sueddeutsche.de: Wenn wir akzeptieren, dass es keinen freien Willen gibt, wie reagieren wir dann auf Verbrechen? Wir können dann keinem Täter mehr eine Schuld zuweisen.
Hinter Gittern. "Es macht keinen Sinn, Mörder einfach nur für viele Jahre ins Gefängnis zu stecken." (© Foto: iStock)
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Wuketits: Stellen wir uns einen Mann vor, der eine Frau vergewaltigt und tötet und dann sagt: "Tut mir Leid, ich konnte nicht anders, weil ich keinen freien Willen habe. Meine Hormone, Gene, Neurone haben mich dazu gezwungen". Dann könnten wir antworten: "Das sehen wir schon ein. Aber Sie müssen zur Kenntnis nehmen, dass andere Menschen nicht vergewaltigt und getötet werden wollen. Deshalb müssen wir Sie aus dem Verkehr ziehen."
Dieses ganze archaische Konzept von Schuld und Sühne brauchen wir nicht zu bemühen. Wenn jemand dazu neigt, andere physisch oder psychisch zu schädigen, dann hat die Gesellschaft das Recht, ihn daran zu hindern. Was das im Einzelnen bedeutet, muss man diskutieren. Ich denke aber, dass das klassische Schema der Bestrafung, der Rache obsolet geworden ist.
sueddeutsche.de: Glauben Sie an das Konzept der Resozialisierung?
Wuketits: Es macht jedenfalls keinen Sinn, Mörder einfach nur für viele Jahre ins Gefängnis zu stecken und sie dann wieder laufen zu lassen. Und denken Sie mal an einen Jugendlichen, der einen Einbruch begangen hat. Es ist ihm und der Gesellschaft wenig geholfen, wenn er einfach nur ein paar Jahre in den Knast kommt.
Ich wäre da eher für ein Konzept der Wiedergutmachung. Vielleicht kann man so einem Menschen auch verständlich machen, dass andere genauso wenig Opfer eines Verbrechens werden wollen wie er selbst.
sueddeutsche.de: Aber Politiker rufen regelmäßig nach härteren Strafen, auch für Jugendliche.
Wuketits: Ich glaube, dass unsere Gesellschaft noch nicht soweit ist, ernsthaft die hochkomplexen, subtilen, biopsychologischen Mechanismen zu berücksichtigen, die einen Menschen zu einem Verbrechen führen. Es ist einfacher zu sagen: Er hat dieses Verbrechen verübt, also muss jene Strafe folgen gemäß irgendeinem Paragrafen.
Weiter zum nächsten Teil: "Das Mörder-Gehirn funktioniert anders"
Mubarak-Prozess in Ägypten
Noch muß der Mensch für seine Taten gerade stehen.
So ist das nun mal.
Wer für seine Taten was kann, oder ob er triebgesteuert ist, sei dahingestellt. Wahrscheinlich ist der Mensch irgendwie gepolt,bedingt zurechnungsfähig.
Zitat aus dm Arikel:
Ich glaube, dass unsere Gesellschaft noch nicht soweit ist, ernsthaft die hochkomplexen, subtilen, biopsychologischen Mechanismen zu berücksichtigen, die einen Menschen zu einem Verbrechen führen.
So ist es. Das wird der Mensch auch in absehbarer Zeit nicht sein.
Dennoch kann man Verbrecher ,Gewalttäter nicht frei in der Gesellschaft herumlaufen lassen, egal wieso sie dazu gekommen sind, egal warum sie Gewalttaten begehen.
Fakt ist, sie begehen sie.
Fakt ist, die Allgemeinheit muß vor diesen Leuten geschützt werden.
Fakt ist , es gibt nun mal Menschen mit verschiedenen Prägungen, warum das so ist ,
ist eine andere Frage. Solange wir das nicht wissen, müssen wir sie eben nach den jetzigen Möglichkeiten behandeln. Das heißt im Klartext, sie in Sicherungsverwahrung oder ähnliches zu geben. Es kann nicht sein, dass falsch verstandenes Mitleid dazu führt, dass die Masse der Menschen nicht ruhig und in Sicherheit leben kann.
Wer unberechenbar ist , muß eben in Entsprechende Sicherheitseinrichtungen gebracht werden.
Noch gibt es keine Therapie. Die jetzigen Therapeuten schaffen es nicht, die Kenntnisse darüber eichen nicht aus.
Ich persönlich glaube nicht, dass man Gewalttäter therapieren kann. das scheint angelegt zu sein, vor allem Sexuelle Gewalttäter.
