Schlachten in der Schweiz Schnitzeljagd auf der Weide

Wer Rindfleisch essen will, muss Tiere töten (lassen). Aber das könnte weniger grausam vor sich gehen als meist üblich. Schweizer Bauern fordern nun, dass das Vieh auf der Weide, in vertrauter Umgebung, erschossen wird. Mit Jagdgewehr und Schalldämpfer.

Von Wolfgang Koydl, Zürich

Tierschützer wissen es längst, Bauern ohnehin, und auch Konsumenten gelingt es immer weniger, die Tatsachen zu verdrängen: Wie Rinder geschlachtet werden, ist an Grausamkeit kaum zu übertreffen. In seltener Einmütigkeit stimmen auch Feinschmecker zu.

Denn Stress und Todesangst der Tiere im Schlachthof ruinieren die Qualität der Schnitzel, Steaks und Entrecôtes.

Immer mehr Bauern in der Schweiz wollen nun Abhilfe schaffen. "Schlachten müssen wir, klar", meint der Agronom und Nebenerwerbslandwirt Eric Meili, der als Sprecher der Bewegung auftritt. "Die Frage ist: wie." Sein Vorschlag mag unkonventionell klingen, wird aber anderswo - auch in Deutschland unter bestimmten Bedingungen - praktiziert: Das Vieh wird auf der Weide erschossen, in vertrauter Umgebung, schnell und fast schmerzlos.

Vor allem wird den Tieren beim Transport Leid erspart, weshalb das Projekt von der internationalen Tierschutzorganisation Vier Pfoten unterstützt wird.

Meili und seine Mitstreiter wollen nicht, dass Schweizer Bauern ihre vom Armeedienst heimgenommene Waffe aus dem Schrank holen und auf der Alm auf Pirsch gehen. "Voraussetzung sind strenge Bestimmungen", sagt der 60-Jährige. "Gewehr und Munition müssen genau vorgeschrieben sein, ein Schalldämpfer muss verwendet werden, der Schütze muss ein Jagdpatent besitzen und im Umgang mit dem Gewehr geschult sein", erklärt Meili. "Er geht aus nächster Nähe vorbei, zielt auf den Kopf, drückt ab, zack, puff. Hat die Kuh auf dem Boden gelegen, sackt sie noch nicht einmal zusammen." Dann wird das Tier auf dem Hof ausgeblutet, bevor es ein Metzger im nahen Schlachthaus übernimmt.

Meili, der für das Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau arbeitet, näherte sich vom Ende her der Problematik. Mit seinen 30 Tieren produziert er hochwertiges Rindfleisch. Für dieses Ziel tat er alles, was er konnte: "Kein Kraftfutter, kein Mais in der Mast, gezielte Genetik, Naturphänomene ausnutzen."

Den Horror der Schlachtung sucht er abzumildern. Er übt vorher mit den Tieren den Transport, begleitet sie auf ihrem letzten Weg, und hat eine Übereinkunft mit dem Schlachthof, dass seine Rinder am Ende des Tages als Letzte angeliefert und an die Reihe kommen, damit sie die Schreie anderer Kühe nicht hören müssen.

Was Meili nicht vermeiden kann, sind der Transport und die letzten Augenblicke: die Fixierung in einem Stahlgestell und der Schuss mit dem Bolzen ins Hirn - so, wie es das Tierschutzgesetz vorschreibt. Daher hat das zuständige Veterinäramt des Kantons Zürich Meilis Vorschlag auch abgelehnt. Durch eine Kugel werden bislang nur Wildtiere getötet. Das gilt sogar für Zucht-Hirsche, die - wie Kühe - eingepfercht auf Weiden gehalten, aber von Hochsitzen aus "gejagt" werden.

"Ich will nicht, dass morgen jedes Rind in der Schweiz auf der Weide geschossen wird", sagt Meili. "Ich will nur, dass diese Möglichkeit gesetzlich verankert wird." Gesetze, so glaubt er, müssen sich an eine veränderte Gegenwart anpassen. Deshalb will er Widerspruch einlegen gegen den Bescheid der Behörde. "Jetzt lassen wir halt einfach unseren Rechtsstaat laufen", meint er. "Langsam und demokratisch."