Bericht an den Club of Rome "Wir werden Bewohner eines neuen Planeten"

Braunkohleabbau in Deutschland: Die Bedingungen auf unserem Planeten werden sich deutlich verändern, warnen Experten im neuen Bericht an den Club of Rome

(Foto: dpa)

Die Welt wird nicht untergehen, aber sie wird dank uns in Zukunft eine andere sein, warnt der Club of Rome: ein zerstörtes Ökosystem, Treibhausgase, versauerte Ozeane, überflutete Küsten und fehlende fossile Brennstoffe werden das Leben der Menschen deutlich verändern.

Die moderne Zivilisation ist abhängig von Öl, Kohle, seltenen Erden und Phosphat - doch mit der ausreichenden Versorgung wird es bald vorbei sein. Zu diesem Ergebnis kommt der Club of Rome in seinem neuen Bericht "Der geplünderte Planet - Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen". Die Forscher warnen darin vor einer Verknappung von Ressourcen und dem Zusammenbruch des Ökosystems.

Schon lange bevor der Welt die Rohstoffe ausgingen, werde sie sich die Ausplünderung aber gar nicht mehr leisten können, betonte der italienische Autor und Chemiker Ugo Bardi von der Universität Florenz. Bald müsse man mehr Energie in die Förderung von Öl und Gas investieren als man herausbekomme.

"Schon jetzt verbraucht die Bergbau-Industrie zehn Prozent des weltweit hergestellten Diesel-Kraftstoffs", sagte Bardi in Berlin. Es seien fast nur noch Ressourcen mit geringer Konzentration übrig, für die man immer tiefer bohren und - wie beim Fracking - teurere Technologien anwenden müsse.

Das "Verglühen des fossilen Feuers" und die Zerstörung des Ökosystems mit hohen Konzentrationen von Treibhausgasen, versauerten Ozeanen und überfluteten Küsten werden die Erde nach Bardis Ansicht verwandeln. "Sie machen uns zu Bewohnern eines neuen Planeten - eines Planeten mit ganz anderen klimatischen Bedingungen und einer geringeren Ressourcenverfügbarkeit", schreibt er.

Mit dem Verschwinden fossiler Brennstoffe könne die Welt zu einer agrarischen Gesellschaft zurückkehren, malt der Chemiker ein düsteres Bild. Wenn es gelänge, die Stromerzeugung mit anderen Mitteln - wie etwa der Solarenergie - aufrechtzuerhalten, müsse ein neues System zwar auf Autobahnen und Flugverkehr verzichten, nicht aber auf Internet, Roboter, Kommunikation über große Distanzen und Ernährungssicherheit.

Der Report erscheint 41 Jahre nach dem Bericht "Die Grenzen des Wachstums", der den Club of Rome 1972 bekanntgemacht hatte. Auch hier hatte der Forscherverbund bereits vor dem Ende der Rohstoffe und vor Umweltzerstörung gewarnt.

Ein großer Teil der Prognosen sei eingetreten, betonte Club of Rome-Vizepräsident Ernst-Ulrich von Weizsäcker. "Die Probleme haben sich vergrößert, nicht verkleinert." Der neue Report "Der geplünderte Planet" zeige auch, dass die Energiewende nur eine Vorstufe einer Ressourcenwende sein dürfe, sagte Maja Göpel vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Bereits jetzt würden so viele Rohstoffe verbraucht, dass ein Nullwachstum für eine nachhaltige Entwicklung nicht ausreiche.

Der Club of Rome ist ein Zusammenschluss von Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft aus mehr als 30 Ländern. Die gemeinnützige Organisation setzt sich für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft der Menschheit ein. Sie wurde 1968 auf Initiative des italienischen Industriellen Aurelio Peccei und des schottischen Wissenschaftlers Alexander King in Rom gegründet.