Verbraucherschutz paradox: Die EU ändert wegen der nuklearen Katastrophe in Fukushima-1 die Grenzwerte für Radioaktivität in Lebensmitteln aus Japan. Für die Zeit der Krise dürfen nun stärker strahlende Produkte eingeführt werden.
Nicht nur über die Gefahr durch radioaktive Strahlung herrscht große Unsicherheit. Wie die Behörden die Grenzwerte festlegen, ist genauso verwirrend. Das belegt derzeit die Reaktion der Europäischen Union auf das Reaktorunglück in Japan. So wurde der breiten Öffentlichkeit erst durch Hinweise der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch und des Umweltinstituts München bekannt, dass seit dem Wochenende in der EU andere Grenzwerte für die Radioaktivität in Nahrungsmitteln aus Japan gelten als zuvor.
Aigner bei Strahlenkontrolle am Flughafen
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Gerade erst hatte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) erklärt, dass "die EU ihre Sicherheitsmaßnahmen vorsorglich weiter erhöht", und dass künftig Lebensmittel aus den betroffenen japanischen Regionen "nur noch in Deutschland eingeführt werden, wenn sie in Japan streng kontrolliert und zertifiziert wurden". Viele Bürger dürften deshalb erwartet haben, dass die Grenzwerte verschärft würden. Das Gegenteil ist der Fall.
Der Reihe nach: Aufgrund einer Verordnung des Rates der Europäischen Union vom Juli 2008 dürfen "landwirtschaftliche Produkte mit Ursprung in Drittländern nach dem Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl" nicht mehr in die EU eingeführt werden, wenn die Radioaktivität von Cäsium-134 und Cäsium-137 zu hoch ist. Zu hoch bedeutet gemäß dieser Verordnung (EG) Nr. 733/2008 für Milch und Milcherzeugnisse sowie für Säuglingsnahrung eine Gesamtaktivität von 370 Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg). Für alle anderen Nahrungsmittel liegt der Wert bei 600 Bq/kg.
An diese Werte hält man sich auch in Deutschland. Und wie ernst man sie nimmt, belegt etwa, dass Wildschweine, die in Süddeutschland aufgrund von Cäsium-Isotopen aus Tschernobyl häufig noch immer "strahlen", nicht verzehrt oder verkauft werden dürfen, wenn die Radioaktivität höher ist als 600 Bq/kg. Jäger erhalten in solchen Fällen eine finanzielle Entschädigung.
1987 allerdings, im Jahr nach der Tschernobyl-Katastrophe, hatte man sich in der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) auf die Verordnung (Euratom) Nr. 3954/87 "zur Festlegung von Höchstwerten an Radioaktivität in Nahrungsmitteln und Futtermitteln im Falle eines nuklearen Unfalls oder einer anderen radiologischen Notstandssituation" geeinigt.
In einem solchen Fall gelten andere - höhere - Grenzwerte. Für Cäsium-137 und -134 etwa liegt der Höchstwert dann bei 400 Becquerel pro Kilogramm für Säuglingsnahrung, für Milchprodukte bei 1000 und für alle anderen Nahrungsmittel bei 1250 Bq/kg.
Der "nukleare Unfall oder eine andere radiologische Notstandssituation" ist nach Einschätzung der EU nun für Japan eingetreten. Und für japanische Produkte gelten deshalb jetzt die in dieser Verordnung festgelegten Grenzwerte. Wirksam wurde dies mit der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 297/2011 der Kommission vom 25. März 2011. Vorerst bis zum 30. Juni 2011 gelten also nun Grenzwerte, die mehr Strahlung durch Cäsium-Isotope erlauben als vor der Atomkatastrophe von Fukushima-1. Im Gegensatz zu dem EU-Dokument aus dem Jahre 2008 gibt die Verordnung auch Grenzwerte für Strontium-90, Jod-131 und Plutonium-Isotope vor.
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Atomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind und Wasser plus Energieeffizienz und Einsparung gehören die Zukunft!
....da wird wohl die Überfischung abnehmen und auch die Bevölkerungszahlen werden sinken. Jahrelang hat diese Generation auf Kosten anderer gelebt, ob dei Athmosphäre zerstört oder die Welt verseucht wird hat im hier und jetzt nie jemand interessiert, wenn man die Wirtschaft im eigenen Land ankurbeln konnte
Mutmaßlich nimmt die EU-Bürokratie an, dass
1. entweder die japanischen Prüfer, sofern es sie überhaupt gibt, die Eichung ihrer Messgeräte so manipulieren, dass der reale Wert um das 2,5-fache unterschritten wird, oder
2. in Japan, wie überall auf der Welt üblich, die "Selbstverpflichtung" ignoriert wird, wo es um Sicherung des Geschäftes mittels kurzfristiger Täuschungsmanöver geht, und daher gar nicht gemessen wird. Die EU mutmaßt einfach, 2500 beqerel könnte die tatsächliche maximale Belastung betragen und winkt auf dieser "belastbaren", äh belasteten Datenbasis alle Lebensmittel durch.
3. die Verstrahlung nach der Messung bei Verladung und Transport durch den anhaltenenden strahlenden Fallout sich noch um das 2,5-fache erhöhen wird.
4. im Fall einer vergleichbaren Katastrophe in der EU, wo im Binnenland ein Meer und "gute" Winde nicht hilfreich sind, Lebensmittel ohne diesen hohen Grenzwert gar nicht verfügbar wären.
Jedenfalls: Erhöht die japanische Bürokratie ihre Grenzwerte in logischer Anpassung an den von der anhaltenden Katastrophe und ihren Betreibern jeweils als neuer Standard diktierten gestiegenen Level des radioaktiven Fallouts, so wird die EU Bürokratie nicht schlafen sondern in "brutalstmöglicher" Fürsorge auch ihre Grenzwerte nach oben "korrigieren".
Der Unterschied zwischen der Desinformationspolitik Japans und der EU ist marginal:
In Japan tragen die verantwortlichen Unheilsverkünder Blaumann zur Vortäuschung von Kompetenz und Mitverantwortung und verbeugen sich zur Vortäuschung von Demut gegenüber den Bürgern. Und als könne man den Götzen mit höflicher Haltung besänftigen.
In der EU trägt Aigner fuchtelnd einen Geigerzähler und redet schnell, damit der Widersinn des orwellschen Neusprech zur Beschönigung der Katastrophe nicht auffällt. Und als könne man den Götzen mit inszeniertem Aktionismus besänftigen.
Die Mittel sind variabel, die Ziele die gleichen.
Vor allem muss die EU-Bürokratie demonstrieren, dass Fukuschima nicht so schlimm ist, da sonst ein vergleichbarer Fall hier nicht zu "handhaben" wäre wegen der Massenpanik.
Und das Beste ist, daß die Grenzwerte in Japan GERINGER sind als die in der EU. Was man in Japan also nicht verkaufen kann, kann man nun prima exportieren.
Der Grenzwert für Fleisch in Japan liegt bei 500 Bq/kg.
Der Grenzwert für Fleisch in der EU liegt bei 1.250 Bq/kg.
Danke, liebe Politik.
Alles klar,
kauft keine japanische Ware (die ist verstrahlt).
Ich bewundere immer wieder die Politiker.
Bei der nächsten Wahl wieder minus 10%.
Die Selbstzerstörung der sogenannten demokratischen Parteien ist perfekt.
Paging