Bericht des UN-Klimarates Alarmierendes Bild vom Zustand der Erde

In ihrem Abschlussbericht wollen die Experten der UN die Mitverantwortung der Menschheit an der Erderwärmung unmissverständlich darlegen.

Von Patrick Illinger

500 Wissenschaftler des UN-Weltklimarats werden am kommenden Freitag zum viertem Mal seit 1990 den aktuellen Stand der Klimaforschung vorstellen.

Derzeit ringen die Wissenschaftler des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) in Paris noch mit Regierungsvertretern aus mehr als 100 Staaten um die endgültigen Formulierungen des Abschlussberichts.

Dabei zeichnet sich ab, dass die Experten ein alarmierendes Bild vom Zustand der Erde zeichnen wollen.

Die in Paris derzeit verhandelte Schlussfassung des wissenschaftlichen Teils liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Sie ist deutlich schärfer formuliert als die ersten drei Berichte des IPCC aus den Jahren 1990, 1995 und 2001.

Die zur Stunde in Paris noch diskutierte Fasung enthält sogar drastischere Aussagen als eine Vorgängerversion desselben Berichts aus dem vergangenen Jahr.

Auch Äußerungen beteiligter Klimaforscher am Rande der Verhandlungen in Paris lassen darauf schließen, dass der Klimarat die Mitverantwortung der Menschheit an der globalen Erwärmung unmissverständlich darlegen will.

Der Präsident des IPCC, Rajendra Pachauri sagte, er hoffe, der Bericht werde die Menschen schockieren und Regierungen zum Handeln anregen.

Der Anstieg der Treibhausgase in der Erdatmosphäre seit dem Jahr 1750 sei vor allem auf den Verbrauch fossiler Brennstoffe, die moderne Landwirtschaft und Eingriffe in die natürlichen Böden zurückzuführen, schreiben die IPCC-Wissenschaftler.

"Die Erwärmung im Klimasystem ist eindeutig"

Die erhöhten Kohlendioxidmengen in der Atmosphäre haben dem Bericht zufolge einen fünfmal so großen Einfluss auf die Erderwärmung wie die Schwankungen der Sonneneinstrahlung.

"Die Erwärmung im Klimasystem ist eindeutig", heißt es in dem Bericht. Das lasse sich anhand der globalen Luft- und Ozeantemperaturen, den weltweit abschmelzenden Eis- und Schneedecken, sowie des Anstiegs der Meeresspiegel feststellen, lautet eine zentrale Aussage in der aktuellen Fassung des Berichts.

Durch die Verbrennung fossiler Energieträger wurden in den 1990er-Jahren jährlich rund 6,4 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen.

Dieser Wert ist seit der Jahrtausendwende auf 7,2 Milliarden Tonnen pro Jahr gestiegen.

Hinzu kommt, dass die Vernichtung von Wäldern und anderen Landflächen die natürliche Umwandlung von Kohlendioxid in Sauerstoff verringert. Seit 1995 habe sich der CO2-bedingte Treibhauseffekt in der Erdatmosphäre um 20 Prozent verstärkt, so der Bericht.

Folgende weitere Fakten aus der Klimaforschung haben die IPCC-Wissenschaftler zusammengetragen:

Seit in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Aufzeichnung von Wetterdaten begonnen wurde, sind elf der zwölf wärmsten Jahre in den Zeitraum von 1994 bis 2005 gefallen. In den vergangenen 50 Jahren stieg die durchschnittliche Temperatur der Erdatmosphäre um 0,13 Grad pro Dekade.

Das ist deutlich mehr als noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, was darauf schließen lässt, dass sich die Erde beschleunigt aufheizt.

Messungen mit Satelliten und Ballons haben zudem festgestellt, dass die Erwärmung auch die höheren Schichten der Atmosphäre betrifft, eine Frage, die im dritten IPCC-Bericht im Jahr 2001 ungeklärt geblieben war.

Weil wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann, ist die Atmosphäre insgesamt feuchter geworden. Noch in mindestens 3000 Meter Tiefe ist die Erwärmung auch in den Ozeanen messbar.

Das Abschmelzen von Gletschern und Polareis ließ den Meeresspiegel um die Jahrtausendwende herum um 0,77 Millimeter pro Jahr anwachsen. Diese Rate dürfte in den kommenden Jahren noch steigen.

Weil erwärmtes Wasser sich ausdehnt und das die Meere der Welt zusätzlich anschwellen lässt, steigen die Meeresspiegel derzeit insgesamt um rund 3,1 Millimeter pro Jahr.

Besonders von der Erwärmung betroffen ist die Arktis. Dort sind die Durchschnittstemperaturen in den vergangenen 100 Jahren doppelt so schnell gestiegen wie im Rest der Welt. Hochrechnungen zeigen, dass das Nordpolarmeer in der Mitte des 21. Jahrhunderts im Sommer eisfrei sein dürfte.