Offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken tötet Japan Wale - jüngst eine Mutter mit ihrem Kalb. Australien protestiert mit schockierenden Fotos und riskiert einen Rechtsstreit mit Tokio.
Der Abschuss einer Walmutter und ihres Kalbes durch japanische Walfänger hat scharfe Proteste der deutschen und der australischen Regierung hervorgerufen. Die Verantwortlichen in Canberra forderten von Tokio, den Walfang im Südpazifik einzustellen. Die "schockierenden Bilder", sagte Zollminister Bob Debus, "werden uns helfen, die Klage vorzubereiten, mit der die australische Regierung an ein internationales Gericht gelangen will, um den Walfang zu stoppen".
Australische Medien platzierten das Bild der getöteten Walmutter und ihres Kindes an prominenter Stelle. (© Foto: dpa)
Anzeige
Die Bilder waren von einem australischen Zollschiff aus aufgenommen worden. Der Walfang sei für Deutschland "nicht akzeptabel", sagte auch Agrarstaatssekretär Gert Lindemann bei einem Besuch in Neuseeland.
Japan schickt jährlich, trotz eines Moratoriums der Internationalen Walfangkommission (IWC), das seit 1986 in Kraft ist, eine Walfangflotte in den Südpazifik. Australien will die Gewässer nahe der Antarktis zur Schutzzone für alle Wale machen.
2008 soll die japanische Flotte 850 Minkwale und 50 Finnwale jagen - "ernten", wie es beim Fischerei-Ministerium in Tokio heißt. Die Beute soll "wissenschaftlichen Zwecken" dienen. In beschränktem Maße lässt das Moratorium Forschungsfang zu. Walfanggegner bestreiten indes die Seriosität dieser Forschung. Das Fleisch der Wale gelangt in Japan zum Konsum in den Verkauf.
Die für diese Saison erstmals seit mehr als 40 Jahren geplante Jagd auf Buckelwale hat Tokio nach einem Aufschrei der Weltöffentlichkeit im November vorerst zurückgestellt. Japan, im Juli Gastgeber des G-8-Gipfels, scheint derzeit besonders um sein Image bemüht.
Jedoch gilt der Einsatz der neuen australischen Regierung unter Kevin Rudd nicht nur dem Umweltschutz, sondern auch dem Kampf gegen den Walfang. Nach dem Besuch von Australiens Außenministers Stephen Smith vergangene Woche sah Premier Yasuo Fukuda sich sogar genötigt, zur Besonnenheit zu mahnen, der Walfang dürfe die diplomatischen Beziehungen nicht trüben.
Walfang-Alltag
Die am Donnerstag veröffentlichten Bilder tun genau dies. Eigentlich zeigen sie Walfang-Alltag; die harpunierten Tiere, die zum Zeitpunkt der Aufnahme tot sein dürften, werden ins Verarbeitungsschiff gehievt. Japans Walforschungs-Institut bezeichnete die Bilder in seiner ersten Stellungnahme als "emotionale Propaganda". Außerdem seien die beiden Minkwale nicht verwandt, also nicht Mutter und Kalb.
Trotz Moratorium sind jüngst jedes Jahr mehr Wale gefangen worden. Die 60 Jahre alte IWC droht auseinanderzubrechen. Gegründet zur Festlegung von Quoten, mithin zu einer fairen "Bewirtschaftung" der Walpopulation, ist sie für die Mehrheit der Teilnehmerstaaten zu einer Plattform geworden, auf der sie für das definitive Ende jeden Walfangs kämpfen.
Die Walfang betreibenden Nationen - vor allem Japan, Norwegen und Island - dagegen haben einst nur ins Moratorium eingewilligt, damit die Bestände sich erholen könnten; nicht, um den Walfang aufzugeben. In Japan herrscht die Meinung, der Westen - vor allem die USA - wolle das Land zur Kapitulation zwingen; doch Walfang gehöre zur japanischen Kultur. Wirtschaftlich ist der Nutzen marginal, die "wissenschaftliche" Jagd ist nur dank der Regierungszuschüssen und dem Fleischverkauf möglich.
Norwegen gab am Donnerstag für dieses Jahr 1052 Zwergwale zum Abschuss frei. Die Quote bleibt damit das dritte Jahr in Folge unverändert. 2006 war sie um 30 Prozent angehoben worden - auf den höchsten Wert seit Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs in Norwegen 1993. Wegen schlechten Wetters erfüllten die Jäger die Quote 2006 und 2007 aber nur etwa zur Hälfte.
