Baustopp Biberburg am Waldschlösschen

Wieder gefährdet ein Tier den Bau der Dresdner Elbbrücke: Zuerst hielten Fledermäuse das Bauvorhaben auf, nun siedelt ein Biber an der Brücke.

Von Christiane Kohl

Klagen über Klagen hatte es gegen die Dresdner Waldschlösschenbrücke gegeben. Naturschützer stemmten sich dagegen, Architekten und Kulturschaffende geißelten die teure und ihrer Ansicht nach uninspirierte Planung. Auch das Weltkulturerbe-Komitee der Unesco wandte sich vehement gegen den Brückenbau, der die Dresdner Elbauen durchschneidet.

Ein Elbbiber stoppt derzeit die Bauarbeiten an der Waldschlösschenbrücke.

(Foto: Foto: ddp)

Die Kulturwächter der UN erkannten der Elbestadt gar den begehrten Titel eines Weltkulturerbes für die Flusslandschaft mit ihren historischen Schlössern und Weinbergen ab.

Alle Klagen und Kritiken waren bislang vergebens. Selbst die Kleine Hufeisennase, eine geschützte Fledermausart, die durch das Bauvorhaben gefährdet zu sein schien, konnte den Fortgang des umstrittensten deutschen Brückenbaus nicht stoppen. Bis nun ein kleiner Biber dahergeschwommen kam.

Das Nagetierchen der Gattung Castor fiber albicans hat sich just an einer der neu in den Fluss gerammten Brückenstützen eine Burg gebaut. Es ist ein unscheinbares Nest aus Schwemmholz, Grasbüscheln und Geäst, das zwischen der Stahlstütze und dem Uferschlamm sitzt.

Die Arbeiten aber an dem knapp 200 Millionen Euro teuren Koloss aus Stahl und Beton, der sich dereinst über die Elbe spannen soll, könnten durch die Biberburg noch empfindlich gestört werden. Denn nach den geltenden Naturschutzbestimmungen darf der Bau nicht angetastet werden, solange sich der Biber in der Aufzuchts-, Fortpflanzungs- oder Überwinterungsphase befindet.

Auch dürfte der Lärm der Brückenbauarbeiten das Tierchen stören. Notfalls, meint der Leiter des Dresdner Straßenbauamts Reinhard Koettnitz, müsse daher eine Ausnahmegenehmigung für den Weiterbau beantragt werden.

700 Exemplare in Sachsen

Nach Auskunft des Landesumweltamtes zählt der Elbebiber mit seinen durchschnittlich 25 Kilogramm Körpermasse und einer Länge von etwa 1,25 Metern zu den größten Nagetieren Europas.

In Sachsen soll es noch etwa 700 Exemplare davon geben, die in 270 Revieren ihre Nester bauen. Zu DDR-Zeiten waren bei den Bibern vor allem jene Uferregionen beliebt, wo sich warmes Industrie-Abwasser in den Fluss ergoss.

Die Bauarbeiten für die Waldschlösschenbrücke hatten - nach erbittert ausgefochtenen Rechtsstreitigkeiten - Ende 2007 begonnen. Wie Straßenbauamtsleiter Koettnitz berichtet, klebt die Biberburg jetzt an einem Hilfspfeiler, der im Laufe des Brückenbaus wieder entfernt werden soll.

Zuvor müsste freilich - eine naturschutzrechtliche Genehmigung vorausgesetzt - der Biber samt Nest von Experten kunstvoll an einen anderen Ort gebracht werden, sodass das sensible Tierchen nicht verletzt oder gar getötet wird.

Doch so weit ist es noch lange nicht. Gerade wird der riesige Brückenbogen am Ufer zusammengeschweißt. Um das 1800 Tonnen schwere Stahlstück in der Flussmitte "einzuschwimmen", wie es im Fachjargon heißt, bedarf es einer weiteren Genehmigung, die wegen Planungsfehlern noch nicht eingeholt wurde.

Die Brückenbauer hatten nicht bedacht, dass hierfür etwa 1,2 Hektar zusätzlicher Uferfläche ausgebaggert werden müssen. "Lauter Wasserschlamm", meint der Straßenbauamtsleiter.

Laut den Naturschützern aber befindet sich darin ein wertvolles Feuchtbiotop, ein sogenanntes FFH-Gebiet (Fauna, Flora, Habitat), das gefährdeten Arten Lebensraum bietet: der Grünen Keiljungfer etwa, einer seltenen Libellenart, die auf der roten Liste steht, dem Flusslachs - und eben auch dem Biber.