und Bindungsfähigkeit signifikant schlechtere Werte als ihre Geschlechtsgenossen.

Und 34 Prozent derjenigen Männer, die zwei 334-Allele besaßen, hatten im vergangenen Jahr sogar eine Ehekrise erlebt. Bei jenen, die nur eine oder gar keine Kopie dieser Variante trugen, waren es nur 16 beziehungsweise 15 Prozent.

Auch die Aussagen der Partnerinnen deuteten auf einen Einfluss des Gens hin. Von ihnen waren jene am häufigsten unzufrieden, die in einer Beziehung mit Trägern der Variante in doppelter Ausführung lebten.

Überhaupt waren deutlich mehr männliche Träger von zwei Kopien des 334-Allels unverheiratet als jene, die eine oder keine Kopie dieser Variante besaßen.

Für Frauen konnten die Wissenschaftler keine Hinweise auf eine besondere Rolle des Gens finden.

Vorhersagen lässt sich anhand der Varianten des AVPRA1-Gens jedoch nicht, welches Bindungsverhalten ein bestimmter Mann zeigen wird, warnen die Wissenschaftler.

Der von den Forschern beobachtete Einfluss des Gens auf das Verhalten deutet ihrer Einschätzung zufolge lediglich darauf hin, dass es nicht nur für das Bindungsverhalten bei Wühlmäusen wichtig ist, sondern wahrscheinlich auch für Menschen eine Bedeutung hat.

Außerdem würden ihre Ergebnisse auch zu einer kürzlich veröffentlichten Studie passen, die gezeigt hat, dass das 334-Allel mit einer erhöhten Aktivität der Amygdala zusammenhängt. Diese Hirnregion soll eine wichtige Rolle bei der Paarbindung spielen.

Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass auch Autismus, eine Krankheit, die durch ein gestörtes Sozialverhalten charakterisiert ist, mit bestimmten Varianten des AVPRA1-Gens zusammenhängt.

Die schwedische Studie belegt also einmal mehr, dass unsere Gene unser Verhalten beeinflussen. Sie zeigt aber auch, dass eine bestimmte Variante allein uns noch nicht dazu verdammt, uns auf eine ganz bestimmte Weise aufzuführen. Schließlich hatten zwar etwa ein Drittel der Träger von zwei 334-Allelen im vergangenen Jahr eine Ehekrise erlebt. Das heißt aber auch, dass zwei Drittel davon verschont geblieben waren.

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(sueddeutsche.de/pak)