Astronomie Teleskope fangen extremes Funksignal aus dem All auf

Unter anderem das Arecibo-Teleskop auf Puerto Rico registrierte die Mikrowellen von Objekt FRB 121102

(Foto: AP)

Astronomen rätseln über Signale aus drei Milliarden Lichtjahren Entfernung. Ist ein rotierender Stern die Ursache? Oder vielleicht sogar eine außerirdische Intelligenz, wie immer gehofft wurde?

Von Patrick Illinger

Ein internationales Astronomen-Team hat Signale eines besonders bizarren Himmelskörpers aufgefangen. Ein drei Milliarden Lichtjahre entferntes Objekt namens FRB121102 schießt demnach stoßweise Mikrowellen extremer Intensität quer durch den Kosmos. Und diese Mikrowellen sind - wie sich nun zeigt - auf spezielle Weise polarisiert. Die Wellen mit Frequenzen von einigen Gigahertz schwingen alle in die gleiche Richtung.

Eine Ursache hierfür kann ein extremes Magnetfeld sein, welches der elektromagnetischen Strahlung eine solche Signatur aufzwängt. Womöglich befindet sich in der Nähe ein Schwarzes Loch, das diesen Einfluss hat. FRB121102 ist jedenfalls Teil einer Zwerggalaxie, in der massenweise junge Sterne entstehen. Und Schwarze Löcher bilden oft, möglicherweise immer das Zentrum solcher Sternhaufen.

Die Ausbrüche wiederholen sich dutzendfach

Wie die Physiker in der an diesem Donnerstag erscheinenden Ausgabe der Zeitschrift Nature berichten, strahlt der Himmelskörper pro Millisekunde etwa so viel Energie ins All ab wie die Sonne an einem gesamten Tag. Das Mikrowellensignal ist so stark, dass das Radioteleskop bei Arecibo auf Puerto Rico ebenso wie das Green Bank Teleskop auf dem nordamerikanischen Festland es trotz der großen Entfernung deutlich empfangen konnten.

Solche Mikrowellen-Ausbrüche sind kurze, intensive Impulse, wie sie auch an anderen Himmelskörpern bereits gemessen wurden. FRB121102 ist jedoch die bisher einzige bekannte Quelle, bei der sich die Ausbrüche dutzendfach wiederholen, was nach Ansicht der Astronomen dafür spricht, dass das Objekt extrem schnell um die eigene Achse rotiert. Möglicherweise handelt es sich um einen extrem magnetisierten Neutronenstern, einen sogenannten Magnetar. Rund 200 Mikrowellen-Ausstöße dieses Objekts wurden jedenfalls bisher beobachtet. Manche dauerten nur 30 Millionstel Sekunden, andere neun Millisekunden.

Weil der Entstehungsmechanismus der kurzzeitigen, extrem intensiven Strahlung nicht eindeutig geklärt ist, wollen die Experten nicht kategorisch ausschließen, dass eine hochentwickelte außerirdische Intelligenz am Werk ist. Zwar halten die beteiligten Astrophysiker diese Möglichkeit für wenig wahrscheinlich. Aber immerhin sollen die Signale ebenso wie Daten weiterer Himmelskörper mit Mikrowellen-Ausbrüchen im Rahmen des "Breakthrough Listen"-Projekts genauer durchkämmt werden. Der russische Milliardär Juri Milner hatte 2015 für die Suche nach außerirdischer Intelligenz insgesamt 100 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt.

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