Der Tod von vier Kindern steht möglicherweise im Zusammenhang mit einem Mittel gegen das Zappelphilipp-Syndrom, berichtet das ZDF-Magazin "Frontal 21".

Ein Medikament, dass Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS oder ADHS, das Zappelphilipp-Syndrom) helfen soll, könnte nach Angaben des ZDF-Magazins "Frontal 21" in Zusammenhang mit vier Todesfällen stehen.

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Es seien zudem 234 Verdachtsfälle auf zum Teil gefährliche Nebenwirkungen wie Herzschwäche, Hörstürze und Suizidgedanken gemeldet worden, berichtete der Sender am Montag unter Berufung auf interne Unterlagen des Bundesinstitutes für Arzneimittel. Es handelt sich um das Mittel Strattera.

Die Todesursachen der vier gestorbenen Kinder seien Suizid, Herzinfarkt und Gehirnschlag gewesen. Das jüngste Kind war dem Bericht zufolge vier Jahre alt.

Der Patientenbeauftragte des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und Krankenkassen, Jörg Schaaber, hat dem ZDF zufolge eine Marktrücknahme des Medikaments gefordert. Das Mittel werde "im Prinzip bei gesunden Kindern" eingesetzt, weil diese hyperaktiv seien und sich schlecht konzentrieren könnten. "Das hat aber oft keinen Krankheitswert, ist nur nervig für die Umwelt", sagte Schaaber dem Magazin "Frontal 21".

Die Behandlung von Kindern mit einem so starken Medikament, das auch noch schwerwiegende Nebenwirkungen haben könne, stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Die Sprecherin des Bad Homburger Herstellers Lilly, Ingrid Weber, sagte, dem Unternehmen seien diese Zahlen nicht bekannt. Bei klinischen Studien zu Strattera sei kein Zusammenhang zwischen der Medikation und Todesfällen festgestellt worden. Ein Zusammenhang sei weder zu 100 Prozent auszuschließen noch könne er eindeutig hergestellt werden.

Vergleichsstudien mit der Verabreichung von Placebos hätten bei Strattera tatsächlich eine höhere Gefahr suizidaler Verhaltensweisen gezeigt. Es sei aber in keinem Fall zum Suizid gekommen.

Weber widersprach Forderungen des Patientenbeauftragten Schaaber, Strattera vom Markt zu nehmen. "Dafür gibt es keinen Anlass." Gleichzeitig appellierte sie an Patienten, falls sie durch die Berichterstattung verunsichert seien, sich vor einem Absetzen ihrer Medikamente in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt abzusprechen.

Strattera (Wirkstoff Atomoxetin) war vor vier Jahren zur Behandlung von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizitstörungen und Hyperaktivität (ADHS) zugelassen worden. Knapp ein Jahr später musste das Mittel mit einem Warnhinweis vor Suizidgedanken versehen werden. Kinder, die mit dem Medikament behandelt werden, müssen demnach sorgfältig auf Verhaltensänderungen beobachtet werden.

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(dpa/AFP/mcs)