(SZ vom 8.2.2008/beu)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Sie haben es leider immer noch nicht verstanden und vergleichen Äpfeln mit Birnen. Kühe und Kälbchen im Schlachthof sind grausam. Wer es nicht möchte, isst kein Fleisch reduziert den Milchverbrauch und bezieht Milch aus artgerechter Haltung. Trotzdem bleiben Kühe Tiere, die vom Menschen gezüchtet wurden und werden.
Wale sind freilebende Tiere, deren Populationsgrößen früher durch Nahrungsangebot, Feinde und Naturkatastrophen bestimmt wurde, ein natürliches Gleichgewicht eben.
Heute ist der Mensch der Faktor, der alle Walpopulationen (außer denen der Zwergwalen...noch) an den Rand der Ausrottung gebracht hat, durch ...
Lärm und Kollisionen aus Schiffsverkehr, Unterwassersprengungen, Meeresverschmutzung und Vermüllung sowie Jagd und anderen Gründen. Wir wissen nicht, ob die Walpopulationen und damit auch die Walarten diesem Planeten erhalten bleiben.
Die Bestände z.B. vom Blauwal erholen sich trotz 30 jähriger Schutzmaßnahmen nicht mehr.
Und dann vergleichen Sie Zuchtrinder mit wildlebenden Tieren und schreien Propaganda?
Was die Faröer, Norweger, Isländer und Japaner vorhalten ist schlichtweg gelogen.
In der heutigen Zeit ist niemand mehr auf Walfang angewiesen!
Die Faröer schlachten aus Spaß. Schauen Sie sich die Bilder auf youtube mal an.
Japan schlachtet keine Wale zu Forschungszwecken sondern zu Kommerziellen und denen reden Sie das Wort! Wenige Menschen mit egoistischen Parikularinteressen stehen Ihnen näher als intakte Meere?
Das nenne ich wirklich auf beiden Augen blind!
Wenn eine Kuh mit Kälbchen in einem deutschen Schlachthof zu Steaks verarbeitet wird, sieht das denn so viel romantischer aus? Was soll solch plumpe Propaganda?
Mich ärgert die Doppelzüngigkeit dieser Debatte. Jede Kultur schlachtet Tiere. Auch Australien, auch wir. Auch viele Tier- und Fischarten, die vom Aussterben bedroht sind. Aber wir maßen uns an, anderen Kulturen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben, was sie zu essen haben.
Und das ganze kaschieren wir unter dem Deckmäntelchen des Tier- oder Artenschutzes. Klingt sympatisch und lenkt schön von unseren eigenen Versäumnissen ab. Wundern wir uns ernsthaft, wenn wir in der Welt immer weniger gehört werden?
Wenn es uns wirklich um den Tierschutz ginge, würden wir mit Japan über sinnvolle Walfangquoten verhandeln. Den Japern ist der Schutz der Wale nämlich ausgesprochen wichtig. Aber natürlich lassen sie sich nicht bevormunden. Geht uns doch auch nicht anders...
Das Video sei schockierend. Wie soll Walfang denn sonst aussehen?
Außerdem geht es hier sicher mal wieder mehr um Politik als um die armen Wale. Die sind nur Bauernopfer.
Die (gewollte) Emotionalisierung des Themas ("arme Wale","widerlicher Vorgang") macht eine Lösung des internatonalen Konflikts nicht einfacher.
Die vom Westen ein wenig schizophren geführte Debatte (daß wir andere Säuger zur weiteren Nutzung ab/schlachten, stört auch niemanden) findet ihre Entsprechung auf der anderen Seite ("Forschungszwecke") und mündet letzten Endes in der halstarrigen Position der nationalen Ehre (Japan gegen den Rest der Welt).
Ohne Einsicht der wal-jagenden Staaten kommt man keinen Schritt weiter,also könnte man ihnen einen Schritt entgegenkommen: Japan und Norwegen dürfen pro Jahr eine Zahl an Tieren fangen und verarbeiten, die deutlich unter einer bestandskritischen Grenze liegt. Bei Einhaltung der Quote verpflichtet sich "der Westen", sich jeglicher "moralischer" (also: populistischer) Äußerungen zu enthalten.
Guter Diplomatie muß das möglich sein. Wenn man Atomwaffensperrverträge aushandeln kann, kann man auch Walfangquoten aushandeln. Und einhalten.
Japans Walforschungs-Institut bezeichnete die Bilder in seiner ersten Stellungnahme als "emotionale Propaganda".
So gesehen war auch die Reaktion Japans auf Hiroshima und Nagasaki eine "emotionale Propaganda". Denn die Bombenabwürfe dienten,auch zu wissenschaftlichen Zwecken.
Es ist eine Schande, wie man Japan das Abschlachten gestatten kann. Für mich ist seit Jahren jeglicher Respekt vor dieser Kultur verlorengegangen, die einst als Hochkultur galt.
Paging