Bedrohte Umwelt 2025 - die Welt vor dem ökologischen Kollaps

Die Zeit läuft uns davon: Laut einer neuen Studie droht bereits im nächsten Jahrzehnt der Zusammenbruch des ökologischen Gleichgewichts. Wenn Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Umweltzerstörung sich weiterentwickeln wie bisher, sind demnach die Folgen für das globale Ökosystem verheerend. Und unumkehrbar.

Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Umweltzerstörung könnten nach Ansicht führender Wissenschaftler möglicherweise noch in diesem Jahrhundert zu einem unwiderruflichen Kollaps des globalen Ökosystems führen. Dieses könnte plötzlich kippen und nicht, wie allgemein angenommen, über Jahrhunderte hinweg langsam zusammenbrechen, warnten sie in einer am Mittwoch vom Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie.

Bedrohte Erde: Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Umweltzerstörung könnten noch in diesem Jahrhundert zu einem unwiderruflichen Kollaps des globalen Ökosystems führen

(Foto: dpa)

Ohne Gegenmaßnahmen könnte der "kritische Punkt" schon bald erreicht sein, mahnten sie im Vorfeld der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung vom 20. bis 22. Juni in Rio de Janeiro. Für die Studie arbeiteten insgesamt 22 führende Biologen, Ökologen, Geologen und Paläontologen aus drei Kontinenten zusammen.

Sie verglichen die Auswirkungen früherer weltweiter Umweltveränderungen - wie etwa während der Eiszeit - auf Flora und Fauna mit dem aktuellen Wandel. In ihren Berechnungen gingen sie von einem Anstieg der Bevölkerung auf 9,3 Milliarden bis 2050 und einer Klimaerwärmung aus, die das UN-Begrenzungsziel von zwei Grad Celsius übersteigt.

Demnach wird das gesamte weltweite Ökonetz kollabieren, sobald 50 bis 90 Prozent der kleineren Ökosysteme in ihrer bisherigen Form zerstört sind. Laut der Studie werden schon heute 43 Prozent der eisfreien Erdoberfläche für Landwirtschaft und zum Wohnen genutzt. Sollte der Trend anhalten, wäre die potentiell gefährliche 50-Prozent-Marke bereits 2025 erreicht.

Verheerende Folgen für die Ernährung der Weltbevölkerung

Ein Zusammenbruch des ökologischen Gleichgewichts hätte verheerende Konsequenzen für die Fähigkeit, die Weltbevölkerung ausreichend ernähren zu können, mahnen die Autoren. Die Entwicklung wäre unumkehrbar, erklärte der Biologe Anthony Barnosky von der Universität von Kalifornien, einer der führenden Autoren der Studie. "Biologisch gesehen wird es dann wirklich eine neue Welt geben".

Angesichts vieler Unwägbarkeiten wollen sich die Forscher allerdings nicht festlegen, wann genau der befürchtete kritische Punkt erreicht sein wird. Außerdem weisen sie darauf hin, dass die Menschheit nicht unvermeidlich auf diesen Punkt zusteuert. Noch gebe es Zeit für Lösungen, wie etwa ein Ende der Verschwendung von Rohstoffen oder des Wachstumdenkens um jeden Preis.

Die Wissenschaftler kritisieren aber auch, dass bislang noch zu wenig passiert sei. "Kurz gefasst, bisher wurde noch nichts wirklich Relevantes unternommen, um das Schlimmste zu verhindern", erklärte Arne Mooers, Professor für Biodiversität an der kanadischen Simon Fraser Universität.