Früher verstand der Westen eine starke Marine als Schlüssel zu globalem Einfluss. Inzwischen legt Europa nicht mehr so viel Wert auf seine Seestreitkräfte - ganz im Gegensatz zu den asiatischen Ländern.
Für Welthistoriker ist es immer faszinierend, wenn sie auf Entwicklungen stoßen, die sich fast gleichzeitig, aber in völlig verschiedenen Regionen abspielen und dabei ähnlich oder konträr verlaufen.
Die US-Schlachtschiffe USS Maryland und USS Oklahoma im Hafen von Pearl Harbor nach dem japanischen Angriff 1941 (© Foto: dpa)
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War es etwa bloßer Zufall, dass nach 1870 die rasch wachsenden neuen Staaten Deutschland, Japan, Italien und die USA ungefähr alle zur selben Zeit "erwachsen" wurden?
Und war es nicht ein seltsames Auseinanderklaffen der politischen Kulturen, als sich Großbritannien, Frankreich und Amerika in den Jahren zwischen den Weltkriegen als besonders pazifistisch erwiesen, während die Stimmung in Deutschland, Italien und Japan äußerst aggressiv und militaristisch war, wodurch der Zweite Weltkrieg praktisch unvermeidlich wurde?
Gehen wir nun einmal in der Zeit zurück und betrachten wir eine der frappantesten gegensätzlichen Entwicklungen in der Weltgeschichte. In den ersten Dekaden des 15. Jahrhunderts führte der große chinesische Admiral Cheng Ho eine Reihe verblüffender maritimer Expeditionen an, hinaus durch die Straße von Malakka, zum Indischen Ozean und sogar bis vor die Küsten Ostafrikas.
Gegensätzliche Entwicklungen
Die Marine Chinas kannte damals nicht ihresgleichen. In einem späteren Jahrzehnt wurde den überseeischen Abenteuern chinesischer Schiffe von hohen Regierungsbeamten in Peking jedoch ein Riegel vorgeschoben.
Sie wollten der Verteidigung gegen die landwärts gerichtete Bedrohung durch die Mandschu im Norden Chinas keine Ressourcen entziehen und fürchteten außerdem, eine seewärts orientierte Gesellschaft offener Märkte könnte ihre Autorität untergraben.
Zur selben Zeit drängten auf der anderen Seite des Globus Forscher und Fischer aus Portugal, Galizien, Britannien und Südwestengland hinaus aufs weite Meer, nach Neufundland, zu den Azoren und zur Westküste Afrikas.
Während Chinas große Flotten auf kaiserliche Order hin zerlegt und verschrottet wurden, begann Westeuropa, in "neue" Welten vorzustoßen, wo sie auf dem amerikanischen Kontinent, in Afrika, Asien und im Pazifik alte und bemerkenswerte Kulturen und Völker entdeckten. Für jeden Ort der Welt, der für westliche Schiffe zugänglich war, bestand die Gefahr, angegriffen zu werden.
Vor allem verstand der Westen eine starke Marine als Schlüssel zu globalem Einfluss, wie der amerikanische Navy-Captain A. T. Mahan vor mehr als einem Jahrhundert in seinem Klassiker "Der Einfluss der Seemacht auf die Geschichte" dargelegt hat.
Spiel mit den Marine-Muskeln
Und wie sieht es heute aus? Wieder einmal verläuft eine bemerkenswerte Entwicklung auf den zwei Hälften des Erdballs gegensätzlich, was bisher kaum beachtet wird: Wie schon vor sechs Jahrhunderten sind auch diesmal bei den europäischen und den asiatischen Nationen völlig konträre Auffassungen davon zu beobachten, welche politische Bedeutung die Stärke ihrer Seemacht hat.
Dabei gilt mein Augenmerk weniger der amerikanischen Haltung bezüglich einer eigenen starken Seemacht, insbesondere nicht der Haltung der aktuellen Regierung im Weißen Haus. Dieses Land plant ohnehin, seine Marine-Muskeln stets weiter aufzubauen.
Auch von Wladimir Putins Russland ist hier nicht die Rede. Die russischen Seestreitkräfte haben so manchen harten Schlag erlitten; Kürzungen von Ausgaben und Personal machten ihnen ebenso zu schaffen wie rostende Kriegsschiffe, die während der vergangenen 25 Jahre dem Zahn der Zeit zum Opfer fielen.
Doch zweifelsohne ist Russland dabei, seine Marine wieder aufzubauen. Zwar kommt sie wahrscheinlich nicht mehr an die relative Stärke ihrer glorreichen Sowjetzeiten während der siebziger und achtziger Jahre heran. Doch Russland ist fest davon überzeugt, dass es nur mittels einer starken Seemacht als Global Player mithalten kann.