Sie werden gesteuert, sie sind nicht Herr ihrer Triebe.
Vielleicht in 100 Jahren.
"Schade, dieser Artikel zeigt nur, dass ein Wissenschaftler durch seine neuronale Geltungssucht sich auf einem fachfremden Gebiet auslassen wollte."
und dieser kommentar zeigt leider, dass der autor das, was er kritisiert, auch nicht versteht.
"Der Mensch ist zu komplexem Denken fähig und kann zukünftige Ereignisse im voraus planen und so bestimmte Situation selbst gestalten, er wird somit nicht wie im Artikel behauptet ständig von der Situation bestimmt. "
wo steht, dass ein mechanistisches weltbild nicht komplex sein kann?
wieso bedeutet komplexes denken = freiheit des willens?
der mensch plant zukünftige handlungen aus der gegenwärtigen situation und mittels parametern, deren zukünftigen werte er einzuschätzen versucht.
von freiheit keine spur...
Ich werde gerade gezwungen, diesen Kommentar zu schreiben. Meine Neuronen sagen mir, ich habe nicht die genetischen Voraussetzungen, um hormonell adäquat auf diesen Artikel antworten zu können, aber die motorische Kontrolle meiner Finger schreiben unbewusst Buchstabenfolgen, die sie als Leser meinen, als sinnhafte Wortkombinationen wahrnehmen zu wollen oder auch nicht.
Wie soll ich auch einen freien Willen entwickeln können, wenn es evolutionsbiologisch nicht nötig ist, sondern ich ständig nur meinen Instinkten und Triebe nachgebe?
Der Biologe sieht nur das Tier im Menschen, er sollte daher sich nicht zu sozialen oder kulturellen Belangen äußern, er versteht davon einfach nichts. Die Musik, die Kunst, Ethik und Religion sind entstanden, weil wir mehr als pure instinktgetriebene Wesen sind. Der freie Wille mag durch zahlreiche Faktoren eingeschränkt sein, aber das ist kein Beweis, das er nicht vorhanden ist. Der Mensch ist zu komplexem Denken fähig und kann zukünftige Ereignisse im voraus planen und so bestimmte Situation selbst gestalten, er wird somit nicht wie im Artikel behauptet ständig von der Situation bestimmt.
Schade, dieser Artikel zeigt nur, dass ein Wissenschaftler durch seine neuronale Geltungssucht sich auf einem fachfremden Gebiet auslassen wollte.
Das Kollektivum (hier definiert als ein Sammelsurium von emotionalen und rationalen Informationen, die auf ein Individuum im Verlauf seiner "Entwicklung" einströmen) steuert irgendwie doch. Daher könnte vom Schalten und Walten eines wirklichen f r e i e n Willens (und dieser müsste individuell frei sein) n i c h t ausgegangen werden.
Im Strafrecht (im deutschen) geht es nicht mehr so sehr um Schuldfragen in der Definition religiöser Vorstellungen. Aber selbst im Religiösen heisst es "Richtet nicht, auf dass Ihr nicht gerichtet werdet!".
Richten kann nur, wer im Besitze vollständiger Informationen. Das kann jedoch kein Mensch sein.
Unsere Strafgesetze und Gerichte basieren auf der Notwendigkeit von Abwehr und vielleicht auch von Therapie. Die Therapie ist in einer Umwelt voller Abwegigkeiten in Frage zu ziehen.
Es nützt nichts, einen potentiellen oder therapierten Täter (sollte bei eine Therapie wirklich gelungen sein) in die Freiheit der Amoral und Dekadenz zu entlassen. Denn dort wird er in der Regel wieder infiziert bzw. angesteckt.
Die Gesellschaft muss sich die Frage gefallen lassen, die das ist: wie hält sie es mit den Informationen, wie hält sie diese im Griff, wie hält sie es mit der sog. Freiheit der Medien. Dürfen diese alles in der öffentlichkeit ausbreiten, auch sämtliche Dekadenzen, auch tiefste Ungrundgesetzlichkeiten, tiefste Niederungen eines menschlichen Ichs und / oder einer menschlichen Gruppe (etwa Folteranstalten).
Darf ein Staat sich derart hinreissen lassen, dass er selbst schwerstes Unrecht begeht (hier Anspielung auf die Methoden der derzeitigen US-Regierung)?
Ist das echte Freiheit? Oder ist das eine, die uns in schlimmste Unfreiheit, ja Knechtschaft treibt? Unsere eigene Republik heute schwerst gefährdet!
richard kendel 8 1 5 4 5 Mü.
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