Australien Das Rätsel der Feenkreise

Feenkreise wurden jetzt auch in Australien entdeckt.

(Foto: Stephan Getzin/dpa)
  • Als "Feenkreise" werden kreisrunde Kahlstellen in Grasflächen bezeichnet.
  • Wissenschaftler haben nun auch in Australien die rätselhaften Flecke entdeckt.
  • Wie die Phänomene entstehen, ist unklar. Als Ursache kommen Pflanzen, Insekten oder Gasfreisetzungen aus dem Boden infrage.
Von Christopher Schrader

Feenkreise galten bislang als exklusive Attraktion Namibias. Die kreisrunden, kahlen Flecke in Grasflächen, umgeben von einem Kranz hoher Gräser, faszinieren Touristen wie Forscher. Doch nun hat ein Forscherteam um Stephan Getzin vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig Feenkreise auch im australischen Outback entdeckt (PNAS, online). Hier wie dort führe Wassermangel zu dem Muster, ist Getzin überzeugt. Demnach wäre es ein Selbstorganisationsprozess, bei dem schon anfangs stärkere Pflanzen ihre Vorteile immer weiter ausbauen. "Die kräftigeren Gewächse verbessern ihren Zugriff auf die knappe Flüssigkeit immer weiter, bis innen im Kreis keine Konkurrenten mehr überleben können", sagt Getzin.

Diese These ist eine von drei möglichen Erklärungen für Feenkreise. Forscher der Universität Pretoria in Südafrika sehen den Grund in Gasfreisetzungen aus dem Boden. Norbert Jürgens von der Universität Hamburg wiederum hält Sandtermiten für die Verursacher: Sie fräßen in einem Bereich über ihrem unterirdischen Nest die Gräser weg, so dass sich unter dem nun kahlen Boden Wasser sammelt. Die immergrünen Gräser des Rings profitierten davon, bildeten für die Insekten aber nur eine Futterreserve für Dürrezeiten, schrieb Jürgens vor zwei Jahren in Science.

Die neue Entdeckung könnte den Streit vertiefen

Stephan Getzin hält diese Argumente für unzulänglich: "Feenkreise sind meist in einer sechseckigen Geometrie angeordnet, und über die weite Landschaft sind alle Nachbarkreise ungefähr zehn Meter weit weg." Das passiere in der Natur häufig, wenn es Konkurrenz um knappe Ressourcen gibt. Weder Quellen von Gasemissionen noch Insektennester seien so regelmäßig angeordnet. "Die Termiten gibt es zudem in Namibia praktisch überall im Sand, in Australien dagegen weisen die meisten Feenkreise überhaupt keine Insekten-Spuren auf."

Auch in seiner Theorie spielt ein Wasserreservoir die entscheidende Rolle. Es bildet sich im Sandboden der Namib-Wüste in etwa einem Meter Tiefe, die Gräser des Kreisrands haben alleinigen Zugriff darauf. In Australien sind die Verhältnisse anders: Dort verbackt der ungeschützte Boden im Kreis zu einer glatten Oberfläche. Regenwasser läuft darüber zum Rand, wo es entlang der Pflanzenstängel zu den Wurzeln gelangt. Der harte Boden verhindert hier, dass sich im Kreis andere Pflanzen ansiedeln. In Namibia, vermutet Getzin, sind die oberen Schichten des lockeren Bodens zu trocken und heiß für Neuankömmlinge.

Die Feenkreise ziehen sich im Outback über eine große Fläche.

(Foto: Kevin Sanders/dpa)

Der australische Fund dürfte den akademischen Disput allerdings nicht beilegen. Norbert Jürgens bestreitet, dass die kahlen Stellen im Outback überhaupt echte Feenkreise sind; die könnten sich nur in Sand bilden. Außerdem seien auch in der australischen Wüste Termiten an der Bildung der wassersammelnden, harten Lehmschichten beteiligt. Getzin erwidert, dass sich Insektennester dort wenn überhaupt meist am Rand, nicht in der Mitte der kahlen Flecke fänden.