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Linke mit neuer Führung
Solange mit Kriegen Geld und Macht raffen kann, wer sie nicht selbst mit Leib und Leben ausfechten muss, und solange diejenigen, die sie mit Leib und Leben ausfechten, Kriege für unausweichliche Katastrophen oder sogar notwendig zur Durchsetzung welcher Ideologischen Phrasen auch immer halten, solange werden sich immer wieder Menschen gegenseitig umbringen, die mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätzlichkeiten haben, aber "ihre Pflicht tun" oder "stolz auf ihr Land" sind oder irgendwelche Voruteile verinnerlicht haben. Im Auftrag derjenigen, die währenddessen und hinterher Reichtum und Ruhm unter sich aufteilen.
Nur Bildung und Aufklärung, diese alten humanistischen Tugenden, können dem was entgegensetzen. Und? Welcher Staat rüstet in dieser Hinsicht auf? Wird an neuen Vermittlungsstrategien für "kritisches Denken" und "mündige Entscheidungsfreiheit" und "ethische Wissensgrundlagen" ebenso intensiv geforscht wie an neuen Waffen?
Diskussionen um Rüstungsfragen sollten immer und überall sofort aus der scheinbaren "Zugzwangecke" herausgehoben und auf das Spielfeld gehievt werden, auf dem ein Konflikt sich für alle lohnt: Der Frage, ob man Frieden nicht ganz anders herstellen muss, und warum das von wem und warum nicht gemacht wird.
Hier bei uns in Europa hat schon jedes Land einmal in der Geschichte die Trumpfkarte "Anspruch auf globale Vorherrschaft" ausgespielt mit all den Konsequenzen, daß nach und nach alle Staaten, die sich nicht zu Vasallen machen lassen wollten, sich gegen diese Nation zusammengeschlossen haben, um sie dann letztendlich zu besiegen. Beispiel Deutschland, Beispiel British Empire, Beispiel Frankreich mit seinen Koloniebesitzen (La Grande Nation), Beispiel Russland (UdSSR).
In dieser Riege fehlen aber noch manche Staaten, die diese Erfahrung noch vor sich zu haben scheinen, hört man ihre Stimmen der Auserwähltheit (USA) oder das Muskelspiel der Produktivität (China). Die nächsten Kriege - kommt es nicht anderweitig z. B. durch Naturkatastrophen zur EInsicht - werden wohl diese neuen "Titanen" miteinander auisfechten. deshalb rüsten sie jetzt auf.
In den USA glaubt wirklich eine Mehrheit in der Bevölkerung, daß es eine Schwäche ihres Präsidenten ist, wenn er sein Land irgendeiner Gerichtsbarkeit oder irgend welchen Abkommen unterwirft, die nicht ihrem Land und ihrem Interesse entstammen. Bush ist sicherlich kein Akteur aus eigener Initiative, sondern der Weltmachtanspruch steckt in der Mehrheit der Bürger der USA und drängt zur Verwirklichung: sie wollen es jetzt wirklich wissen.
Europa hingegen ist durch seine Erfahrungen der Niedergänge und dem endlosen Nachhall davon, der fast jedem Einzelnen bis in die Haarspitzen seiner Existenz dringt, nicht in der "Stimmung", aufzubrechen und von seinen Erkenntnissen den Rest der Welt unbedingt überzeugen zu müssen.
Ich stimme mit Blackshot überein.
Ich halte (vielleicht etwas blauäugig) diese Risiko auch für vernachlässigbar.
Anstatt dass die Chinesen Hamburg und Bremen zu Wasser angreifen halte ich es für wahrscheinlicher, dass sie es sich in ein paar Jahren einfach kaufen, wenn sie da Lust drauf haben.
Eine große, kostspielige Marine scheint mir doch eher eine Sache von gestern zu sein.
Meiner Meinung nach gibt es größere Probleme. Trotzdem ein ganz interessanter Artikel.
Ist ja nett geschrieben, aber was soll die Lösung sein? Mitmachen? Fregatten statt Ganztagsschulen? Zerstörer statt Windräder?
Der "Esprit" einer starken (oder zumindest stärkeren als die englische) Marine hat beispielsweise gerade die Deutschen in der Zeit um 1900 geradezu in Wallung versetzt. Klar, aus der Logik eines Wettrüstens auszusteigen ist - insbesondere in einer größer, besser, schneller Welt - immer schwierig. Anscheinend auch für einen Direktor der "International Security Studies". Schade dass gerade er keine bessere Antwort auf wachsende asiatische Flotten vorzuweisen hat.