Ein Interview von Markus C. Schulte v. Drach

Warum auch der WWF Deutschland - schweren Herzens - dafür ist, den nach Bayern eingewanderten Braunbären zu töten.

Um die Braunbären-Population in Österreich kümmern sich auch Fachleute des WWF - so genannte Bären-Anwälte. Im Gespräch mit sueddeutsche.de erklärt Ulrike Bauer, Sprecherin von WWF Deutschland, warum die Organisation Schnappaufs Entscheidung für richtig hält.

Trotz Abschuss-Freigabe: Meinhard Süß vom Forstamt Oberammergau verteilt Funkgeräte an Jäger, die den Bär suchen wollen. Werden Spuren des Tieres entdeckt, soll die Bärenfalle zum Einsatz kommen. (© Foto: ddp)

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sueddeutsche.de: Bayerns Umweltminister Schnappauf wird für die Entscheidung, den Braunbären in Bayern zum Abschuss freizugeben, teilweise heftig kritisiert. Wie steht der WWF dazu?

Ulrike Bauer: Dieser Entscheidung ging eine Expertenrunde voraus, an der auch ein WWF-Bärenanwalt aus Österreich teilgenommen hat. Unser Kollege hat bestätigt, dass dieses Tier so verhaltensauffällig ist, dass wir die Entscheidung unterstützen müssen. Dem WWF ist es sehr, sehr schwer gefallen, der Entscheidung zuzustimmen.

sueddeutsche.de: Eine Chance, das Tier zu betäuben, zu fangen und in einer anderen Gegend wieder freizulassen, sehen Sie nicht?

Bauer: Unsere Kollegen versuchen weiterhin, das Tier mit einer Bärenfalle zu fangen. Wenn das gelingt, gibt es die Möglichkeit, den Bär in ein Gehege zu bringen.

sueddeutsche.de: Wie groß sind die Chancen, dass das Tier in die Falle geht, bevor es einem Jäger vor die Flinte kommt?

Bauer: Die Chancen sind schlecht. Das Tier ist sehr wanderfreudig. Aber die Bemühungen, das Tier lebend zu fangen, und die Hoffnung geben wir natürlich nicht auf.

sueddeutsche.de: Wenn es gelingen sollte, das Tier zu fangen, könnte man es dann wieder auswildern? Oder gibt es jemanden, der den Bären in einem geeigneten Gehege halten würde?

Bauer: Es gibt ein Angebot von der Organisation "Vier Pfoten", das Tier in einem Gehege zu halten. Ob sich das Wildtier in Gefangenschaft wohl fühlen würde, müsste man dann sehen.

Den Bären in eine andere Gegend zu bringen ist schwierig, weil es in den Alpen nicht so viel unberührte Gebiete gibt wie zum Beispiel in Kanada, wo das getan wird.

sueddeutsche.de: Und es müsste ein unberührtes Gebiet sein, weil dieses Tier wahrscheinlich sonst wieder in der Nähe von Menschen nach Nahrung suchen würde?

Bauer: Ja. Daran hat sich der Bär schon zu sehr gewöhnt.

sueddeutsche.de: Wenn es bereits ein konkretes Angebot gibt, das Tier in einem Gehege zu halten, sollte dann Herr Schnappauf nicht dazu auffordern, den Bären zu betäuben, anstatt ihn gleich erlegen zu lassen?

Bauer: Die Chance, das Tier zu betäuben und zu fangen, ist so klein, und die Gefahr für Menschen inzwischen so groß, dass wir Herr Schnappaufs Entscheidung für gerechtfertigt halten. Man muss dieser Situation einfach ins Auge sehen.

sueddeutsche.de: Bei unseren Nachbarn gibt es seit Jahren Erfahrungen mit Braunbären. Gab es dort vergleichbare Fälle?

Bauer: In Österreich gibt es zur Zeit 30 Bären und das Nebeneinander von Tier und Mensch funktioniert dort gut. Aber es gab in der Vergangenheit zwei Fälle von "Problembären", in der Steiermark und in Oberösterreich, die erlegt werden mussten.

Der WWF in Österreich hat einen Bären-Managementplan erstellt, der vorsieht, dass verhaltensauffällige Tiere gefangen und mit einem Sender versehen werden sollen. Wenn man den Aufenthaltsort des Bären kennt, kann man versuchen, dem Tier mit so genannten "Vergrämungsaktionen" wieder eine Scheu vor Menschen anzuerziehen.

Diese Methoden wurden in Österreich versucht. Aber es gibt leider keine Gewähr, dass sie zum Erfolg führen.

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(sueddeutsche.de)