Von Christopher Schrader

1572 entdeckte der Naturforscher Tycho Brahe "einen neuen Stern" und erschütterte das aristotelische Weltbild. Nun haben Astronomen die Überreste des Himmelskörpers entdeckt.

Eine der berühmtesten Beobachtungen in der Geschichte der Astronomie ist nun, nach 436 Jahren und 23 Tagen, endgültig erklärt.

Bild vergrößern

Die heutigen Überreste von Brahes Stern. (© Foto: dpa)

Anzeige

Am 11. November des Jahres 1572 hatte der dänische Naturforscher Tycho Brahe am Nachthimmel "einen neuen Stern" (stella nova) entdeckt. 16 Monate lang war das Objekt im Sternbild Cassiopeia zu sehen, bevor es wieder verblasste. Mit seiner Entdeckung erschütterte Brahe das aristotelische Weltbild, wonach der Fixsternhimmel unveränderlich sei.

Heute nennt man das kosmische Schauspiel Supernova und erklärt es als Sternenexplosion. Lange war jedoch unklar, welche Art von Explosion der Däne 1572 sah.

Ein internationales Team um Oliver Krause vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg hat nun das von interstellaren Staubwolken reflektierte Echo des ursprünglichen Lichtblitzes ausgewertet; die Echos erreichten die Erde im August und September dieses Jahres (Nature, Bd.456, S.617, 2008).

Den Forschern fielen Signale von Silizium-, Schwefel- und Eisenatomen auf - typisch für eine Supernova vom Typ Ia. Brahes sterbender Stern muss somit ein Weißer Zwerg gewesen sein, der einen Doppelstern-Partner aufsaugt, bis er selbst platzt. Die thermonukleare Explosion schleudert riesige Mengen Eisen ins All. Von solchen Explosionen stammt auch das Metall auf der Erde.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Elektro-Dreckschleudern

Strom-Autos in China belasten die Umwelt stärker als Benziner. Jetzt lesen ...

(SZ vom 05.12.2008/mcs)